Das Spiel mit der Fantasie

Die Volksschule Bregenz-Rieden setzt auf ein besonderes Projekt.
Bregenz Der Theaterraum ist dunkel. Nur die Bühne erstrahlt im Licht. Schülerinnen und Schüler der 4a der Volksschule Bregenz-Rieden sind eifrig damit beschäftigt, Sitzbänke auf die Seite zu räumen, um mehr Platz zu schaffen für besondere Aufgaben. Auf dem Stundenplan steht nämlich Improvisation. Da heißt es, ein Thema zu benennen und aus dem Stehgreif eine Erzählung daraus zu formen. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Die 18 Mädchen und Buben gehören der sogenannten „writers:class“ an. Dabei handelt es sich um ein vom Literaturhaus Vorarlberg für verschiedene Schulformen entwickeltes Modellprojekt. Seit 2022 ist auch die Volksschule Rieden dabei. An zehn Terminen pro Schuljahr werden im Rahmen des Sachunterrichts verschiedenste Bereiche bearbeitet: besondere Anekdoten aus der Geschichte des Landes, Tiere, das Sonnensystem, Literatur und eben Theater. Ziel der „writers:class“ ist nicht nur das Fördern von Sprache. „Die Kinder sollen auch Vertrauen in sich selbst aufbauen“, erklärt Klassenvorstand Mario Tobar. Zeit dafür haben sie von der ersten bis zur vierten Klasse.

Keine Angst vor Fehlern
Immer mit dabei ist jemand, der die Kinder durch den jeweiligen Inhalt führt. An diesem Tag ist es Renee Lormans vom Team des Improvisationstheaters „Paroli“. Mit umsichtiger Hand leitet sie die aufgeweckte Gruppe an. „Die Kinder sind begeisterungsfähig und stehen gerne auf der Bühne“, erzählt Lormans. Emilia stimmt zu: „Es ist eine großartige Abwechslung.“ Was sie lernen in Aufsätze gießen und auf diese Weise den Wortschatz erweitern, mutig und selbstbewusst werden, soziale Fähigkeiten entwickeln, die Angst vor Fehlern verlieren, auch über sich selbst einmal lachen können: Es sind einige Ansätze, die das Projekt „writers:class“ verfolgt.
Kleine Eselsbrücken
Die Schülerinnen und Schüler der 4a sind in ihrem Eifer kaum zu bändigen. Als Renee Lormans zwei Erzähler sucht, gehen beinahe alle Hände hoch. Die Auswahl fällt auf Ella und Leya. Die Mädchen nehmen ihre Plätze ein. Was auf die Bühne kommt, weiß noch niemand. Dann, nach einigem Überlegen soll es „Ein Tag im Wald“ werden. Die Geschichte beginnt stockend, Ella und Leya ringen immer wieder nach passenden Worten für eine Szene. Bei zu langen Hängern baut Lormans ihnen leise kleine Eselsbrücken. Mit der Zeit läuft es besser. Die Klassenkameraden müssen in die Rollen verschiedener Tiere schlüpfen. Sie tun es mit Begeisterung. Als „viele Insekten“ gefragt sind, stürmen sie auf die Bühne und improvisieren ein Flirren und Sirren. Das Ende der Geschichte markiert den Beginn einer neuen: „Horror in der Wüste“.

Die Fantasie wird lebendig. Die Kinder öffnen ihr alle Tore, jonglieren mit der eigenen Vorstellungskraft. In erster Linie arbeiten sie damit an und für sich, zum Schulschluss dürfen sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten aber auch den anderen Mitschülern präsentieren. Darauf freuen sie sich ebenso wie auf die kommenden Ferien.
