“Nicht nur für alte Leute” – Großer Oldtimer-Treff in Mellau

Das traditionelle Oldtimer-Treffen in Mellau war auch dieses Jahr ein Highlight. Zahlreiche Besucher kamen vorbei, um über 200 historische Fahrzeuge zu bestaunen und selbst auszustellen.
von Mona Pfefferkorn
Mellau Seit über einem Vierteljahrhundert lockt das Mellauer Oldtimer-Treffen Liebhaber historischer Fahrzeuge an. Was 2000 mit 20 Gefährten begann, wuchs stetig: Bei gutem Wetter kamen zuletzt regelmäßig bis zu 150 Fahrzeuge im Bregenzerwald zusammen. Neben Pkw prägen Traktoren, historische Feuerwehrautos, Lastwägen und Omnibusse das Bild. Toni Wüstners Hoffnung erfüllte sich am Wochenende: “Trocken, aber nicht zu heiß.”

Seit der Geburtsstunde im Jahr 2000 ist Toni Wüstner der Motor der Veranstaltung. “Meine Erstzulassung war im Oktober 1955. Ich werde dieses Jahr 71 Jahre alt”, schmunzelt er. Trotz seines stolzen Alters denkt der Mellauer nicht ans Aufhören. Hinter dem logistischen Kraftakt des Treffens steht ein engagiertes Team.

Gemeinsam mit den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr organisiert er jährlich dieses Event. Toni Wüstner erzählt stolz: “Es bringt Jung und Alt zusammen. Alle helfen mit. Es ist praktisch das ganze Dorf dabei.” Wie viel Arbeit wirklich dahintersteckt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Allein für die Bewirtung und die Infrastruktur leisten die Mithelfenden zwischen 800 und 1000 Helferstunden.
Bei strahlendem Sonnenschein strömten die Besucher am letzten Mai-Wochenende zum Gelände bei den Bergbahnen Mellau. Mit rund 200 Fahrzeugen vor Ort wurden die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Sorgen im Vorfeld, ob die hohen Infrastrukturkosten für das Zelt und die WCs wieder eingespielt werden können, waren bei diesem Ansturm schnell verflogen. “Es ist so schön zu sehen, dass es auch dieses Jahr wieder ein Erfolg geworden ist”, freut sich Wüstner.
Internationale Gäste
Die Anziehungskraft des Mellauer Treffens reicht weit über die Grenzen des Bregenzerwaldes hinaus. “Wir haben einen großen Bekanntenkreis”, erklärt Wüstner. So kommen viele Kollegen extra aus der Schweiz mit ihren Fahrzeugen vorbei. Auch im süddeutschen Raum ist das Treffen bestens bekannt, und sogar Teilnehmer aus Tirol, Liechtenstein und Italien durfte das Team in Mellau schon begrüßen. “Was das Alter betrifft, haben wir ganz unterschiedliche Kandidaten dabei”, erzählt Toni Wüstner. “Wir haben einige, die vor 1920 gebaut worden sind, und auch ein bisschen jüngere Fahrzeuge.”
117 Jahre auf Rädern
Er selbst reiste mit einem Mercedes-Benz Unimog (Baujahr 1960, 32 PS, Allrad) an, den er seit einem Jahr besitzt. “Ich kaufe mir immer Fahrzeuge mit einer Geschichte”, erzählt er. “Wenn man den Vorbesitzer oder den Händler gut kennt, dann hat man gleich einen ganz anderen Bezug zum Wagen.”

Das älteste Fahrzeug des gesamten Treffens war diesmal ein historisches Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahr 1909 von Besitzer Karl Hermann. Der 85-Jährige ist mit seinem Ford (erste Serie) von Hard angereist. Eine Stunde dauerte die Fahrt nach Mellau: “Mehr als 62 km/h fährt der nicht mehr”, schmunzelt Hermann.
Event für Jung und Alt
Für Toni Wüstner ist das Event eine Veranstaltung für alle Generationen. “Es kommen nicht nur Grauhaare her, sondern auch der Nachwuchs”, stellt Wüstner klar. So kommen die Generationen durch die gemeinsame Leidenschaft ins Gespräch, und die Jüngeren können sich direkt bei den erfahrenen Oldtimer-Besitzern wertvolle Tipps abholen.
Nachwuchs am Steuer

Mathias Nenning (18) kaufte seinen Traktor vor vier Jahren. Mit Baujahr 1949 ist das Gefährt knapp 77 Jahre alt. Heuer fuhr Nenning erstmals beim Geschicklichkeitswettbewerb mit – natürlich mit Cousin Jonas auf dem Beifahrersitz.
Alltagstauglicher Klassiker

Mit dabei war auch Christian Breuß (54) aus Sulz mit seinem Renault 4 (Baujahr 1988). Das Auto wurde 1992 letztmals vorgeführt, stand danach 20 Jahre still und wurde von Breuß vor zwei Jahren gekauft und selbst restauriert. Der französische Kult-Wagen im Originallack ist kein reines Ausstellungsstück, sondern beinahe täglich im Gebrauch.
Oldtimer auf zwei Rädern

Auch Zweiräder waren vertreten: Aus Götzis reisten Barbara (59) und Bernhard Wipplinger (62) mit zwei Harleys an. Ein Motorrad Baujahr 1947 und das andere 1995. Die beiden nutzen ihre Motorrad-Klassiker regelmäßig für weite Langstrecken.
Preise und Auszeichnungen
Obwohl beim Mellauer Treffen die gemeinsame Leidenschaft für Oldtimer und das gemütliche Beisammensein im Fokus stehen, ist durch die verschiedenen Auszeichnungen und Geschicklichkeitsbewerbe stets für jede Menge Spannung gesorgt. Bei der Pokalvergabe geht es ganz bewusst nicht um protzige Luxuskarossen: “Wir legen keinen Wert auf Marken”, betont Toni Wüstner. Stattdessen gibt es traditionell einen Preis für das älteste Fahrzeug sowie für die weiteste Anreise. Und natürlich werden auch die besten Teilnehmer nach der absolvierten Geschicklichkeits-Challenge gebührend prämiert.

Mit vielen Teilnehmern, spannenden Bewerben und guter Stimmung bot das Oldtimer-Treffen einmal mehr beste Unterhaltung für Jung und Alt.