“Der Bodensee ist ein scheinheiliges Gewässer”, sagt der Schiffsoffizier und nimmt die letzte Prüfung ab

Ohne Radar, ohne Sicht – aber mit viel Verantwortung bei Sturmfahrten. Vorarlbergs Kapitäne sind streng geschult.
BREGENZ Als die Prüfungskommission das Ergebnis bekannt gibt, fällt Stefan Fitsch ein Stein vom Herzen. “Erleichterung pur”, sagt der 34-Jährige. Mehrere Jahre Ausbildung, unzählige Fahrstunden und intensive Lernphasen liegen hinter ihm. Gemeinsam mit dem 45-jährigen Viliam Krizan hat er nun die Kapitänsprüfung auf dem Bodensee erfolgreich bestanden. Für beide beginnt damit ein neuer Abschnitt auf Vorarlbergs Fahrgastschiffen, gleichzeitig endet für einen anderen eine Ära: Der 79-jährige Kapitän Reinhard Kloser hat seine letzte Prüfung abgenommen.

Die Wege der beiden neuen Schiffsführer könnten unterschiedlicher kaum sein. Fitsch ist Quereinsteiger und kommt aus der Landschaftsgärtnerei. Gesundheitliche Probleme am Rücken haben den jungen Kapitän jedoch zu einem Neuanfang gezwungen. Über eine Stellenausschreibung kam er zur Bodenseeschifffahrt, konnte als Hafenmatrose sein Können unter Beweis stellen und sich langsam nach oben arbeiten. Im Winter hilft er in der Werkstatt, im Sommer auf den Schiffen. “So hat sich das bei mir ergeben”, erzählt er voller Freude.

Künftig wird Fitsch zunächst als begleitender Steuermann auf den großen Fahrgastschiffen “Austria” und “Vorarlberg” eingesetzt. Parallel dazu erfolgen weitere Einschulungen auf kleineren Schiffen. Besonders herausfordernd sei während der Ausbildung das Fahren bei Sturm gewesen. “Viele Menschen können sich gar nicht vorstellen, welche Kräfte dabei wirken”, sagt er. Gerade bei schwierigen Wetterlagen zeige sich, wie wichtig Erfahrung und Können seien.
Schon als Kind vom Wasser begeistert
Auch Viliam Krizanz verbindet seit seiner Kindheit eine besondere Beziehung zum Wasser. Der leidenschaftliche Segler arbeitete ursprünglich als Schlosser, bevor er den Wechsel zur Schifffahrt wagte. Die größte Hürde war für ihn jedoch nicht das Steuern der Schiffe, sondern die Sprache. Der gebürtige Slowake absolvierte die anspruchsvolle Ausbildung auf Deutsch. “Mit 45 Jahren noch einmal zu lernen und Prüfungen abzulegen, war nicht einfach”, sagt er rückblickend.
Besonders in Erinnerung bleibt ihm eine Prüfungsfahrt unter erschwerten Bedingungen. Dabei wurden die Sichtverhältnisse simuliert, als herrsche dichter Nebel oder völlige Dunkelheit. Ausschließlich anhand von Kompasskursen, Zeitvorgaben und nautischen Berechnungen musste das Schiff sicher navigiert werden. “Am Ende genau dort anzukommen, wo man sein soll, war eine große Herausforderung”, erzählt Krizanz.
Ein strenger Prüfer im Hintergrund
Dass traditionelle Seemannschaft noch immer eine zentrale Rolle spielt, dafür steht der Prüfer Reinhard Kloser. Der langjährige Kapitän und technische Schiffsoffizier gilt in der Branche als anspruchsvoller Prüfer und Pionier. Für ihn müssen Schiffsführer ihr Handwerk auch dann beherrschen, wenn moderne Technik versagt.

“Wenn Radar, elektronische Seekarten oder andere Systeme ausfallen, muss ein Kapitän trotzdem wissen, wo er ist und wie er sicher fährt”, betont Kloser. Kandidaten mussten nachweisen, dass sie ein Schiff auch ohne elektronische Hilfsmittel sicher navigieren können.
Nach Jahrzehnten auf dem Wasser und zahlreichen abgenommenen Prüfungen war das nun seine letzte. Große Wehmut verspüre er dabei nicht. “Das war für mich die blanke Erleichterung”, sagt der 79-Jährige. Die Verantwortung gehe nun an Hans Wüstner über, den Kloser als geeigneten Nachfolger sieht.
Trotz aller technischen Entwicklungen bleibt für ihn eines unverändert: der Respekt vor dem Bodensee. “Der Bodensee ist ein scheinheiliges Wasser”, sagt Kloser. Innerhalb weniger Minuten könne sich das Wetter dramatisch verändern.