Kommentar: Sisyphos gegen die Radikalen
Junge Männer in ihren Zwanzigern, fast noch Burschen, die zu islamistischen Fanatikern werden und andere Menschen mit Bomben oder Messern umbringen wollen. Junge Leute, die in Österreich leben und sich durch Kontakte zu Extremisten oder über Social-Media-Propaganda radikalisieren. Vergangene Woche erließen österreichische Gerichte zwei Urteile gegen zwei Terrorverdächtige, deren Taten das Land erschüttert haben.
In Wiener Neustadt wurde der verhinderte Attentäter Beran A. nicht rechtskräftig zu 15 Jahren Haft verurteilt, er hatte im Juli 2024 rund um die Wiener Konzerte von Weltstar Taylor Swift einen Anschlag geplant; in Klagenfurt wurde ein 24-jähriger Syrer wegen des Terroranschlags in Villach im Februar 2025 nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt, er hatte einen 14-Jährigen erstochen und fünf weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwältin sprach von seiner “Blitzradikalisierung” im Internet, innerhalb weniger Monate. Der Täter zeigte keinerlei Reue. Er sagte, er würde wieder töten.
Wie soll unsere liberale, offene Gesellschaft mit der Bedrohung durch solche Extremisten umgehen, die gerade diese Gesellschaft verachten? Neben der strafrechtlichen Verfolgung geht es jedenfalls stark um Deradikalisierung und Prävention. In diesen Bereichen arbeitet etwa Moussa Al-Hassan Diaw als Vorsitzender des Vereins Derad. Er erklärte am Samstag im Ö1-“Journal zu Gast”, dass die langjährigen Haftstrafen in der Islamisten-Szene durchaus “Signalwirkung” hätten.
Prävention als Schlüssel
Da lebenslange Haft in Österreich allerdings nicht tatsächlich lebenslang bedeutet, müsse man sich bei Hochrisikotätern darauf einstellen, dass sie sich nie wieder frei in der Gesellschaft bewegen dürften, meint Diaw. Also müssten sie entweder nach ihrer Haft im Maßnahmenvollzug untergebracht oder ins Ausland verbracht werden. Das erklärte Ziel von Expertinnen und Experten ist daher, von vornherein keine neue Radikalisierung zuzulassen und bei Prävention anzusetzen. Deradikalisierung sei “Sisyphosarbeit”, sagt Diaw.
Wie wir als Gesellschaft mit dem Terror umgehen, entscheidet darüber, welchen Einfluss die Terroristen auf unser Leben haben. Denn Islamisten verfolgen denselben Plan wie rechtsextreme Attentäter, das stellt die renommierte Extremismusforscherin Julia Ebner in ihren Büchern dar: Sie schüren Angst und Hass, wollen Racheakte ihrer Opfer provozieren, einen Bürgerkrieg entfachen und eine neue Ordnung errichten. Terror sei immer auch Theater, sagt Ebner – es gehe darum, mit einer möglichst groß angelegten Inszenierung Aufmerksamkeit zu generieren und tiefe Emotionen zu erzeugen. Und dieses Spiel der Radikalen dürfen wir keinesfalls mitspielen.
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