Zwischen Leichtigkeit und Gewicht

In der Villa Claudia wurde die Ausstellung “Im Spannungsfeld der Gegensätze” eröffnet.
feldkirch Im Namen des Vereins „KunstVorarlberg” begrüßte Präsident Hanno Metzler jüngst zahlreiche Kunstinteressierte zur Eröffnung der neuen Ausstellung. “Sechs Künstlerinnen zeigen ihre Positionen zum Spannungsfeld der Gegensätze. Im Spiel mit Wahrnehmung, Material, Statik und Schwebe entstehen Arbeiten zwischen Leichtigkeit und Schwere, Realität und Täuschung”, informierte das Forum für aktuelle Kunst, welches Bilder, Skulpturen, Figuren und Installationen aus unterschiedlichen Materialien der Künstlerinnen Heidi Comploj, Birgit Konzett, May-Britt Nyberg, Dorothea Rosenstock, Anna Rubin und Renate Wittwer präsentiert. Die Werke würden sich zwischen figürlichen, abstrakten und transzendenten Formen bewegen und gesellschaftliche Themen aufgreifen. Die bis 21. Juni dauernde Ausstellung lade dazu ein, “Gegensätze neu zu betrachten und daraus neue Perspektiven entstehen zu lassen”.

Zur Ausstellung sprach Eugen Fulterer (“Walser Herbst”). Vor der Ausstellung habe er natürlich Informationen zu den Werken, Biographien zu den Künstlerinnen gelesen und sich die Arbeiten angesehen. Angesichts des “wunderbaren Artikels” von Karlheinz Pichler in einer Kulturzeitschrift habe er sich eine kunsttheoretische Einleitung erspart und sich bei der Besichtigung von den ausgestellten Walen inspirieren lassen. Dazu trug er einen Text vor.

Diesem zufolge habe er sich – zwischen schwebenden Walen aus Pappmaché stehend – ernsthaft gefragt, “wie es dazu kommen konnte, dass halb Mitteleuropa in den letzten Wochen emotional in einen riesigen Buckelwal investiert war. Timmy – irgendwo zwischen Küste, Schlagzeile und Rettungsfantasie. Menschen standen am Ufer, Journalisten berichteten im Minutentakt, andere wiederum schrieben darunter Kommentare wie ‘Lasst doch die Natur, Natur sein'”. Während wahrscheinlich gleichzeitig irgendwo jemand mit Thunfischpizza vor dem Fernseher gesessen und um Timmy gebangt habe. “Vielleicht war Timmy in Wahrheit gar kein Wal mehr, sondern ein schwimmender Gefühlscontainer: zu groß zum Übersehen, zu verloren zum Ignorieren”, führte Eugen Fulterer weiter aus.

Und jetzt würden die kleinen Pappmaché-Wale über den Köpfen hängen. Die Schwerkraft wirke absurd. Wie ein Gedanke könne so ein gigantisches Tier durchs Wasser gleiten. Doch gleichzeitig sei es am Land vollkommen verloren. Aus Eleganz werde Hilflosigkeit. Vielleicht gehe es in dieser Ausstellung genau um diese seltsamen Zustände dazwischen – zwischen Schweben und Fallen, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, zwischen Material und Bedeutung, zwischen Leichtigkeit und Gewicht.

Die Arbeiten, die in der Villa hängen, spannen oder schweben würden sich laut Eugen Fulterer auflösen, Linien durch den Raum ziehen, als wüssten sie selber nicht, ob sie Objekt oder Zustand sein wollen. Vielleicht seien Gegensätze nur schlechte Nachbarn – eine Wand teilend und zuwenig austauschend. Zur Vernissage eingefunden hatten sich Hermann Präg, Gabriele Bösch, Nikolaus Walter, Albrecht Zauner, Helmut und Hildegard Schlatter, Alois und Brigitte Galehr, Kurt und Linde Beyweiss sowie viele andere. SCO
Öffnungszeiten der Ausstellung (bis 21. Juni): Freitag, 16 bis 18 Uhr, Samstag, 15 bis 18 Uhr, Sonntag, 10 bis 12 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr.












