Lange Wartelisten, hohe Kosten: Druck auf Spitäler wächst

Politik / 26.05.2026 • 15:30 Uhr
Lange Wartelisten, hohe Kosten: Druck auf Spitäler wächst
Auf planbare Operationen müssen die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zum Teil bereits monatelang warten. Expertinnen und Experten sowie die Politik haben Vorschläge, wie das System effizienter und günstiger werden kann. APA/Fohringer

Der Rechnungshof fordert weniger kleine Spitäler und mehr ambulante Versorgung.

Teure und ineffiziente Spitalsstrukturen, Versorgungsprobleme im niedergelassenen Bereich und Personalmangel: Der Rechnungshof mahnt einen umfassenden Umbau des österreichischen Gesundheitssystems ein. Das System sei finanziell und strukturell an seine Grenzen gekommen, sagte Rechnungshof-Präsidentin Margit Kraker. Leidtragende seien zunehmend die Patientinnen und Patienten – etwa durch lange Wartezeiten. Ein Blick nach Vorarlberg zeigt, wie aktuell diese Warnungen sind.

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Wartezeiten und Schulden steigen

Die Wartezeiten auf planbare Operationen steigen seit Jahren. Im LKH Feldkirch beträgt die Wartezeit auf einen künstlichen Gelenkersatz derzeit rund 28 Wochen, auf einen Eingriff am Uterus im LKH Bregenz wartet man rund 20 Wochen.

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Parallel dazu wachsen die finanziellen Belastungen der Spitäler weiter. Das Krankenhaus der Stadt Dornbirn rechnet heuer mit Ausgaben von rund 135 Millionen Euro bei Einnahmen von knapp 76 Millionen Euro. Der erwartete Abgang liegt damit bei mehr als 59 Millionen Euro. Auch das Finanzloch der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) vergrößert sich: Es steigt im Vergleich zum Voranschlag 2025 um 0,6 Prozent auf 268 Millionen Euro, die VN berichteten.

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Drei große Reformfelder

Der Rechnungshof sieht den Ausweg in drei zentralen Bereichen: Versorgungsstrukturen, Finanzierung und Steuerung. Gefordert werden weniger kleinteilige Spitalsstrukturen, eine stärkere Bündelung sowie ein Ausbau der Primärversorgungszentren und der Telemedizin. Als zentrales Problem gelten zudem unklare Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung. Bis 2028 müssten die entscheidenden Weichen gestellt werden, damit ein Reformplan bis 2040 umgesetzt werden könne.

Neos wollen nur noch zwei Spitäler

Wie umkämpft Reformen sind, zeigt sich aktuell auch in Vorarlberg, etwa rund um die Zukunft der stationären Versorgung und einzelner Krankenhausstandorte. Die Neos gehen dabei einen Schritt weiter: Sie fordern “zwei Krankenhäuser für ein gesundes Vorarlberg”. Das könnte Wartezeiten und Kosten senken.

Armin Fiedler sieht von China ein Risiko ausgehen.
Gesundheitsexperte Armin Fidler sieht bei der Primärversorgung “vieles im Argen”.

“Wenn wir uns die Bevölkerung von 400.000 Menschen und deren Verteilung im Land und die Verkehrsinfrastruktur hernehmen, würden zwei Spitäler wohl genügen, vielleicht sogar eines”, sagt auch Gesundheitsexperte Armin Fidler den VN. Für Krisen- und Katastrophenfälle seien zwei Standorte sicherer. Entscheidend sei der Ausbau der Primärversorgung: “Gesundheitszentren mit einem multidisziplinären Team, die 24 Stunden und sieben Tage in der Woche offen haben und wo alle ambulanten Probleme gelöst werden können”. Hier sieht Fidler die größte Schwachstelle. “Die Primärversorgung liegt im Argen. Versuchen Sie wie jüngst am Pfingstwochenende, zu einem niedergelassenen Arzt zu gehen.”

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Die Kostenfrage sei zentral. “Bei einem Krankenhaus dieser Größenordnung müsste man mit 1,5 Milliarden Euro rechnen. Viel Geld, das wir nicht haben”, sagt Fidler. Das Beraterduo Wolfgang Herburger und Siegfried Steiniger schätzte die Kosten sogar auf fast zwei Milliarden Euro. Beim aktuellen Verlust und den Investitionen der vergangenen Jahre würde sich das aber bald rechnen, sagten sie im VN-Gespräch.

Neben finanziellen Hürden sieht Armin Fidler aber auch politischen Widerstand: “Die Frage ist auch, wer hält das politisch aus”, sagt er mit Blick etwa auf die aktuelle Debatte rund um die Geburtenstation Dornbirn.

Auch die Neos argumentieren mit der Bedeutung der Primärversorgung. “Der Bund hat sich verpflichtet: 300 Primärversorgungseinheiten österreichweit bis 2030. Vorarlbergs fairer Anteil wäre rund 11 PVZ. Tatsächlich geplant laut RSG: null”, kritisiert Landtagsabgeordnete Katharina Fuchs. Wer die Primärversorgung nicht ausbaue, “braucht die teuren Spitäler als Ersatz”.