Hinter Gittern in der schönen Alpenstadt

Seit Februar dieses Jahres leitet Diana Karner (49) das Polizeianhaltezentrum in Bludenz. Doch was geht hinter diesen grauen Mauern eigentlich vor sich? Ein VN-Lokalaugenschein.
Bludenz Jene, hinter denen sich hier die Tore und Zellentüren verschließen, atmen für maximal 42 Tage, also sechs Wochen, “gesiebte Luft”. Doch wohlgemerkt, bei den Insassen des Bludenzer Polizeianhaltezentrums handelt es sich nicht um übliche Strafhäftlinge, sondern vielmehr um Delinquenten, die etwa nach Verkehrsdelikten ihre Verwaltungsstrafen nicht bezahlen konnten oder können.
Aber auch – im ersten Geschoss – um Migranten, die aus verschiedenen Gründen auf ihre Abschiebung warten. Derzeit handelt es sich hier vor allem um Personen aus dem osteuropäischen Raum, die gegen das Aufenthaltsverbot verstoßen haben.

Neue Hausherrin des Zentrums ist Diana Karner. Die gebürtige Deutsche sammelte ihre Erfahrungen als Stellvertreterin ihres Vorgängers Peter Struger. Sie führt die VN in den Aufenthaltsraum. Dort liegen Karten auf einem Tisch und stehen Insassen herum.

Den VN wird die Gelegenheit geboten, mit ihnen zu sprechen. Denn es herrscht offener Vollzug. Die Zellen sind tagsüber geöffnet und werden erst am Abend geschlossen. Hier kommt man zusammen.

Kein Schachpartner
Und keiner klagt. Einer der Insassen sagt: “Im Vergleich zum Knast in Feldkirch ist das hier Urlaub.” Es scheint, als ob er wisse, wovon er spricht. Ein anderer meint: “Wenn man sich hier ordentlich aufführt, wird man auch ordentlich behandelt.” Und ein weiterer: “Das Einzige, was ich hier bemängele, ist, dass es keinen Schachpartner für mich gibt.”

Für eine Stunde am Tag wird Ausgang in den Innenhof gewährt. Dieser Gelegenheit wird vor allem bei schönem Wetter gefrönt. Mit Tischfußball oder Tischtennis bei frischer Luft.
“Hübschen es selbst auf”
Diana Karner fühlt sich wohl an ihrem Arbeitsplatz in diesem grauen Haus. Für sie hat es Stil. “Immerhin steht es unter Denkmalschutz und hat einen gewissen alten Charme”, begründet die 49-Jährige. Wenn etwas renovierungsbedürftig wird, helfe man sich selbst. Oder genauer gesagt: “Handwerker oder Anstreicher unter den Insassen haben somit Beschäftigung und können sich das Privileg verdienen, eine Stunde pro Tag mit ihrem im Keller aufbewahrten Handy zu telefonieren. So hübschen wir alles selbst auf”, sagt die Leiterin des Zentrums.
Mordversuch
Nicht immer herrscht bei der Kooperation zwischen der polizeilichen Belegschaft und den Insassen eitel Wonne. Für “schwierige Gäste” befindet sich im Erdgeschoss eine triste Einzelzelle.

“Hier hat mich einer der Insassen mal mit Kot beworfen. Ein anderer versuchte sogar, mich umzubringen”, erinnert sich Karner. Überhaupt sei die Hemmschwelle gegenüber den Exekutivbeamten in den vergangenen eineinhalb Jahren auffällig gesunken.
Frauenanteil gestiegen
Das Polizeianhaltezentrum ist für 43 Insassen ausgelegt. Derzeit befinden sich hier rund 20 Personen in Haft. Zwei Drittel davon wegen Verwaltungsstrafen, der Rest sind Migranten in Abschiebungshaft. “Was uns auffällt: Während der Damentrakt früher meistens leer war, ist er inzwischen gut besetzt. Der Anteil weiblicher Insassen ist merklich gestiegen”, bemerkt Karner, ohne dafür eine konkrete Erklärung finden zu können.

Dass die Außenstelle der Justizanstalt Dornbirn, die den gleichen Zweck wie die Einrichtung in Bludenz erfüllte, bereits vor längerer Zeit geschlossen wurde, belaste das Zentrum im Walgau laut Karner nicht. Doch wie überall im exekutiven Bereich herrscht auch hier Personalmangel. “Aber es wechseln immer mehr ältere Semester unter Polizeibeamten, die eine Abwechslung zum Streifendienst suchen, zu uns herüber”, sieht Karner einen gewissen Optimismus begründet.