Ein Flohmarkt zum Abschied: Der „Bären“ öffnet ein letztes Mal

Der Abrisstermin rückt näher. Die Familie Schneider verkauft gemeinsam mit dem Schaudepot das Inventar aus zwei Jahrhunderten.
Lauterach Es ist das letzte Kapitel einer Geschichte, die vor fast 200 Jahren begann: Beim ehemaligen Gasthaus Bären in Lauterach rollen Ende Juni die Abrissbagger an. Davor werden Teile seiner Geschichte noch einmal lebendig. Bei einem Flohmarkt, den die Familie Schneider gemeinsam mit dem Lauteracher Schaudepot veranstaltet, wartet Inventar aus rund zwei Jahrhunderten auf neue Besitzer – alte Geräte, Alltagsgegenstände, Werkzeug, alte Holzfässer, Möbel. „Es ist halt so. Alles hat seine Zeit“, meint Eigentümerin Elfriede Schneider. Die 80-Jährige hat praktisch ihr ganzes Leben in dem Haus an der Achkreuzung verbracht. In wenigen Tagen heißt es endgültig Abschied nehmen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der „Bären“ im Jahr 1844. Elfriede Schneider zeigt auf zwei Bilder, die neben der Eingangstür stehen. „Das sind meine Urgroßeltern“, erzählt sie. „Ich bin die vierte Generation. Seit meiner Geburt habe ich in diesem Haus gelebt.“ Das Gebäude an der heutigen Harderstraße 2 war weit mehr als nur ein Gasthaus. Hier wurde Landwirtschaft betrieben, Schnaps gebrannt und Most hergestellt. Hinzu kamen eine Zimmervermietung und der Gastbetrieb.


Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Die Spuren vergangener Zeiten sind noch überall zu finden. Auf dem Dachboden steht eine alte Eismaschine, in der Selchkammer wurden Fleischwaren mit Sägemehl und Wacholderästen geräuchert. Wandergesellen auf der Walz, die im Bären übernachteten, haben Notizen an den Wänden hinterlassen. Über einer Tür steht etwa der Satz: „Hier ist ein Preuße gelegen, tut nur betteln, arbeitet nicht mehr.“ Die ehemalige Personalkammer wurde seit Jahrzehnten nicht mehr betreten. „Das war wie eine Zeitkapsel, die wir erst vor 14 Tagen wieder geöffnet haben“, erzählt Birgit Schneider (50), die Tochter von Elfriede Schneider. „Ich war als Kind das letzte Mal hier drinnen und jetzt bin ich 50. Mama hat sich nicht mehr hineingetraut, weil sie gesagt hat, dass es zu gefährlich ist.”


1996 wurde der Bären vom Bundesdenkmalamt unverhofft unter Denkmalschutz gestellt. Das Gasthaus war noch bis 2004 in Betrieb. „Toujours seit 1844“, merkt die Hausherrin an. Doch die Investitionen wurden mit den Jahren immer größer. „Ich habe immer wieder investiert, einmal in das Dach, dann in 30 neue Fenster, später in die Stiege oder den Kanalanschluss. Es ist ein Fass ohne Boden gewesen“, sagt Elfriede Schneider. „Ein Drittel von dem, was ich verdient habe, habe ich zum Leben gebraucht, ein Drittel fürs Finanzamt und ein Drittel waren immer Reparaturen.“


Rund 20 Jahre befand sich das Haus im Dornröschenschlaf. „Dann ist Bürgermeister Rhomberg auf uns zugekommen, weil sie für den Kreuzungsumbau Flächen gebraucht haben“, blickt Birgit Schneider zurück. Im Oktober 2025 fiel schließlich die letzte Hürde: Nach einem gemeinsamen Antrag der Eigentümerin, der Gemeinde Lauterach und des Landes wurde der Denkmalschutz aufgehoben.















Einige Stücke haben bereits einen neuen Platz gefunden: Die gesamte Gaststube wurde abgebaut und soll im Schaudepot wieder aufgebaut werden. „Es ist immer spannend zu erfahren, wie die Leute früher gelebt haben, oder was sie geschrieben haben“, ergänzt Gemeindearchivarin Christine Schurr, die auch Teil des Schaudepots ist. Die Eröffnung ist im Herbst geplant. „Dann stehe ich noch einmal an den Tresen“, sagt Elfriede Schneider und lacht. Die 80-Jährige hat sich von dem Haus bereits verabschiedet. Leicht fällt ihr und ihrer Familie der endgültige Abschied trotzdem nicht. „Das letzte Mal bin ich draußen auf dem Bänkle gesessen, habe das Haus angeschaut und gedacht: Ich bin jetzt die Letzte”, sinniert sie. “Aber an mir liegt es nicht. Es ist einfach der Verkehr und das Alter.”



Flohmarkt im Gasthaus Bären: Samstag, 27. Juni 2026, 10 bis 16 Uhr, Harderstraße 2, Lauterach, Veranstalter: Schaudepot und Familie Schneider