Kritik an Spitalsreform: “Man schiebt nur ein bisschen Zeug hin und her”

Während einerseits der Protest nicht verstummt, vermissen auf der anderen Seite die Autoren Wolfgang Herburger und Siegfried Steininger die großen Würfe bei der Vorarlberger Spitalsreform.
Schwarzach Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je größer die Reform, desto stärker der Gegenwind. Der Sturm der Entrüstung, den die Spitalspläne des Landes ausgelöst haben, lässt vermuten, dass hier große Veränderungen stattfinden. Das sehen allerdings nicht alle so. Die Berater und Autoren Wolfgang Herburger und Siegfried Steininger skizzierten bereits 2017 in einem Buch, wie das Spitalswesen im Land ihrer Ansicht nach zukunftsfit werden könnte. Nach dänischem Vorbild würden sie die Versorgung radikal umbauen. Die aktuellen Pläne kritisieren sie als “Klein-Klein”.
Das Duo verweist auf die jährlich steigenden Abgänge der Landeskrankenhäuser. 2024 mussten Vorarlbergs Steuerzahlerinnen und Steuerzahler 307 Millionen Euro zuschießen. Im Jahr davor waren es noch 284 Millionen Euro, 2022 insgesamt 209 Millionen Euro. Das ergibt 800 Millionen Euro in drei Jahren. Steininger sagt: “Man muss sich ernsthaft fragen, ob dieses System finanziell überhaupt noch tragfähig ist.” In der Spitalsreform sollten zwei Ziele verfolgt werden: “Wir müssen besser und billiger werden.”
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Die Vorarlberger Landesregierung plant unter dem Schlagwort “Spitalscampus” 17 Änderungen in der Spitalsstruktur. Abteilungen werden zusammengelegt oder geschlossen, andere neu eingerichtet. Vor allem die geplante Schließung der Geburtenstation in Dornbirn sorgt für Aufregung, inklusive Volksbegehren. Die Neos starteten dazu eine Umfrage, ebenso die Landesregierung. 17 Änderungen klingen nach viel, für Herburger steht jedoch fest: “Man schiebt Dinge hin und her, ändert aber nichts an der Struktur.” In Deutschland gehen Kliniken in Insolvenz, in der Schweiz werden Spitäler zusammengelegt. In Dänemark gibt es pro 250.000 Einwohner ein spezialisiertes Krankenhaus, ergänzt Steininger. In Vorarlberg hingegen seien Zusammenlegungen kein Thema.

Herburger nennt mehrere Probleme, die aus seiner Sicht im Land bestehen. Unter anderem sagt er: “Wir haben ein großes Dialyseproblem in Vorarlberg. Gleichzeitig gibt es zahlreiche gut ausgestattete Radiologieeinrichtungen, dennoch werden Patientinnen und Patienten an private Institute verwiesen. Das liegt an den Finanzierungsströmen.” Seine Lösung: “Es braucht ein großes Spital für komplexe Fälle und Notfälle.” Steininger ergänzt: “Alles andere soll im ambulanten Bereich und von niedergelassenen Ärzten betreut werden. Sie übernehmen eine Gatekeeper-Funktion. Der Zugang zum Spital soll nicht mehr so einfach sein.” Ein Krankenhausbesuch verursache schließlich zwei- bis viermal so hohe Kosten.
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2017, als das Duo sein Buch veröffentlichte, schätzte es die Kosten für ein neues Spital auf rund 1,8 Milliarden Euro. Viel zu teuer? Herburger verneint: “Verglichen mit den Abgängen wäre das Geld bald wieder hereingespielt. Zudem hat das Land in den vergangenen Jahren ebenfalls Hunderte Millionen Euro in neue OP-Trakte, Bettenhäuser und ähnliche Projekte investiert.” Vorarlberg könnte eine Pilotregion werden, die sich am dänischen Modell orientiert. “Man muss nicht das identische Modell übernehmen, aber zumindest ernsthaft prüfen”, fordert Steininger.
Diese Ernsthaftigkeit vermisst er auch bei den Sparbemühungen. Er schätzt: “Tageskliniken ausbauen: 50 Millionen Euro. Doppelstrukturen abbauen: 40 bis 50 Millionen Euro. Verweildauer verkürzen: 30 Millionen Euro.” Steininger nennt weitere Beispiele und hält dagegen: “Das Land plant mit einem Einsparungspotenzial von rund zehn Millionen Euro. Aber Klein-Klein ist doch keine Zukunftsplanung!” Herburger ergänzt verärgert: “Konsequent ist es auch, wenn man einen Holzweg zu Ende geht.”