Vom Aussterben bedroht: So steht es um die Telefonzellen in Vorarlberg

Wie viele Telefonzellen es noch in Vorarlberg gibt und wie es mit ihnen weitergeht.
Bregenz, Götzis, Hörbranz Während es vor knapp zehn Jahren noch über 400 öffentliche Telefone in Vorarlberg gab, sind es heute nur noch 84. Doch es entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten: So wurde in Hörbranz vor Kurzem eine neue Bücherzelle aufgestellt.

Früher und heute
Alle 84 öffentlichen Telefone in Vorarlberg sind Telefonzellen – funktionsfähige Innengeräte in Gebäuden gibt es also keine mehr. Fast die Hälfte davon befindet sich in den drei Gemeinden Dornbirn (17), Bregenz (14) und Hard (7). Wer glaubt, an deren gut frequentierten Bahnhöfen eine Telefonzelle zu finden, liegt falsch. Am Bahnhof Bregenz gibt es in der ehemaligen Kassenhalle zwar noch ein Innengerät als Zeugnis vergangener Zeiten, dieses ist jedoch außer Betrieb.
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Auf Google Maps wird beim Minigolfplatz Bregenz noch eine Telefonzelle angezeigt. Aber auch diese gibt es eigentlich nicht mehr. „Die ist immer wieder beschädigt und beschmutzt worden und wurde vergangenes Jahr abgebaut“, erzählt Alexander Saskin (56), dessen Sohn den angrenzenden Kiosk am See betreibt.


Offenbar ist Vandalismus an Telefonzellen jedoch kein Phänomen der Gegenwart. „Auch früher waren sie oft ruiniert und dreckig“, meint Robert Schall (75) aus Bregenz. „Das Erste, was ich nach dem Telefonieren immer gemacht habe, war Händewaschen.“ In seinem Haus hatte er damals einen Viertelanschluss, also einen Gemeinschaftsanschluss, bei dem sich vier Haushalte eine einzige Telefonleitung teilten. Eine Telefonzelle benutzte er früher etwa zehnmal im Jahr, wenn er spontan telefonieren musste oder etwas eilte.

Lilo Sternik ist ebenfalls in Bregenz aufgewachsen und nutzte Telefonzellen vor allem für Notfälle und um ihren Freund anzurufen. „Es war eine tolle Einrichtung und unglaublich wichtig“, beschreibt die 78-Jährige, die nun in Lochau wohnt. Heute nutzt sie Telefonzellen nicht mehr.

Neunutzungen
Zuständig für die Telefonzellen in Österreich ist A1, die frühere Telekom Austria. „Wir orientieren uns am Bedarf und werden sie potenziell weiter reduzieren“, sagt Jochen Ohnewas-Schützenauer, A1-Pressesprecher. „Defekte Telefonzellen werden selten noch einmal instand gesetzt. Nur wenn sie vor Ort wirklich noch gebraucht werden, weil sich die Menschen zum Beispiel sicherer und wohler fühlen, wenn es sie gibt.“ Dennoch soll in fast jeder Gemeinde Österreichs nach wie vor zumindest eine Telefonzelle stehen.

Über die Jahre hinweg gab es immer wieder Projekte zur Neunutzung. Sie werden beispielsweise als Werbeflächen genutzt. Einige wurden zudem zu Defi-Zellen umfunktioniert, bei denen die Telefonzellen mit Defibrillatoren ausgestattet worden sind. Die wohl bekannteste Form der Neunutzung ist der “Offene Bücherschrank”. Erst vergangene Woche wurde ein solcher in Hörbranz aufgestellt.

„A1 hat uns die Telefonzelle kostenlos zur Verfügung gestellt“, berichtet Neos-Gemeindevertreter Dominik Greissing. Es gibt sogar ein Solarlicht, das bis 22 Uhr und im Winter für Komfort sorgen soll. Außerdem soll sie noch angemalt werden. Umgesetzt wurde das Projekt von einer Arbeitsgruppe der Gemeindevertretung.

Sozialarbeiter und Jugendliche der Offenen Jugendarbeit Götzis (OJAG) haben einer ausgemusterten A1-Telefonzelle vor zwei Jahren neues Leben eingehaucht. Der „Offene Kasten“ ist eine Tauschbörse, in der man alle möglichen Gegenstände weitergeben kann. „Einmal wurde die Scheibe eingeschlagen“, erzählt Sozialarbeiterin Madlen Behrle, die das Projekt mitbegleitet hat. „Aber davon abgesehen funktioniert es gut und wird viel von den Menschen genutzt.“

So viel kostet ein Telefonat aus der Telefonzelle
Telefonzellen verrechnen nach dem Impulsverfahren. Ein „Impuls“ kostet 0,143 Euro. Je nach Anrufziel dauert so ein Impuls unterschiedlich lange:
- Lokalzone (Ortsnetz des öffentlichen Telefons, von dem angerufen wird): 60 Sekunden
- Inlandszone (Ortsnetze in Österreich): 43,33 Sekunden
- Mobilfunkzone 1 (0664, 0680, 0699, 0676, 0681, 0688-8): 18 Sekunden
- Mobilfunkzone 2 (0650, 0660): 14,4 Sekunden
Historischer Exkurs:
Laut A1 ging der erste Münzfernsprecher am 17. August 1903 am (damaligen) Wiener Südbahnhof in Betrieb. Gegen Einwurf von 20-Heller-Stücken waren damit lokale Telefongespräche möglich. Zwischen 1903 und 1909 wurden in Bahnhöfen, Kaffeehäusern und in öffentlichen Gebäuden österreichweit 97 Telefonautomaten aufgestellt. Ab 1909 durften Fernsprechapparate auch in Kiosken im öffentlichen Straßenraum errichtet werden. Zu Beginn allerdings nur „versteckt“, um das Ortsbild nicht zu verunstalten.

