Public Viewing erst nach Behördenmarathon

VN / 17.06.2026 • 14:46 Uhr
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Lustenau am Mittwoch um 6 Uhr in der Früh. Rund 500 Fußballbegeisterte verfolgen am “Blauen Platz” das WM-Match Österreich – Jordanien. Lerch

Marcel Lerch brauchte 34 Sondergenehmigungen für sein gigantisches Public-Viewing-Projekt am “Blauen Platz”.

Lustenau Eine solche Menschenansammlung hat der “Blaue Platz” in Lustenau um 6 Uhr früh in seiner knapp 30-jährigen Geschichte wohl noch nie erlebt. Rund 500 Menschen versammelten sich am Dienstag kurz nach Tagesanbruch vor der riesigen Video-Wall im Freien sowie vor den sechs TV-Screens in der iTaly-Bar. Im Gastro-Reich von Marcel Lerch (53) war der Teufel los. Es wurde geschrien, geflucht und gejubelt … und natürlich auch konsumiert. Lerch spendierte ein Gratis-Frühstück gegen eine freiwillige Spende für einen wohltätigen Zweck, es wurde darüber hinaus natürlich auch viel Flüssiges konsumiert.

“Bürgi” als Helfer

Dass eine solche Massenveranstaltung zu gastronomischer Unzeit überhaupt möglich ist, setzte die Überwindung einiger behördlicher und bürokratischer Hürden voraus. “Ich habe von der BH insgesamt 34 Genehmigungen für eine Sperrstundenverlängerung benötigt”, erzählte Lerch. “Einfach war es nicht, aber der Lustenauer Bürgermeister hat sich vehement dafür eingesetzt. Ihm geht es natürlich um die Belebung des Zentrums. Und die findet während der Fußball-Weltmeisterschaft ja tatsächlich statt.”

Public Viewing erst nach Behördenmarathon
Marcel Lerch gegen 8 Uhr früh vor seiner Video-Wall. Die Erleichterung über eine reibungslose Public-Viewing-Veranstaltung ist dem Gastronom anzusehen.’VN/Steurer

Keine Türkei-Spiele

Die Auflagen für Marcel Lerch und seine Public-Viewing-Veranstaltungen sind klar festgelegt. Alle WM-Spiele, die vor 24 Uhr beginnen, dürfen im Dorfzentrum gezeigt werden. Für das Österreich-Spiel gegen Jordanien, das um 6 Uhr früh begann, gab es eine zusätzliche Genehmigung. “Das Match unserer Mannschaft gegen Algerien mit Beginnzeit 4 Uhr früh biete ich allerdings nicht an”, betont der Gastronom. In Summe sind es 40 Matches, die man bei mir auf der großen Leinwand anschauen kann.

Mit Sicherheitsproblemen, die es bei der letzten Fußball-EM vor allem im Zusammenhang mit Türkei-Spielen gab, rechnet Lerch nicht. Die Begegnungen der Türken finden bei dieser WM zu Zeiten statt, in denen der Gastronom kein Public Viewing anbieten darf. Was er nicht ungern zur Kenntnis nimmt.

Public Viewing erst nach Behördenmarathon
sterreich total. Nicht nur für Christine gab es früh am Morgen im Lustenauer Dorfzentrum nur rot-weiß-rot. /Steurer Ö

Bier zur Morgenstund’

Die 14 Quadratmeter große Video-Wall hat Lerch für die Zeit während der Fußball-Weltmeisterschaft für 25.000 Euro gemietet. Der Screen verfügt über eine hohe Auflösung, die Bilder kommen sogar bei gleißendem Sonnenlicht ausreichend scharf.

Beachtlich ist auch der personelle Aufwand, den Lerch bei den Public Viewings betreibt. Zwölf Kellnerinnen und Kellner sorgten sich beim Österreich-Spiel gegen Jordanien um die Gäste. Auch die Lust auf Bier war in aller Herrgottsfrüh schon vorhanden. “Ich musste vier Fass Bier anstechen”, schmunzelt der umtriebige Gastro-Unternehmer.