“Viele wissen gar nicht, dass diese Regelung kommt” – Was sich für Hundehalter ab 1. Juli ändert

Die Anschaffung eines Hundes ist künftig an neue Auflagen geknüpft. Für Hundetrainer, Tierheim und Tierschutzverein ist noch vieles unklar.
Schwarzach “Man wirft uns ins kalte Wasser. Viele wissen gar nicht, dass diese Regelung kommt”, ärgert sich Hundetrainer Jürgen Pramendorfer vom Hundesportverein Nüziders. Ab 1. Juli treten neue Regeln für Hundehalter in Kraft, deren Umsetzung noch unklar ist.
Wer sich ab dem 1. Juli einen Hund zulegen will, muss vorher einen Theoriekurs mit vier Unterrichtseinheiten absolvieren. Zusätzlich müssen Hunde ab sechs Monaten mit ihrem Halter innerhalb eines Jahres eine zweistündige Praxiseinheit absolvieren. Dabei soll gezeigt werden, dass Mensch und Hund gut harmonieren. Tierschutzheim, Tierschutzverein und Hundetrainer sehen die Regelung kritisch.
Nur eine Momentaufnahme
Jürgen Pramendorfer macht deutlich: “Den Praxis-Schuh will ich mir nicht anziehen.” Denn nach der Praxiseinheit muss der Hundetrainer entscheiden, ob der Hund beim Halter bleiben darf oder nicht. “Die Verantwortung will ich mir nicht antun.” Der Theoriekurs sei sinnvoll, die Praxiseinheit aber nur eine Momentaufnahme: “Der Hund hat gute und schlechte Tage.” Zudem sei nicht geklärt, was mit den Hunden passiert, die dem Halter abgenommen werden müssen.

Michaela Bonmassar vom Tierschutzverein Rankweil begrüßt jede Maßnahme, die dazu beiträgt, dass sich Menschen vor der Anschaffung eines Hundes intensiver mit dessen Bedürfnissen beschäftigen. “Allerdings sehen wir in der praktischen Umsetzung noch einige offene Fragen.”
Hundetrainer ist kein geschützter Beruf
Sie fragt sich, wer diese verpflichtenden Sachkundekurse künftig anbieten darf, denn der Beruf des Hundetrainers ist in Österreich ein freies Gewerbe. “Problematische Trainingsmethoden und falsche Beratung durch unzureichend qualifizierte Trainer” tragen laut Bonmassar wesentlich zur Entstehung von “Problemhunden” bei.
Sie sieht zwei mögliche Entwicklungen: Einerseits kann mehr Wissen vor der Anschaffung dazu beitragen, Fehlentscheidungen zu vermeiden. Andererseits könnten manche Menschen erst nach der Anschaffung feststellen, dass sie mit ihrem Hund überfordert sind und ihn deshalb abgeben.

Laut Marco Milohnic vom Vorarlberger Tierschutzheim seien Hunde, die dort abgegeben werden, tendenziell unsozialer. Das liege hauptsächlich daran, dass sich die Besitzer vor der Anschaffung zu wenig mit der jeweiligen Rasse beschäftigen. “Nicht jeder ist zum Beispiel für einen Australian Shepherd geeignet. Der sieht zwar schön aus, stellt aber besondere Ansprüche an seinen Halter”, so Milohnic. “Genauso ist es mit dem American Staffordshire Terrier. Leider wird diese Rasse immer noch als Statussymbol gehalten.”
Große Unsicherheit
Hundetrainerin Ramona Ackermann aus Schruns findet den Ansatz grundsätzlich sinnvoll, es bestehe aber noch Informationsbedarf. Die vielen ungeklärten Details sorgen bei Hundehaltern und Hundetrainern für Unsicherheit. In den Kursen geht es “weniger um Gehorsam als um echtes Verständnis für den Hund”. Genau das findet sie wichtig: “Ein Hund muss nicht perfekt funktionieren wie eine Maschine.”

Die vier Theorie- und zwei Praxisstunden seien deutlich zu wenig. “Viele Probleme entstehen erst im Alltag, durch Stress, Unsicherheit oder falsche Erwartungen. Das lässt sich in wenigen Stunden nur begrenzt vermitteln”, sagt Ackermann.
Sie betont: “Die neue Regelung ist nicht dafür gedacht, Menschen pauschal ihre Hunde wegzunehmen. Ziel sind in erster Linie mehr Sicherheit, Aufklärung und eine verantwortungsvollere Hundehaltung.” Wenn Hunde tatsächlich abgegeben werden müssen, werden sie neu vermittelt oder vorübergehend in Tierheimen untergebracht. “Genau da sehe ich eine große Herausforderung, weil viele Tierheime jetzt schon massiv ausgelastet sind. Deshalb finde ich Prävention so wichtig.”