Trockenster Frühling der Messgeschichte – was das für die Tiere und Pflanzen am Bodensee bedeutet

Wärmerekorde und bedrohlich niedrige Wasserstände gefährden die Tier- und Pflanzenwelt.
Hard Es war der niederschlagsärmste Frühling der Messgeschichte. So trocken wie heuer war es in Österreich zwischen dem 1. März und dem 31. Mai noch nie seit Beginn der Messungen vor 169 Jahren. Dies hinterlässt auch am Bodensee deutliche Spuren: Der Wasserstand ist niedrig, die Wassertemperaturen erreichen Rekordwerte. So warm wie Ende Mai war der Bodensee zu diesem Zeitpunkt noch nie. Auswirkungen zeigen sich auch bei Tieren und Pflanzen. Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta, begegnet diesen Veränderungen allerdings mit einer stoischen Gelassenheit.
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Tiere und Pflanzen im Wandel
Seit vergangener Woche gab es wiederholt Regen, wodurch die Temperatur des Sees gesunken und der Wasserstand gestiegen ist. Trotzdem bleibt der Pegel deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Aktuell liegt er 72 Zentimeter unter dem Mittelwert, vor einer Woche waren es 73 Zentimeter.
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“Der niedrige Wasserstand ist nicht gut für Vögel, die im Schilf brüten wollen”, sagt Walter Niederer vom Naturschutzverein Rheindelta. Wenn das Schilf nicht mehr im Wasser liegt, müssen sich zum Beispiel Schwäne und Blässhühner andere Plätze dafür suchen, die möglicherweise nicht so gut verankert sind. Wenn später Regen fällt, könnten die Nester wegtreiben.

Vögel, die Bruthöhlen in sandige Steilufer graben – etwa der Eisvögel und die Uferschwalbe – sind ebenfalls größeren Gefahren ausgesetzt. Denn ein niedrigerer Wasserstand erleichtert Fressfeinden wie Füchsen den Zugang zu den Bruthöhlen.

“Auch das Bodensee-Vergissmeinnicht steht durch die Wasserstandschwankungen unter Druck”, erklärt Niederer. “Allerdings wurden dafür Schutzgebiete ausgewiesen, sodass es heuer gut geblüht hat.”
Bei gewissen Arten sieht Niederer eine erhöhte Verantwortung des Menschen. Gleichzeitig betrachtet er die Natur als ein großes System, das sich laufend verändert. “Tiere und Pflanzen werden sich an veränderte Bedingungen anpassen – selbst wenn das bedeutet, dass einzelne Arten verschwinden und andere neu dazukommen”, sagt der Experte in stoischer Manier. Eine zentrale Frage im Naturschutzmanagement ist stets: Will, kann, beziehungsweise soll man eingreifen?

Wetteraussicht
“In den kommenden Tagen wird es regnerisch bleiben”, sagt Christoph Zingerle, Meteorologe bei GeoSphere Austria und zuständig für Vorarlberg sowie Tirol. “Ein größeres Niederschlagsereignis ist derzeit aber nicht in Sicht.” Die Temperaturen bewegen sich aktuell im Bereich des langjährigen Durchschnitts und entsprechen damit der Jahreszeit. Da der Winter und der Frühling allerdings überdurchschnittlich trocken waren, muss die Trockenheit derzeit quasi noch aufgeholt werden. Hinzu kommt, dass aufgrund der geringen Schneemengen in den Bergen auch die Schneeschmelze nur wenig zusätzliches Wasser bringen werde.
