„Sie ist mein Engel“: Warum Elfriede Wälti jede Woche auf diesen Besuch wartet

VN / 07.06.2026 • 09:00 Uhr
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Elfriede Wälti (l.) und Katharina Kaufmann sind mittlerweile gut befreundet. Bilder: VN/JUN

Aus einer ehrenamtlichen Begleitung ist eine Freundschaft entstanden. Die Geschichte von Elfriede Wälti und Katharina Kaufmann zeigt, was Hospizarbeit auch sein kann.

Darum geht’s:

  • Katharina Kaufmann besucht Elfriede Wälti ehrenamtlich wöchentlich.
  • Wälti möchte nicht ins Seniorenheim umziehen.
  • 285 Ehrenamtliche unterstützen Hospizteams in Vorarlberg.

Bezau Hospizbegleiterin Katharina Kaufmann besucht jeden Montag Elfriede Wälti in ihrer Wohnung in Bezau. “Sie ist mein Engel. Ich bin sehr dankbar, dass sie kommt”, sagt Wälti. Gemeinsam gehen sie spazieren und bei schlechtem Wetter spielen sie etwas. Katharina Kaufmann schenkt Elfriede Wälti jede Woche zwei Stunden ihrer Zeit, und das ehrenamtlich. “Ich habe jedes Mal eine Freude, wenn sie kommt. Wir verstehen uns gut. Ich erzähle ihr meine Sorgen. Katharina hört zu und gibt mir Rat”, sagt die 88-Jährige. Seit fünf Jahren besucht Katharina Kaufmann Elfriede Wälti. Mittlerweile ist daraus eine Freundschaft entstanden.

Seit einem Oberschenkelhalsbruch ist Wälti nicht mehr gut zu Fuß und auf einen Rollator angewiesen. Zudem hat sie den ganzen Tag mit Schwindel zu kämpfen. Allein spazieren gehen darf sie nicht. Dafür braucht sie eine Begleitperson. Hilfe bekommt sie vom MOHI (Mobiler Hilfsdienst) und sie bezieht Essen auf Rädern.

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Hündin Aila leistet Elfriede Wälti Gesellschaft.

Sie möchte weiterhin allein wohnen. Ein Seniorenheim kommt für sie vorerst nicht infrage. Vor einem Jahr war sie nach einem Spitalsaufenthalt drei Wochen zur Erholung in einem Heim, fühlte sich dort jedoch nicht wohl. “Ich habe nur geweint und wollte da wieder weg”, sagt sie.

Ihre Tochter wohnt in St. Gallen, ihr Sohn in Kärnten. Ihr Mann starb bereits 2011 an Blutkrebs. Wälti ist im Alltag oft allein. Gesellschaft leistet ihr Hündin Aila. Mit ihr fühlt sich Elfriede Wälti nicht ganz so einsam. “Ich bin froh, dass ich sie habe”, sagt sie.

Zeit ist kostbar

Katharina Kaufmann betreut zwei Personen pro Woche und ist zusätzlich einmal wöchentlich im Sozialzentrum Bezau tätig. “Ich gehe immer reich beschenkt nach Hause”, sagt Kaufmann. Denn die Zeit mit Elfriede Wälti ist auch für sie kostbar. “Ihr Zeit zu schenken, berührt mein Herz. Das kann man in keinem Geschäft kaufen.” Ehrlichkeit und Bescheidenheit rücken in den Fokus, Materielles sei nicht mehr wichtig. Sie begleitet Menschen, die körperlich krank sind oder sich in einer Trauerphase befinden. “Die Schicksale berühren einen. Dann ist man auf einmal ganz klein.”

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Hospizbegleiterin Katharina Kaufmann besucht schon seit fünf Jahren jede Woche Montag Elfriede Wälti.

Heike Fink ist Koordinatorin des Hospizteams Bregenzerwald/Kleinwalsertal. Sie führt die Erstgespräche mit den Klienten und teilt die Hospizbegleiter ein. Laut Kaufmann hat Heike Fink ein “unglaubliches Gespür” dafür, welcher Hospizbegleiter zu welchem Klienten passt. Für Fink sind die Erstgespräche etwas Besonderes: “Die Zeit steht still, während man sich mit den Menschen unterhält und in ihre Lebenswelt eintaucht.”

Ausbildung zum Hospizbegleiter

285 ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter gibt es in sechs regionalen Hospizteams in Vorarlberg. Zusätzlich gibt es das Regionalteam Hospiz für Kinder sowie die Kontaktstelle Trauer. Wer Hospizbegleiter werden möchte, muss eine Ausbildung absolvieren. Diese umfasst 40 Praxisstunden und 100 Theoriestunden, denn nicht jeder ist für diese Tätigkeit geeignet. Man müsse belastbar sein. Jeder werde vorab zu einem Gespräch eingeladen. “Es gibt einzelne, denen wir absagen, weil sie selbst in Not sind”, sagt Fink.

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Heike Fink ist Koordinatorin des Hospizteams Bregenzerwald/Kleinwalsertal.

Jeder kann eine Hospizbegleitung in Anspruch nehmen. Nicht nur Sterbende und Trauernde, sondern auch Menschen, die sich einsam fühlen. “Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt”, meint Heike Fink. “Wir begleiten nicht nur Menschen am Sterbebett.” Das passiere selten, doch es sei immer wieder “ein kostbarer Moment, das mitzuerleben”. Auch Katharina Kaufmann hat bereits einen Sterbenden in seinen letzten Minuten begleitet und dabei die trauernde Familie unterstützt.