Lauterach fordert zum “Ufanand-luaga” auf

Dem Miteinander soll in der Marktgemeinde wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Lauterach Das voll besetzte Lauteracher Vereinshaus erlebte eine “eigenartige” Veranstaltung: Der Verein mitnand, der Krankenpflegeverein, die bühne 68 und das BORG Lauterach hatten einen Impulsabend organisiert, bei dem es darum ging, das Miteinander neu zu entdecken und sich wieder mehr darauf zu besinnen, wie wichtig das “Ufanand-luaga” für ein gedeihliches Zusammenleben in einer Gemeinde ist.

Selbstverständliches geht verloren
In der abschließenden Diskussion kam in einer kurzen Wortmeldung drastisch zum Ausdruck, wie sehr die Kultur des “Ufanand-luagas” schon verloren ging: Wenn sie im Dorf unterwegs sei und dabei Entgegenkommende freundlich grüße, so eine Frau im Publikum, werde sie meist verwundert angeschaut, Gegrüßte reagieren überrascht und irritiert, eben ganz so, als hätten sie mit so etwas einfach nicht gerechnet. Dass das Grüßen weitgehend verloren ging, machte vor allem die älteren Besucher der Veranstaltung nachdenklich, denn “früher” war ein freundlicher Gruß nicht nur selbstverständlich, er führte manchmal auch zu einer Kontaktaufnahme und einem kurzen Gespräch, das zum Ausdruck bringt, dass man sich nicht gleichgültig ist, sondern eben “ufanand luagat”.

Wirkung ist belegbar
Zum Thema Grüßen und gegenseitige Wertschätzung zitierte Psychotherapeut und Sozialpädagoge Bertram Strolz in seinem Referat aus einer internationalen Studie: Demnach seien in großen Betrieben, in denen eine intensive Gruß- und Gesprächskultur gepflegt wurde, die Zahl der Krankenstände um rund 15 Prozent geringer als in vergleichbaren Unternehmen, in denen auf derartiges “ufanand luaga” kein Wert gelegt wird.

Eine riesige Kraftquelle

“Mir luagand ufanand” sei aber weit mehr als eine Höflichkeit, diese Achtsamkeit und Anteilnahme könne auch eine große Hilfe und riesige Kraftquelle sein, brachten Bürgermeister Elmar Rhomberg und Gemeindearzt Dr. Hubert Dörler in der Talkrunde mit Johannes Schmidle zum Ausdruck.
Die beiden waren lebensbedrohlich erkrankt. Und im Gespräch mit dem Moderator schilderten sie ihren schweren Weg zurück ins normale Leben. “Eine Ewigkeit” habe es gedauert, so Rhomberg, bis er einfache Handgriffe wie das Binden der Schuhe wieder geschafft habe. Alles musste er “neu erfinden” und in der Reha sei er fast in eine Depression gefallen, weil sich alles nur darum gedreht habe, wie man am besten und schnellsten in Invaliden-Frühpension gehen könne. Irgendwann sei ihm dann der Kragen geplatzt und er habe verlangt, man solle doch endlich einmal darüber reden und informieren, wie man ins frühere Leben zurückfinden kann.

Dass er es geschafft habe, verdanke er in erster Linie der Familie und dem engeren privaten Umfeld, “aber auch dem überwältigenden Zuspruch und den aufmunternden Wünschen vieler Menschen, die ich zum Teil gar nicht persönlich kenne.” Als er wieder einigermaßen auf dem Damm und dazu in der Lage war, habe er 1156 Whatsapp-Nachrichten lesen dürfen und begriffen, wie wichtig jede Aufmunterung, jeder gute Wunsch und jede Wertschätzung sei.

Dr. Dörler schlug in die gleiche Kerbe – jetzt gehe er ganz anders ins Pflegeheim und könne ganz anders mitreden. Hier hakte Sonja Kaiser, Pflegedienstleiterin des Krankenpflegevereins, ein und nannte ein Beispiel, wie das Miteinander und “Ufanand-luaga” praktisch umgesetzt werden kann: “Viele Patienten oder Bewohner im Sozialzentrum haben kaum Kontakte, ihnen droht Vereinsamung und sie wären dankbar und glücklich, würden sich Ehrenamtliche bereitfinden, ihnen einfach nur zuzuhören oder ein Gespräch mit ihnen zu führen.” STP
