„Der fliegende Schuhmacher“: Alessandro Santella repariert Schuhe ohne Geschäftslokal

Schuhe reparieren lassen, ohne jemals den Schuhmacher zu treffen? Wie das funktioniert und was die Gründe dafür sind.
Bludenz „Laut den Betreibern von Myflexbox bin ich der einzige Schuhmacher in Österreich und Deutschland, der die Abgabe und Abholung über diese Paketstationen anbietet“, sagt Alessandro Santella von „Der Schuhmacher“ aus Bludenz. In Vorarlberg können Schuhe nun bei fünf solcher Abholstationen sowie in acht Partnerbetrieben zur Reparatur abgegeben werden. „Vom Bregenzerwald bis in den Walgau“, sagt der 41-Jährige.
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So funktioniert’s
Santella hat viele Prozesse der Auftragsabwicklung digitalisiert und automatisiert. In seinem Online-Shop kann man die gewünschte Reparatur wählen oder sich von einer virtuellen Assistenz die passende Lösung vorschlagen lassen. Anschließend können die Schuhe bei einem Partnerbetrieb oder einer Myflexbox abgegeben werden. Letzteres sind Paketstationen an meist stark frequentierten Standorten, bei denen Pakete rund um die Uhr empfangen, versendet und retourniert werden können. Außerdem ist es möglich, kaputte Schuhe per Post an Santellas Werkstatt zu schicken. Die Rückgabe erfolgt ebenso über eine dieser drei Varianten.

Demnach trifft man den Schuhmacher eigentlich nie in Person an. Wer eine persönlichere Beratung braucht, kann ihn telefonisch kontaktieren oder ihm Bilder über beispielsweise WhatsApp schicken. Außerdem könne man sich vom Personal der Partnerbetriebe, die meist selbst auf Schuhe spezialisiert sind, beraten lassen.

Während die Abgabe und Abholung bei einem Partnerbetrieb kostenlos sind, muss man bei der Nutzung einer Myflexbox mit insgesamt 16,50 Euro rechnen. Wer den Postweg wählt, schickt die Schuhe selbst ein und die Rücksendung kostet 16,50 Euro. „Die Möglichkeit mit der Post haben schon viele Schuhmacher, wie zum Beispiel ‚Schuh Staudinger‘ in Innsbruck. Mit Partnerbetrieben arbeiten ein paar wenige – Waldviertler-Schuhe kann man zum Beispiel in GEA-Läden oder bei Waldviertler-Händlern abgeben“, erklärt Santella. Da sich in Vorarlberg nicht überall solche Partnerbetriebe finden ließen, kam ihm die spezielle Idee mit den Abholstationen.

Das steckt dahinter
Mehrere Beweggründe haben Santella zu diesem Konzept bewogen. „Einerseits will ich es den Kunden so einfach wie möglich machen – sie müssen nicht mehr extra nach Bludenz fahren und ersparen sich viel Zeit“, schildert der ursprüngliche Deutsche, der in Vorarlberg seine neue Heimat gefunden hat. „Myflexbox-Stationen haben außerdem den Vorteil, dass man zeitlich flexibel ist, was besonders für Schichtarbeiter oder Menschen mit wenig Zeit praktisch ist.“

Ein weiterer Grund für dieses Konzept ist die Nachhaltigkeit, die seinen Beobachtungen zufolge bei vielen Menschen zunehmend an Bedeutung gewinne. „Es macht einen Unterschied, ob 30 Kunden einzeln fahren oder ich die Aufträge bündle.“ Weil er durch Abholungen und Zustellungen viel unterwegs ist, wird er teilweise auch „Der fliegende Schuhmacher“ genannt.

Auch persönliche Gründe spielten bei der Entscheidung für dieses Konzept eine Rolle. Einer davon sind die hohen Mieten in den Innenstädten. Seine aktuell dezentralere Werkstatt möchte er bald auch ganz nach Hause verlagern. Außerdem habe er mit dem klassischen Modell, bei dem die Kunden die Schuhe persönlich vorbeibringen, viel Zeit verloren: „Drei von sechs Tagen habe ich eigentlich nur mit dem Beantworten von Fragen und Smalltalk verbracht. Ich wurde oft sogar tatsächlich gefragt, ob man bei mir Schuhe reparieren kann.“
In Zukunft will Santella die Abgabe- und Abholmöglichkeiten noch ausbauen. „Als Nächstes wird voraussichtlich im Montafon ein Partnerbetrieb dazukommen“, verrät er.