Kooperation ist eine Schlüsselressource

Verhaltensökonom Matthias Sutter und Bischof Benno Elbs im Bildungshaus Batschuns.
Zwischenwasser “Gemeinsam stark” war der Titel des Abends, an dem sich der in Hard geborene Matthias Sutter und Bischof Benno Elbs auf Einladung des “Freundesvereins Bildungshaus Batschuns” mit dem Thema Kooperation auseinandersetzten. Als Vertreter des Vereins begrüßte Johannes Schmidle die Teilnehmer:innen und ging auf den Untertitel “Warum Vertrauen und Kooperation unsere Zukunft entscheiden” ein. Beide Tugenden stünden “bei der aktuellen Weltlage unter einem schwierigen Stern”, die Debattenkultur sei vielfach abhandengekommen.
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Dass es dennoch, wie von Schmidle gewünscht, ein schöner Abend wurde, lag an den beiden Gesprächspartnern von Moderatorin Annemarie Felder. Gemeinsam sind ihnen die Zeit am Bregenzer Marianum, ein Theologiestudium und die Begeisterung für Fußball. Deshalb streckte Bildungshaus-GF Christof Abbrederis beim 1:0 beim WM-Match von Argentinien gegen Österreich einen Finger nach oben. “Das auch”, erklärte er dem Professor für Experimentelle Ökonomie und Direktor am Max-Planck-Institut in Bonn, als der es als eine Minute verbleibende Redezeit deutete.
Am Anfang seines halbstündigen Impulsreferats stellte der mit über 130 Publikationen zu den international renommiertesten Verhaltensökonomen Österreichs zählende Wissenschafter dem Publikum eine Frage: Wie sehen Sie sich auf einer Skala von eins bis zehn zwischen uneingeschränktem Vertrauen und der Angst, über den Tisch gezogen zu werden, wenn man nicht auf der Hut sei? Es stellte sich heraus, dass der Vertrauens-Wert nicht nur in Mitteleuropa mit jenseits der acht überraschend hoch ist.
Es gibt Sutter zufolge viele Studien darüber, wie man Vertrauen aufbaut, aber wenige über das Wiederherstellen zerstörten Vertrauens. “Wir vertrauen unseren Mitarbeitern so lange, bis sie uns erfolgreich das Gegenteil bewiesen haben”, berichtet er von dem in sehr vielen Lebenslagen gerechtfertigten Vertrauensvorschuss. Die meisten wissenschaftlichen Studien zeigen eine Wechselwirkung zwischen Vertrauen und Wachstum bzw. Wohlstand einer Gesellschaft.
Den Spruch “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” bezeichnete der tags darauf in Hamburg referierende Wissenschafter als “Unfug”. Allerdings brauche es Kontrollmöglichkeiten zur Verhinderung von Missbrauch des Vertrauens. Wichtig seien Hinschauen und das Geben von kontinuierlichem Feedback. Einer der größten Fehler sei “Mikromanagement”.
“Kooperation zahlt sich aus”, erklärte Sutter und riet zu einem “Vorangehen mit gutem Beispiel”. Damit lasse sich eine soziale Norm etablieren. Konkretes Beispiel: Wenn der “Spirit” in einer Mannschaft stimmt, dann laufen die Fußballer während eines Spieles mehr. Kooperation werde dann attraktiver, wenn den Beteiligten klar ist, wo es bei ihrer Tätigkeit hingehen soll. Es gehe um das Schaffen eines Zusammengehörigkeitsgefühls, etwa durch das Einbinden in wichtige Entscheidungen.
Nach dem Referat gab es einen gut fünfminütigen Austausch der Zuhörer über das Gehörte, danach leitete Felder ein fruchtbares und sehr interessantes Gespräch zwischen Sutter und Elbs. Der Bischof berichtete von der Arbeit der Diözese an einer Marke (“Wofür stehen wir?”) und von einer Regel des Heiligen Benedikt. Bei wichtigen Entscheidungen muss der Abt immer vorher auch den Jüngsten im Kloster fragen. “Darum gehe ich in die Schulen und Gefängnisse.” Laut Sutter ist die Luft in oberen Führungsetagen so dünn, dass sich dem Chef oft nur seine eigene Frau widersprechen traut. AME


















