Ausgediente Hörgeräte fliegen um die Welt

Hörgeräte-Spendenprojekt „Flying Ears“ bringt Lebensqualität nach Ecuador und Nigeria.
Dornbirn Mit dem Verein „Flying Ears“ hat Stefan Mathis, Hörakustiker und Leiter der Hörtechnik am Landeszentrum für Hörgeschädigte (LZH), eine Erfolgsgeschichte initiiert. Was 2008 aus einer zufälligen Begegnung entstand, ist heute ein internationales Hilfsprojekt, das Kindern und Erwachsenen in Ecuador, Nigeria und weiteren Ländern durch gespendete Hörgeräte zu neuer Lebensqualität verhilft.

Der Anfang: Eine Kundin fragte nach alten Hörgeräten
„Ich war gerade 22 Jahre alt und hatte frisch meinen Akustikmeister gemacht, als eine ältere Kundin im LZH nachfragte, ob ich nicht mehr benötigte Hörgeräte als Spende weitergeben könnte“, erinnert sich der Hörakustiker Stefan Mathis. Aus dieser Anfrage entstand die Idee, selbst vor Ort zu helfen. Schon bald hatte er 64 nicht mehr gebrauchte Hörgeräte gesammelt, die er persönlich nach Ecuador brachte. Dort blieb er fünf Wochen, um Menschen vor Ort zu schulen, damit diese die Betreuung der Hörgeräteträger übernehmen konnten. „Bei uns in Vorarlberg erhalten Hörgeräteträger alle sechs Jahre ein neues Gerät. Die alten landen meist im Schrank und bleiben dort jahrelang liegen“, erklärt Mathis. Um das zu ändern, begann er, sie zu überarbeiten und dorthin zu schicken, wo sie benötigt wurden: nach Ecuador.
Nachhaltige Hilfe vor Ort
Doch es geht nicht nur um das Hörgerät selbst: Auch die richtige Einstellung, Wartung und der Batteriewechsel sind entscheidend. „Ich habe in Ecuador einen Akustiker ausgebildet, der nun die Versorgung vor Ort übernimmt“, berichtet Mathis. Jährlich erhält er Hörtests der Nutzer aus Ecuador. So stellt er sicher, dass die Hilfe auch tatsächlich ankommt. Das Projekt wuchs und war so erfolgreich, dass es fünf Jahre später sogar von der ecuadorianischen Regierung anerkannt und gefördert wurde. Heute erhalten Kinder bis 15 Jahre kostenlos ein Hörgerät vom Staat.

Ausweitung nach Nigeria
Die Initiative machte auch außerhalb Ecuadors Schule. Über die Jahre ermöglichte „Flying Ears“ Kindern in Indien, der Mongolei, Albanien und weiteren Ländern Zugang zu Hörhilfen. 2020 kam die Vorarlbergerin Anny Drexel, die in Nigeria eine Schule für schwerhörige Kinder gegründet hatte, auf den Vorarlberger Hörakustiker zu, . Mathis stellte seine gesammelten Hörgeräte zur Verfügung. „Ich verschicke die Geräte nicht per Post, sie werden immer entweder von Zivildienern, Ordensschwestern oder persönlichen Kontakten mitgenommen“, erklärt er. Bis heute hat Mathis rund 650 Hörgeräte überarbeitet und an Menschen weitergegeben. Um die Versorgung zu sichern, schickte er auch ein Audiometer nach Nigeria. „Mit Erklärvideos schulen wir das Personal vor Ort. Sie können jetzt direkt an der Schule Hörtests durchführen, Ohren spülen und die Geräte warten“, freut sich Mathis. Inzwischen schickt der Dornbirner auch neue Hörgeräte mit, diese erhält er zu günstigen Konditionen von den Herstellern.

Warum das alles?
„Bei uns funktioniert die Versorgung. In anderen Ländern fehlt es an allem. Wenn ich helfen kann, mache ich das gerne“, sagt Mathis. Er freut sich über jede Spende von nicht mehr benötigten Hörgeräten, die er so lange lagert, bis sie mit „Flying Ears“ auf die nächste Reise gehen – und einem Kind oder Erwachsenen das Hören ermöglichen. „Jedes Hörgerät, ob es bei uns erworben wurde oder nicht, und nicht mehr gebraucht wird, kann bei uns im LZH abgegeben werden”, sagt er und zeigt eine Kassette voller älterer Modelle. BVS



