Wie zwei Dörfer dem verunglückten Mathias beistehen

VN / 26.05.2026 • 16:56 Uhr
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PrivatMathias Schöch nach seiner Rückkehr von der Therapie. Ein schwerer Arbeitsunfall im Oktober vergangenen Jahres veränderte sein Leben.

Stark, stärker, Mathias Schöch. Der junge Bürserberger ist nach einem Arbeitsunfall querschnittsgelähmt. Doch nicht alleine.

Bürserberg, Lohnsburg (OÖ) Seine Lebensgeschichte mutete bis zum 26. Oktober 2025 fast kitschig schön an. Mathias Schöch (27) verliebt sich als 16-Jähriger in die drei Jahre ältere Pauline. Weil die aus dem Bezirk Ried im Innkreis stammt und er sein Herz an das Bauernmädel verliert, begibt sich der Bürserberger kurzentschlossen nach Oberösterreich. Er absolviert dort die Lehre zum Landwirtschaftsmechaniker, zieht bald zu seiner Pauline auf den Bauernhof ihrer Eltern. Heirat mit 22, die Geburt von Söhnchen gut zwei Jahre später. Am Hof findet Mathias seine berufliche Bestimmung. 110 Stück Milchkühe und Rinder füllen ihn aus, auf Viehausstellungen im In- und Ausland ist er Stammgast.

600 Kilo auf den Körper

Dann kommt der 26. Oktober des Vorjahres, der Staatsfeiertag. “Ich war etwas im Stress. Mit dem Hofstapler will ich in der Lagerhalle einen 600 Kilo schweren Heuballen aus der Liegebox nach unten hieven. Das geht schief. Weil der alte Traktor kein Fahrerschutzdach hat, fällt der Ballen frontal auf mich.” Zwölf Rippen brechen, ebenso die Milz, aber vor allem wird das Rückenmark durchtrennt. Die Rettungskette funktioniert perfekt. “Meine Frau stand daneben. Die Rettung war sofort da, wenig später auch der Hubschrauber.”

Die Erstversorgung hatte lebenserhaltende Prioritäten. “Ich wurde mit allerlei Medikamenten vollgestopft, war wie betäubt. Erst nach vier Tagen wurde mir die neue Realität in meinem Leben nahegebracht. Dass ich querschnittsgelähmt war.”

Wie zwei Dörfer dem verunglückten Mathias beistehen
Elisas Fritsche, Obmann der Dorfmusik Bürserberg, initierte gemeinsam mit Kassierin Alice Haselwanter den Frühschoppen für Mathias. VN/Stiplovsek

Überwältigende Solidarität

Mathias Schöch ist stark. Wie er diese niederschmetternde Nachricht verkraftet hat? Der junge Landwirt zuckt mit den Achseln. Worte verliert er darüber keine. Viel lieber redet der tapfere Bürserberger darüber, was für eine Welle an Solidarität und Hilfsbereitschaft ihn in den Wochen und Monaten förmlich überschwemmte. “Viele Bekannte und Freunde aus Lohnsburg waren am Hof zu Hause sofort für mich da. Meine Eltern sind aus Bürserberg gekommen und haben drei Monate im Betrieb gearbeitet.”

Wie zwei Dörfer dem verunglückten Mathias beistehen
Aus Oberösterreich zugeschalten, erzählt der Bürserberger Mathias Schöch die Geschichte seines fatalen Unfalls und der Zeit danach. VN/Stiplovsek

Aus Bürserberg kam später noch viel mehr. “Wir haben uns überlegt, wie wir Mathias helfen können”, sagt Elias Fritsche (31), Obmann der Dorfmusik Bürserberg. “Vielleicht bekomme ich jetzt vieles von dem zurück, was ich auch gegeben habe. Ich habe ja auch immer wieder anderen geholfen”, schmunzelt der junge Landwirt.

Was Mathias jetzt braucht, ist klar. “Mein Traktor sollte behindertengerecht umgebaut werden. Dann kann ich wieder sehr viel machen, was ich jetzt nicht machen kann. Der Umbau kostet zwischen 12.000 und 13.000 Euro.” Damit für den vom Schicksal schwer getroffenen Jungvater Geld hereinkommt, veranstaltet die Dorfmusik an Fronleichnam (4. Juni) einen Frühschoppen für den Dorfsohn, der trotz seines Umzugs nach Oberösterreich vor mittlerweile über zehn Jahren doch nie verloren ging.

Wie zwei Dörfer dem verunglückten Mathias beistehen
PrivatDas Leben vor dem schrecklichen Unfall. Mathias Schöch hatt mit seiner Pauline die Liebe seines Lebens gefunden.

Neuer Traktor, neue Lebensqualität

Den Blick nach vorne färbt Mathias Schöch ausschließlich zuversichtlich ein. “Wenn ich den Traktor benützen kann, bin ich wieder aktionsfähig. Dann kann ich aufs Feld und dort sowie anderswo viele Außenarbeiten erledigen.”

Riesig freut er sich auf seinen nächsten Besuch in seine Vorarlberger Heimat, den Bürserberg. “Ich will natürlich an Fronleichnam zu Hause sein, wenn die Dorfmusik den Frühschoppen für mich veranstaltet.”

Die Freude auf ein physisches Wiedersehen teilt auch Dorfmusik-Obmann und Trompeter Elias Fritsche. “Mathias und ich sind in dieselbe Schule in Bürs gegangen. Uns verbindet viel. Weil er so ist, wie er ist, haben wir ihn nie vergessen”, spricht der Steuerungstechniker in höchsten Tönen über seinen früheren Kumpel.

Spendenkonto Mathias Schöch

Wer zur Finanzierung des Umbaus von Mathias’ Traktor beitragen möchte, kann das mit einem Beitrag auf folgendes Konto tun: AT 25 3445 0000 0435 2092