Die Kunst des Messermachens: Wie ein Schrunser seine Berufung fand

Seine Messer kosten teils mehrere tausend Euro. Wie Michael Walch zu einem seltenen Handwerk fand – und warum seine Klingen nicht in der Vitrine landen sollen.
Schruns Ein fast vergessenes Handwerk ist seine größte Leidenschaft: Messermacher Michael Walch kann seine Faszination für Klingen kaum erklären. Dieser einfache Gegenstand habe ihn schon immer fasziniert. “Es ist ein altes Werkzeug, das bis heute genutzt wird”, sagt der Schrunser.


Walch ist gelernter Tischler und Veranstaltungstechniker. Neun Jahre arbeitete er bei den Bregenzer Festspielen. Doch dann kam Corona und es fanden keine Veranstaltungen mehr statt. Als Zeitvertreib begann er, sich YouTube-Videos über die Herstellung von Messern anzusehen. Er brachte sich die Handwerkskunst selbst bei und baute innerhalb von zwei Jahren seine eigene Werkstatt auf. Nebenher arbeitete er als Hausmeister. Was als Hobby begann, wurde nach Corona zum Hauptberuf. “Ich bin in die Selbstständigkeit hineingerutscht”, sagt er.


Keine Messer für die Vitrine
Ein Messermacher fertigt Messer in präziser Handarbeit an, von der Formgebung der Klinge über das Schleifen bis hin zum individuell gearbeiteten Griff. Er verwendet eine andere Fertigungstechnik als bei geschmiedeten Messern und benutzt dabei hauptsächlich rostfreien Messerstahl. “Ich möchte Gebrauchsmesser machen, die man wieder verwendet”, erklärt er seine Intention. Seine Messer sollen nicht in der Vitrine landen.

Für Sonderanfertigungen können schon einmal vier Tage anfallen. Seine Messer sind bei Jägern, Köchen und Metzgern gefragt, aber auch bei Privatleuten. Neben Auftragsarbeiten bietet er zweitägige Messerbaukurse an. Wer selbst ein Messer herstellen möchte, kann die Handwerkskunst in einem Kurs lernen, das eigene Modell entwerfen, die Schablone aussägen, die Kanten schleifen, Löcher für den Griff bohren, den Schliff auf der Klinge anbringen und die Klinge im Härteofen härten. Am zweiten Tag sucht man sich das Griffholz aus, schleift die Klinge, poliert sie und verklebt den Griff.


“Die Leute können hier etwas selber machen, vom Rohmaterial bis zum fertigen Gegenstand. Sie können die Entstehung des Produktes miterleben”, sagt Walch. Es sei etwas anderes, wenn man zu Hause mit dem eigenen Messer koche. Da die Gebrauchsschärfe länger halte als bei einem herkömmlichen Messer, lassen sich Gemüse und Obst leichter schneiden.


Verschiedene Materialien kommen zum Einsatz
Beliebt ist Hybridholz als Griffmaterial, das mit Epoxyharz stabilisiert wird. Doch auch Rohlinge aus Naturholz und Kunststoff finden sich in seinen Schubladen. Es gebe etliche Variationen bei Form, Farbe und Material. Das Verarbeiten unterschiedlicher Materialien gefalle ihm. Seine teuersten Klingen bestehen aus rostfreiem Damaststahl. Da könne ein Messer durchaus zwischen 900 und 2800 Euro kosten.

Es gebe nur sehr wenige hauptberufliche Messermacher. “Das ist eine kleine Community”, meint er. “Wir kennen uns untereinander und sind keine Konkurrenz.” Jeder habe seine eigene Ausrichtung, wie etwa die Messerschmiede in Dornbirn.

Messer aus aller Welt
Schon als Kind sammelte er Messer. Wie viele Messer er mittlerweile besitzt, könne er gar nicht sagen, denn er habe sie noch nie gezählt. In seiner Zeit als Veranstaltungstechniker habe er im Winter drei bis vier Monate frei gehabt und sei in dieser Zeit um die ganze Welt gereist, von Afrika über Mittelamerika bis nach Asien. Von überall habe er Messer und Macheten mitgebracht.


Kochmesser seien besonders schwierig herzustellen, da sie eine extrem dünne Klinge haben, weiß Walch, der privat gerne kocht. Gerade diese Herausforderung mache ihm jedoch Spaß. Ein Messer sei etwas, das innerhalb der Familie weitergegeben werde. “Es ist ein lebenslanger Begleiter”, meint der 35-Jährige.

Zur Person
Michael Walch
Wohnort: Schruns
Geburtstag: 3. Juni 1991
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Hobbys: Kochen, Schnitzen, in der Natur sein