In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft

VN / 12.06.2026 • 14:38 Uhr
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Der Rossstall befindet sich im hinteren Bereich des Kasernenareals an der Straße “Am Tannenbach”. VN

Wo einst die Pferde der Offiziere untergebracht waren, sollen künftig Musiker den Takt angeben.

Bregenz, Wien Der Name erinnert noch an vergangene Zeiten, doch Pferden begegnet man hier schon lange nicht mehr: Am sogenannten „Rossstall“ auf dem Areal der Oberst-Bilgeri-Kaserne in Bregenz hat der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen. Über eine Nachnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes wird seit Jahrzehnten diskutiert. Doch nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz wurde bereits um die Baubewilligung angesucht. Die mündliche Verhandlung findet Ende Juni statt.

In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Ein Haus des Klangs: Die Verantwortlichen sprechen von einem „Leuchtturmprojekt“, das militärische und zivile Nutzer unter einem Dach vereint. VN
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Das Siegerprojekt von Ludescher und Lutz Architekten. An der Finanzierung beteiligen sich der Bund, das Land und die Stadt Bregenz. Rendering/Ludescher und Lutz Architekten

Ursprünglich als Stallung für die Pferde der Offiziere errichtet, diente das Gebäude dem Bundesheer zuletzt vor allem als Abstellraum für ausrangiertes Material. Bestrebungen, den alten Rossstall in ein modernes Musikprobezentrum zu verwandeln, gibt es seit gut 15 Jahren. Denn nicht nur die Militärmusik hat mit Platzmangel und unzureichenden Proberäumlichkeiten zu kämpfen. Auch andere Musikinstitutionen haben Bedarf angemeldet. Bei einem EU-weiten Architekturwettbewerb im Jahr 2022 wurde schließlich das Projekt von Ludescher und Lutz Architekten zum Sieger gekürt.

In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Ein Blick in den alten Rossstall. VN
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Das denkmalgeschützte Gebäude wurde zuletzt vor allem als Abstellraum genutzt. VN
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Im Dachgeschoss sind die Büros von Militär- und Polizeimusik geplant. VN

Wie Oberst Günther Klug von der Direktion 7, der Immobilienbehörde des Bundesheers, auf Anfrage mitteilt, wird ein Baustart noch dieses Jahr angestrebt. „Die Ausschreibungsunterlagen sind im Prinzip fertig. Es sind eigentlich nur noch ein paar Details mit dem Land zu klären. Aber daran wird das Projekt nicht scheitern“, sagt er.

In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Eine Ansicht des Bestands.
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Das Kommandogebäude Oberst Bilgeri wurde im Jahr 1963 während der Donaumonarchie errichtet. VN
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Der Rossstall wird saniert und durch einen Neubau ergänzt. Rendering/Ludescher und Lutz Architekten
In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Der Proberaum soll mit sägerauem Holz bekleidet werden. Rendering/Ludescher und Lutz Architekten

Das Bundesheer investiert laut eigenen Angaben heuer österreichweit 473 Millionen in die Modernisierung und Erweiterung seiner Infrastruktur. Nach Vorarlberg fließen rund 4,8 Millionen Euro, darunter 1,2 Millionen Euro in das Musikprobezentrum. Wie viel das Projekt insgesamt kostet, lässt Klug offen. Vor vier Jahren wurden die Baukosten noch auf rund sechs Millionen Euro geschätzt. „Das waren Anfangsschätzungen. Bei einem denkmalgeschützten Gebäude sind die Unwägbarkeiten naturgemäß größer. Ich nenne keine Hausnummern, aber es wird mehr sein“, erläutert der Oberst. Fest steht, dass sich das Land in Form einer Mietvorauszahlung an dem Vorhaben beteiligt. „Alles andere würde nicht funktionieren, weil das Land den Bund nicht subventionieren darf“, ergänzt Günther Klug.

In der Bilgeri-Kaserne rücken die Bagger an: Altem Rossstall winkt eine klingende Zukunft
Das gesamte Kasernengelände steht unter Denkmalschutz. VN

Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1911 soll saniert und durch einen Neubau ergänzt werden. Die Verzögerungen beim Baustart begründet Klug mit der Akustik und dem tatsächlichen Zustand des Gebäudes, der etwas schlechter gewesen sei als zunächst angenommen. „Es hat ein paar Schwierigkeiten gegeben, aber mittlerweile ist alles geregelt“, berichtet er. Genutzt werden soll das Musikprobezentrum unter anderem von der Militärmusik, dem Symphonieorchester, der Polizeimusik, dem Landeskonservatorium, dem Blasmusikverband oder der Musikschule. „Der große Proberaum ist mehr oder weniger auf das Symphonieorchester abgestimmt, weil die am größten sind“, führt der Bundesheer-Vertreter aus. Läuft alles nach Plan, könnte im ehemaligen Rossstall nach einer Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren Musik statt Wiehern zu hören sein.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.