Nach schwerem Rückschlag: Dornbirner vollendet mit knapp 80 seinen Radstrecken-Traum

Von einem Auto angefahren, von Bekannten gewarnt und mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert – warum Walter Jochum trotzdem quer durch Europa radelt.
Dornbirn Nur zum Trainieren fuhr Walter Jochum mit dem Fahrrad circa 700 Kilometer von Salzburg über Istrien nach Venedig. Anschließend radelte der Rentner im Mai über 1800 Kilometer durch ganz Spanien. Das war seine letzte von fünf Etappen, mit denen er vom Nordkap bis zur Punta de Tarifa, also vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt Europas, fuhr. Und das mit knapp 80 Jahren.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Prägende Eindrücke
Eigentlich wollte Jochum schon vor drei Jahren die letzte Etappe vom Nordkap bis Tarifa abschließen. Doch bei dem Versuch wurde der Dornbirner von einem Auto angefahren und hatte schließlich mit einigen körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Inzwischen ist er gesundheitlich wieder vollständig genesen. Deshalb hatte er sich vorgenommen, vor seinem 80. Geburtstag im September die letzte Etappe dieser Europadurchquerung abzuschließen. Mit Erfolg: Innerhalb von knapp vier Wochen fuhr er von Sète in Südfrankreich bis nach Tarifa in Südspanien. Er legte dabei rund 110 Kilometer pro Tag zurück. Außerdem absolvierte er seinen Berechnungen zufolge 13.250 Höhenmeter auf der gesamten Strecke.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.



„Das Schönste bei dieser Tour war die vielfältige Landschaft: von dem bergigen Hinterland und schönen Städten wie Valencia bis hin zu den Küstenstrecken“, berichtet der begeisterte Radler. Er hätte viele Eindrücke zu teilen und Geschichten zu erzählen. Voraussichtlich wird er diese in ein paar Monaten im Rahmen eines Vortrags mit Bilderpräsentation vorstellen.

„Gefährliche“ Länder
Jochum war nicht immer so sportlich. „In meinen Sechzigern las ich das Buch von Hape Kerkeling über den Jakobsweg. Das begeisterte mich so sehr, dass ich ihn auch gegangen bin“, erzählt der dreifache Vater. Danach begann er, im Alleingang ausgedehnte Radtouren zu absolvieren – zuerst mit einem klassischen Fahrrad und dann mit einem Elektromodell. Mehr als ein Dutzend Langstreckenradtouren in ganz Europa hat er nun schon hinter sich. „Mir fehlen nur noch die Länder Albanien, Montenegro und Griechenland. Vielleicht steht das im nächsten Jahr am Plan.“

Zu seinen längsten durchgehenden Touren zählt die Fahrt von Donaueschingen bis ans Schwarze Meer im Jahr 2019. „Viele Bekannte meinten, dass es in den Ländern Serbien, Bulgarien und Rumänien sehr gefährlich ist, aber es gibt nirgends so freundliche Leute wie dort“, sagt der gelernte Büromaschinenmechaniker, der eine Zeit lang Unternehmer in der Kanalsanierungsbranche war. „Ich hatte zwar ein Pfefferspray mit, aber nur wegen der Straßenhunde.“


Vor der Tour ans Schwarze Meer sammelte er im Zuge eines Reisevortrags freiwillige Spenden für den rumänischen Kindergarten in Adamclisi, weil er entdeckt hatte, dass sie dort eine Dusche bauen wollten. „Ich habe 1200 Euro zusammengebracht und mit auf die Radreise genommen“, erzählt er. „In dem Dorf wurde ich dann von der Bezirksrätin mit einem Orden und einer Ehrenurkunde geehrt.“

Trotz Problemen
Eine Langstreckenradreise erfordert nicht nur eine aufwendige Planung, sondern bringt unterwegs zahlreiche Unsicherheiten und Herausforderungen mit sich. Doch das Schwerste beziehungsweise Nervenaufreibendste für Jochum ist überraschenderweise die Heimfahrt, sobald er mit dem Fahrrad an seinem Ziel angekommen ist. „Fluggesellschaften erlauben keine E-Bikes wegen der Batterien und bei den Zügen gibt es oft Verspätungen, Anschlussprobleme, Busse als Schienenersatzverkehr, Streiks und so weiter. Außerdem ist das E-Bike schwer und umständlich zu transportieren“, erklärt er. Doch all das hält Jochum nicht davon ab, sich immer wieder auf solch abenteuerliche Reisen zu begeben.

Zur Person:
Walter Jochum, Radreisender mit knapp 80 Jahren
- Geboren: 21. September 1946
- Wohnort: Dornbirn
- Ausbildung: Gelernter Büromaschinenmechaniker
- Beruf: Pensionist
- Familie: Verheiratet, drei Kinder, fünf Enkelkinder
- Hobbys: Radfahren, ehrenamtliche Tätigkeit als Erwachsenenvertreter beim Institut für Sozialdienste (ifs), Musik (Klarinette, Saxofon)
- Lebensmotto: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ – Hermann Hesse