Wenn die Bohrmaschine ins Bücherregal zieht

Mit der neuen Bibliothek der Dinge setzt die Stadtbibliothek auf das Prinzip des Teilens.
Dornbirn Für den Kindergeburtstag wäre eine Seifenblasenmaschine perfekt. Vor dem Urlaub wird eine Kofferwaage benötigt, fürs nächste Heimwerkerprojekt eine Schlagbohrmaschine. Doch lohnt sich der Kauf für einen einzigen Einsatz? Genau diese Frage steht hinter der neuen “Bibliothek der Dinge” der Stadtbibliothek Dornbirn.

Teilen statt besitzen
Im Rahmen der Umweltwoche gestartet, können dort ab sofort 50 Gegenstände für Haushalt, Freizeit, Kreativität und Handwerk ausgeliehen werden. Das Konzept folgt der Idee der sogenannten Sharing Economy: teilen statt besitzen. Denn viele Gegenstände werden nur selten benötigt und verbringen den Großteil ihres Lebens ungenutzt in Kellern, Schränken oder Abstellräumen. “Nachhaltigkeit ist auch in der Bibliotheksarbeit ein wichtiges Thema. Mit der Bibliothek der Dinge möchten wir einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Stadt leisten und unser Angebot sinnvoll erweitern”, sagt Bibliotheksleiterin Johanna Baumgartner.

Praktische Alltagshelfer
Von Werkzeugen und technischen Geräten über Freizeit- und Haushaltsartikel bis hin zu kreativen Utensilien reicht die Auswahl. So finden sich in den Regalen unter anderem Schlagbohrmaschine, Werkzeugkoffer und Stehleiter, aber auch Mikroskope für Kinder, Hängematte, Picknickkorb, Federballset oder eine Buttonmaschine. Sogar ein Stand-up-Paddle-Board kann man ausleihen. “So können auch Dinge ausprobiert werden, ohne gleich etwas Neues kaufen zu müssen”, sagt Baumgartner. Gerade Familien könnten vom Angebot profitieren: Wer wissen möchte, ob ein neues Hobby langfristig Freude bereitet, kann viele Gegenstände zunächst testen, bevor Geld für eine Neuanschaffung ausgegeben wird.

Umwelt und Budget schonen
Die positiven Auswirkungen auf Umwelt und Geldbörse sind beträchtlich. Eine Bohrmaschine arbeitet im Durchschnitt während ihres gesamten “Lebens” nur wenige Minuten. Wird sie von mehreren Haushalten gemeinsam genutzt, können laut Berechnungen rund 225 Kilogramm CO₂ eingespart werden. Selbst kleine Gegenstände machen einen Unterschied: Ein Heizkörperentlüftungsschlüssel, der oft nur einmal im Jahr benötigt wird, spart durch gemeinschaftliche Nutzung unnötige Bestellungen und Lieferwege.
Die ersten Anschaffungen wurden mit dem Preisgeld der Auszeichnung “Bibliothek des Jahres” finanziert. Welche Gegenstände künftig ihren Platz in der Bibliothek der Dinge finden, sollen auch die Nutzer mitbestimmen. “Die Bibliothek der Dinge findet großen Anklang. Viele Gegenstände wurden bereits in den ersten Tagen ausgeliehen”, sagt Baumgartner.
So funktioniert’s
Wer einen gültigen Bibliotheksausweis besitzt, kann die meisten Dinge unkompliziert ausleihen – für manche Gegenstände gilt eine Altersbegrenzung. Zu finden sind sie im Untergeschoss gleich beim ersten Regal. Fein säuberlich beschriftet und mit Gebrauchsanweisung versehen, warten sie hier auf ihren nächsten Einsatz. Einen vollständigen Überblick gibt es im Online-Katalog der Stadtbibliothek. LCF





