Wie Landwirte der Glutofenhitze die Stirn bieten

Außergewöhnliche Umstände veranlassen Gemüsebauer Simon Vetter zu außergewöhnlichen Maßnahmen.
Lustenau Am Vetterhof zwischen Dornbirn und Lustenau gegen 11 Uhr Vormittag. Gnadenlos schrammt sich die Quecksilbersäule Richtung 30-Grad-Marke. Ein leichter Wind verscheucht das Hitzegefühl immer wieder für Sekunden. Der Abstecher in den kühlen Pausenraum kommt dennoch sehr gelegen. Dort lässt es sich für Hofbesitzer Simon Vetter (42) auch etwas angenehmer über die Hitze reflektieren. “Die Hitze ist schon eine Herausforderung. Vielen Kulturen wird es derzeit zu heiß. Da heißt es, zur richtigen Zeit die richtigen Maßnahmen setzen”, erklärt Vetter.

Salat braucht Kühlung
Eine dieser Maßnahmen betrifft das Gewächshaus. Dort sind laut Vetter vor allem die Paprika sehr empfindlich. Auf dem Dach hat er deswegen weiße Schattierfarbe aufgetragen, um die UV-Strahlen zu minimieren. Im Gewächshaus selbst wird die Arbeit für den Menschen bei gefühlten 50 Grad zur Tortur. Dort kann schließlich kein überdachter und klimatisierter Traktor zum Einsatz kommen. “Der Salat leidet auch extrem unter der Hitze. Den netzen wir derzeit auch am Tag, um ihn abzukühlen”, erzählt der Landwirt, der auf zwölf Hektar im Freiland Gemüse anbaut und auf einem halben Hektar in den Gewächshäusern.

Flexibilität gefragt
Gefragt ist am Hof und in dessen Umland derzeit vor allem Flexibilität. Arbeiten werden, so gut es geht, auf den Vormittag verlegt. Der Nachmittag wird zur Mutprobe. Froh ist Vetter an Tagen und in Wochen wie diesen über sein System zum Sammeln von Regenwasser. “Wir können 250.000 Liter speichern.” Die Bewässerungsanlagen auf den großen Anbauflächen sind dennoch unverzichtbar. “Man muss sich ja vorstellen, dass es das früher gar nicht gab. Mein Vater hatte jedenfalls keine.” Vetter erhält derzeit zahlreiche Anrufe von Berufskollegen, die von ihm bezüglich Bewässerungsanlagen Tipps wollen.”

Hitzeschutzweste
Die neueste Waffe im Kampf Hitze gegen Mensch hält Simon Vetter in den Händen. Es ist eine Hitzeschutzweste. “Ich probiere diese heute zum ersten Mal. Du musst sie nass machen und dann anziehen. Mal sehen, was sie bringt.”
Sehr wohl weiß Vetter, was ihm die große Photovoltaikanlage am Scheunendach bringt. “Die liefert mir die Energie für die Kühlräume.” Ein weiteres nicht verschmähtes Nebenprodukt der Hitze am Vetterhof sind die Wassermelonen, die prächtig gedeihen. “Wer hätte gedacht, dass es so etwas bei uns einmal gibt. Ich würde aber lieber darauf verzichten und müsste mich dafür nicht mit dem Klimawandel herumschlagen.”


Weniger Milch
Unter der Hitze leiden weiter oben auch die Älpler und das liebe Vieh. “Die Tiere suchen derzeit jeden Flecken Schatten und sind natürlich sehr durstig”, berichtet Christoph Freuis (47). Bewährt habe sich die verbesserte Wasserversorgung für Alpen als Folge mehrerer trockener Sommer in der jüngsten Vergangenheit. Die Hitze geht an den Tieren dennoch nicht spurlos vorüber. “Sie suchen jeden Schatten, den sie finden können. Eine verminderte Milchleistung könnte dennoch die Folge sein”, meint Freuis.

Hitzegerechtes Vorgehen wird auch den Gartenbesitzern geraten. Vor allem beim Rasen gilt: “Nicht zu tief mähen”, gibt Gärtnermeister Reinhard Brunner (58) die Devise aus. Begründung: “Wenn man zu tief mäht, wird das Gras braun. Es wöchentlich einmal zu mähen, empfiehlt sich trotzdem.” Ausreichende Bewässerung der Pflanzen ist bei dieser heißen Trockenheit natürlich auch geboten. “Besonders Jungpflanzen, die noch nicht tief verwurzelt sind, brauchen derzeit ausreichend viel Wasser”, sagt Brunner.