Der Fotograf, der Gebäuden ihre „Schokoladenseite“ entlockt

Der Feldkircher Julian Forte zeigt Gebäude so, wie sie wirklich sind – und gewann damit den dritten Platz beim FEP Young Photographer Award.
Feldkirch „Als Kind wollte ich Architekt werden“, erzählt Julian Forte. „Doch das hat sich verlaufen, während die Fotografie geblieben ist.“ Jetzt kombiniert er beides. Der Feldkircher ist Architekturfotograf und hat damit seinen Traumberuf gefunden. Kürzlich erreichte er beim „FEP Young Photographer Award“, einem der bedeutendsten Wettbewerbe für professionelle Fotografie in Europa, den dritten Platz.

Seine Begeisterung für die Fotografie kam von seinem Vater, der ebenfalls leidenschaftlicher Fotograf war. Wenn sich sein Vater eine neue Kamera kaufte, bekam Julian Forte die alte und spielte damit herum. Doch erst als er sich eine eigene Kamera kaufte, begann er, sich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen.

Forte ist gelernter IT-Techniker, doch während der Ausbildung merkte er, dass ihm die Kreativität fehlte. „In der IT-Branche wirst du immer nur mit Problemen konfrontiert.“ Deshalb studierte er Mediendesign und Medieninformatik. „Ich wollte irgendetwas Kreatives machen“, sagt er. Nach dem Studium arbeitete er in der Marketingabteilung einer Liechtensteiner Hotelkette, die innerhalb kurzer Zeit acht Hotels baute oder umbaute.

Während der Bauphase mussten kurzfristig Fotos von Zimmern oder einzelnen Bauabschnitten gemacht werden. In dieser Zeit merkte er, wie schwierig es war, Fotografen zu finden, die zeitlich flexibel waren. „Da fragte mich mein damaliger Chef, ob ich nicht selbst fotografieren will.“ So begann Forte, Hotelzimmer und Außenansichten zu fotografieren. Das Handwerk brachte er sich autodidaktisch bei.

„Die Architekturfotografie macht mir am meisten Spaß“, sagt der 28-Jährige. „Ein Gebäude kann dir nicht sagen, wo seine Schokoladenseite ist.“ Deshalb muss er selbst herausfinden, aus welchem Blickwinkel ein Gebäude am besten wirkt, denn je nach Perspektive erscheint es völlig anders.

Ein unerlässliches Utensil
Seine Bilder sind farbig und dokumentarisch. Er möchte Gebäude so wiedergeben, wie sie tatsächlich sind. Dafür verwendet er neben seiner Kamera auch ein Stativ und ein Tilt-Shift-Objektiv, das „unerlässlich für Außenaufnahmen“ sei. Dieses korrigiert perspektivische Verzerrungen, damit Gebäude gerade erscheinen. Forte versucht, Bilder schon bei der Aufnahme möglichst perfekt zu fotografieren. Während Außenaufnahmen kaum Nachbearbeitung benötigen, sind Innenaufnahmen wegen der schwierigen Lichtverhältnisse deutlich aufwendiger. Am liebsten fotografiert er in der Dämmerung. „Da weiß ich, dass das immer gut wird.“

Dass er beim FEP Award Dritter wurde, überraschte ihn selbst. Neun Architekturbilder, die er im Laufe des vergangenen Jahres fotografiert hatte, reichte er ein. Die Einreichungsgebühr zahlte er erst „kurz vor knapp“, weil seine Kreditkarte gesperrt war und die neue Karte erst am letzten Tag der Einreichfrist kam.

“Ruhm und Ehre”
„Es war ein Freitagnachmittag nach einer anstrengenden Woche und ich wollte gerade ein Powernap machen, als ich die E-Mail sah. Ich habe nicht damit gerechnet zu gewinnen“, sagt Forte. Ein Preisgeld gibt es bei diesem Award allerdings nicht. Man gewinne lediglich „Ruhm und Ehre“.

Seit einem Jahr ist Forte zu 100 Prozent selbstständig und kann davon gut leben. Er macht Auftragsarbeiten für Architekten und Hotels. Da die Fotografie jetzt sein Beruf ist, verlor er dadurch sein Hobby. „Ich nehme die Kamera nicht mehr mit in den Urlaub.“ Dennoch könne er sich keinen besseren Beruf vorstellen: „Man kommt echt an tolle Orte und trifft kreative Leute. Und ich arbeite dort, wo andere Urlaub machen.“

Zur Person
Julian Forte
Geboren: 8. Mai 1998
Wohnhaft: Feldkirch
Familienstand: ledig
Beruf: Berufsfotograf
Hobbys: Golf spielen, Brettspiele

Hier die Plätze 1 bis 3 des FEP Young Photographer Award 2026: https://www.europeanphotographers.eu/competition-gallery/young-photographer-award-2026-results-gallery/

