Die Leute bleiben stehen und schauen: Dieses Boot ist die aktuelle Attraktion im Bregenzer Hafen

Dominik Weinzierl und Wernfried Fäßler haben einen Arbeitsplatz der anderen Art.
Bregenz “Die Leute machen oft Fotos von uns”, schreit Dominik Weinzierl (34), damit man ihn trotz des lauten Dieselmotors vom Mähboot verstehen kann. Während er unter einer Markise am Steuer steht, ist sein Kollege Wernfried Fäßler (60) unter der prallen Sonne dafür zuständig, das gemähte Seegras mit einer Gabel auf einen Haufen zu werfen. “Weil ich kein Schiffsführerpatent habe, muss ich immer diesen Teil der Arbeit machen”, erklärt der Sulzberger. Mit der sogenannten “Seekuh” befreien die beiden das Wasser von Seegras und schaffen so freie Bahnen für Schiffe und Schwimmer.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
So funktioniert’s
Weinzierl fährt mit der neun Tonnen schweren Seekuh durch das Hafenareal in Bregenz. Beim Mähen bewegt sie sich mit rund zwei Kilometern pro Stunde vorwärts. Wie beim Rasenmähen sieht man die genauen Spuren, die er bereits abgefahren ist. Das ist aber nicht immer so, zum Beispiel wenn das Wasser trüb ist.


Der Fußacher zeigt auf einen Bildschirm neben den verschiedenen Steuerhebeln und erklärt, dass es seit zwei Jahren eine GPS-Karte gibt. Diese zeigt an, wo er bereits gefahren ist. Außerdem gibt sie noch viele weitere Dinge wie die Seetiefe an. Die Seekuh entfernt vor allem Seegras, aber auch andere Wasserpflanzen wie Algen bis in zwei Meter Tiefe.

Während am vorderen Teil des Schiffes das Schneidwerk die Wasserpflanzen mäht, laufen sie über ein Förderband an Bord. Dort gabelt Fäßler sie mit einer Heugabel nach hinten. Ist das Deck voll, wird ein Kollege verständigt, der die Wasserpflanzen mit einem Lastwagen abtransportiert.

“Er muss circa drei- bis fünfmal am Tag kommen”, schildert Weinzierl. “Es kann aber auch passieren, dass wir ihn nur einmal brauchen. Bei der Mili gibt es zum Beispiel nur ein paar Halme zu mähen. Da braucht es sehr lange, bis wir voll werden.” Generell ist die Seekuh in Bregenz, Lochau, Hard, Fußach und im deutschen Langenargen unterwegs. Nächste Woche steht Hard auf dem Plan.

Im Gegensatz zum Bereich bei der Mili füllt sich die Seekuh im Bregenzer Hafen deutlich schneller. Gewässerpfleger Günter Fäßler steuert das Mähboot an die Ufermauer beim Fußgängerweg. Dort wartet bereits ein Lastwagen, der die Wasserpflanzen mit einem Greifarm von dem Boot hebt. Auch dieser Arbeitsschritt zieht einige Schaulustige an, die das Geschehen beobachten und Fotos machen. Am Ende des Prozesses werden die Wasserpflanzen kompostiert.

Sommereinsatz
Der aktuellen Hitze entgehen Weinzierl und Fäßler teilweise durch die Sommerarbeitszeit. “Wir können um 14:15 Uhr Feierabend machen – so ist es halbwegs erträglich”, meint Fäßler. Die zehn Meter lange Seekuh des Landesflussbauhofes Lustenau ist von Juni bis Ende August am Mähen und kommt auf lediglich 150 bis 200 Einsatzstunden pro Jahr.


Die beiden Gewässerpfleger sind Teil eines 30-köpfigen Teams des Landesflussbauhofes Lustenau, das zur Abteilung Wasserwirtschaft des Landes gehört. “Wir sind noch für viele andere Dinge zuständig”, erklärt Leiter Peter Buschta. “Zum Beispiel für Renaturierungen, die Neophytenbekämpfung und die Instandhaltung der Seezeichen.”
