„Im Sommer ist es hier wie ausgestorben“ – Dieser Dorfladen schließt

VN / 14.05.2026 • 14:03 Uhr
20260512_160235(0).jpg
Peter Böhi betreibt seit drei Jahren den Dorfladen in Partenen. Bilder: VN/JUN

Warum Peter Böhi den Dorfladen in Partenen aufgibt und wie es nun weitergehen könnte.

Gaschurn Peter Böhi schließt Ende Mai den Dorfladen in Partenen. Die Frequenz gehe zurück, der Standort rentiere sich nicht mehr. Die Sperre der Silvretta-Hochalpenstraße verschärfe die Lage. „Es sind immer die gleichen fünf Leute, die hier einkaufen, und hauptsächlich die Älteren“, sagt Böhi. Die Jüngeren würden ohnehin aus dem Tal rauspendeln und dort einkaufen.

20260512_160353(0).jpg
Der Dorfladen rentiere sich finanziell nicht mehr, meint Peter Böhi.

Die Einkaufs- und Energiepreise steigen, ebenso die Personalkosten. Die Miete beträgt 1200 Euro brutto. Mit einem monatlichen Zuschuss der Gemeinde komme Böhi auf „plus minus null“. Vom Land fühlt er sich im Stich gelassen. In seinen Augen werden Dorfläden zu wenig gefördert. Der Betriebskostenzuschuss falle geringer aus, sobald Peter Böhi mehr Umsatz macht. Auch die Zustellförderung sei mit so viel bürokratischem Mehraufwand verbunden, dass es sich für ihn nicht rentiere, Kurzstrecken für eine Zustellung zu fahren.

20260512_160256.jpg
Er lässt das Warensortiment auslaufen und bestellt keine Ware mehr nach.

Er hatte Kooperationen mit heimischen Vereinen, allerdings hauptsächlich im Winter. „Im Sommer ist es hier wie ausgestorben“, sagt Böhi. Er profitierte auch von Firmen wie illwerke vkw, die gelegentlich Führungen in Partenen anbieten. Für die Teilnehmer richtete er dann eine Jause her. „Das war ein tolles Nebengeschäft und mein Rettungsanker.“

Finanzielles Risiko groß

Seit drei Jahren betreibt Böhi den Dorfladen, verdient jedoch unterdurchschnittlich. „Wenn ich wieder auf den Bau gehe, verdiene ich mehr.“ Um einen „fairen Zahltag“ zu haben, müsse man den Dorfladen hauptberuflich und alleine betreiben, also ohne Angestellte. Der Harder hat mehrere Standbeine, darunter einen Hausmeisterservice und eine Immobilien-GmbH, weshalb er auf den Verdienst im Dorfladen nicht angewiesen ist. Ohne eine zweite Sicherheit sei das finanzielle Risiko groß.

20260512_160303.jpg
Anfang Juni holt die Rewe Group das Kassensystem ab.

Die Nebensaison sei kritisch. „Da musst du dich durchboxen.“ Die einzige Mitarbeiterin des Dorfladens, Ingrid Scherr, gehe zudem im Dezember in Pension. Danach bräuchte Böhi eine neue Arbeitskraft, was sich schwierig gestalte. „Finde mal jemanden Guten“, meint er. Die Schließung sorgt für Unmut in der Bevölkerung: „Manche grüßen mich deswegen nicht mehr“, bedauert der 24-Jährige.

20260512_160133.jpg
Peter Böhi hat mehrere eigene Unternehmen und ist daher vom Verdienst im Dorfladen nicht abhängig.

Bürgermeister Daniel Sandrell sagt, dass es für die Gemeinde sehr wichtig sei, eine gute Nachfolgelösung zu finden, damit es weiterhin einen Nahversorger in Partenen gibt. „Allerdings gibt es derzeit noch keine fixe Zusage für eine Weiterführung. Natürlich wären wir froh und würden das auch entsprechend unterstützen, wenn sich jemand findet, der den Dorfladen in Partenen weiter betreiben würde.“

20260512_160156.jpg
Die großen Kühlschränke verbrauchen zu viel Energie.

Automatengeschäft

Eigentümerin Malina Krüger sagt, man sei weiterhin auf der Suche nach einem neuen Betreiber. Falls sich niemand findet, plant sie ein Automatengeschäft, das rund um die Uhr geöffnet hat. Zehn bis 15 Automaten sollen Lebensmittel und Alltagsprodukte anbieten. Nur mit einem Vollsortiment erhalte der Dorfladen weiterhin eine Förderung des Landes. Zudem soll das Geschäft täglich einige Stunden mit Personal besetzt sein, damit auch ältere Menschen trotz der Automaten dort einkaufen können.

Krüger will mit Privatzimmervermietern kooperieren und Lebensmittellieferungen zu Ferienwohnungen anbieten. Gäste sollen bereits vor der Anreise auf das Nahversorger-Angebot hingewiesen werden. Lebensmittel und Brötchen können sie vorbestellen, direkt bezahlen und am nächsten Tag abholen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Langfristig soll sich der Laden durch die Automaten selbst tragen, und zwar ohne Förderungen. Da das Automatengeschäft mit hohen Investitionskosten verbunden ist, würde Krüger einen Betreiber bevorzugen, der den Laden selbst weiterführt. Fest steht: Der Dorfladen soll als Treffpunkt für die Einheimischen erhalten bleiben.