Anpfiff zum großen Tauschen: Die Jagd nach den letzten Stickern

980 Sticker, Tauschgeschäfte und ein Volltreffer: Bei der Panini-Tauschbörse im GWL geht es rund.
Bregenz Im Obergeschoss des GWL in Bregenz drehen sich die Gespräche an diesem Freitagnachmittag hauptsächlich um Nummern und Ländernamen. „Hast du zufällig England 18?“, erkundigt sich Helmut Kalcher (77). „Harry Kane“, schiebt er nach. Der 77-Jährige sammelt seit 18 Jahren Panini-Fußballsticker. Für das aktuelle Album fehlen ihm noch 33 Bilder. „2008 habe ich wegen meines Enkels angefangen und dann habe ich halt alle zwei Jahre weitergemacht. Jetzt mache ich es, weil es mich interessiert“, berichtet der Pensionist aus Langen bei Bregenz.



Alle, die heute hierherkommen, haben dasselbe Ziel: das Panini-Sammelalbum zur Fußball-WM 2026 zu vervollständigen. Die Tauschbörsen von Kurt Prenner-Platzgummer (70) vom Sowas-und-Nowas-Museum in Lochau sind für viele Stickerjäger ein Pflichttermin.



Beim aktuellen Album ist besonders viel Kondition gefragt. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist die bislang größte Fußball-WM der Geschichte. Statt 32 sind erstmals 48 Mannschaften dabei. Das stellt auch die Sammler vor eine echte Herausforderung. Wer ein volles Album möchte, benötigt 980 Sticker – 310 mehr als bei der WM in Katar. „Es sind sehr viele Sticker, aber mir taugt das Album, weil viele Spieler dabei sind und nicht so viele Ansichten“, sagt Helmut Kalcher. „Das einzig Negative ist die Sucherei“, ergänzt Kurt Prenner-Platzgummer und meint damit die Sticker, die diesmal nicht von 1 bis 980 durchnummeriert sind, sondern eine Buchstabenkombination des jeweiligen Landes und eine Zahl von 1 bis 20 tragen.



Rein rechnerisch kostet ein vollständiges Album rund 210 Euro. Da doppelte Sticker beim Sammeln unvermeidbar sind, liegt der tatsächliche Aufwand meist deutlich darüber. Christian Mirkovic (49) aus Lustenau hat soeben den entscheidenden Treffer gelandet. „Lewis Ferguson von Schottland war der Letzte, den ich noch gebraucht habe”, jubelt er. Das Album des Lustenauers ist damit komplett. Ganz fertig ist er mit dem Sammeln allerdings noch nicht. Das Update-Set mit weiteren 120 Stickern von Spielern, die erst nach Redaktionsschluss in den Kader nominiert wurden, erscheint im Juli.


Reini (48) aus Altach ist noch nicht ganz so weit. „Ich bin noch ausbaufähig. Bei uns waren die Sticker immer wieder ausverkauft. Die Nachfrage war sehr hoch“, begründet er. Das Sammeln weckt bei dem 48-Jährigen auch nostalgische Erinnerungen. „Ich habe schon als Kind gesammelt. Meine Kinder schauen sich das Album auch gerne an. Zur EM habe ich das Heft von Topps gekauft, das war einfach anders. Das von Panini ist wie ein Retrobuch. Die haben das einfach richtig gemacht“, erzählt er.

Ohne sorgfältig geführte Liste mit den noch fehlenden Stickern läuft auf einer Tauschbörse nichts. Franz Stitny (81) aus Bregenz weiß das nur zu gut. „Ich brauche noch viele“, merkt er an. Unterstützung bekommt der 81-Jährige an diesem Nachmittag von Enkelin Melanie (21). „Er hat das Hörgerät wieder nicht dabei, und die Brille hat er auch vergessen“, erklärt die 21-Jährige und lacht.

Kurt Prenner-Platzgummer hat bislang kein Fußballgroßereignis als Sammler ausgelassen. Begonnen hat alles mit der ersten Panini-Kollektion zur WM 1970 in Mexiko. Doch bald heißt es Abschied nehmen. Das letzte Fußball-Album des italienischen Sammelbildverlags erscheint 2030. Ab 2031 hat die Fifa die Exklusivlizenz wie bereits für die EM an den Konkurrenten Fanatics/Topps vergeben. Ob der 70-Jährige dann noch weitersammeln wird, bezweifelt er. “Das Album, das Topps zur EM 2024 herausgegeben hat, war das schlechteste Album, das es je gegeben hat. Da waren Mannschaften drinnen, die nicht einmal qualifiziert waren und bei Deutschland war Oliver Kahn als Kapitän dabei”, sagt er und schüttelt den Kopf.








Nächste Tauschbörse im GWL in Bregenz: Samstag, 27. Juni von 14 bis 16 Uhr und Freitag, 3. Juli von 14 bis 16 Uhr; Tauschbörse im Lebensraum Bregenz, Clemens-Holzmeister-Gasse 2: Freitag, 26. Juni, 14 bis 16 Uhr und Freitag, 3. Juli, 14 bis 16 Uhr