Für dieses Herzensprojekt kommt Reinhold Messner extra nach Vorarlberg

Reinhold Messner unterstützt eine Vorarlberger Einrichtung, von der viele Vorarlberger vermutlich noch nicht einmal gehört haben.
Mittelberg Im hintersten Eck des Kleinwalsertals steht das gemeinnützige Bildungszentrum Baad von Outward Bound Germany & Austria. Speziell Schüler, Lehrlinge und Studierende lernen hier, durch Erfahrungen und Herausforderungen in der Natur über sich hinauszuwachsen. Kaum jemand könnte diesen Leitgedanken besser verkörpern als Reinhold Messner (81). Die Bergsteigerlegende nahm für das 70-jährige Jubiläum der Einrichtung den Weg aus Südtirol auf sich, um diese Bildungsbewegung zu unterstützen.
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Mehr Vorarlberger erwünscht
Outward Bound (englisch für „zum Ablegen bereit“) ist eine internationale erlebnispädagogische Bildungseinrichtung. Der Standort in Baad ist der einzige in ganz Österreich. Hier werden viele verschiedene Aktivitäten in der Natur angeboten: von Klettern, Gipfeltouren und Schlafen unter freiem Himmel bis hin zu Alpinskifahren und Schneehöhlenbau im Winter. Dabei geht es vor allem um die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen.


Es kommen überwiegend deutsche Gruppen. Doch Geschäftsführerin Christine Mangold würde sich freuen, wenn mehr Vorarlberger Bildungseinrichtungen vertreten wären. „Einmal ist eine Vorarlberger Klasse, anstatt über Deutschland hierher zu fahren, sogar über den Pass gewandert“, erzählt sie.

Herzensangelegenheit
Zum Jubiläum des Bildungszentrums Baad fand die 14-tägige „Outward Bound & Reinhold Messner Alpenchallenge“ statt. Zehn Jugendliche machten dabei unter anderem eine Expedition von Schwangau nach Baad. „Ich habe gelernt, dass ich mein Handy nicht immer brauche“, sagt Yannick Uher (15) von der Real- und Mittelschule Riezlern.
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„Das Handy entwurzelt, und je mehr Digitalisierung es gibt, desto mehr Natur braucht es“, betont Mangold. Auch Messner ist davon überzeugt, dass das Handy zu einer gefährlichen Abhängigkeit werden kann und Jugendliche lernen müssen, eine Zeit lang auch ohne auszukommen.

Der Abenteurer war am Freitag zum Abschluss der Alpenchallenge mit den Jugendlichen wandern und tauschte sich mit ihnen über ihre Erfahrungen aus. Dem Aktivsein und der späteren Auseinandersetzung damit durch das Erzählen misst er großen Wert bei. Auch seine Frau Diane Messner war bei diesen Programmpunkten dabei. „Es war besonders schön, die Selbstreflexion der Jugendlichen zu sehen“, erzählt sie.

Bei der Jubiläumsfeier am Samstag hielt der Extrembergsteiger dann einen Vortrag vor 270 Gästen. Den gesamten Einsatz in Baad leistete Messner unentgeltlich. Denn Kinder und Jugendliche zu stärken, liegt ihm und seiner Frau am Herzen. „Es ist mehr ihr Projekt als meines“, wirft er ein. „Diane ist die treibende Kraft dahinter.“

Die beiden sind nicht nur Paten des Alpenchallenge-Programms, sondern auch des Schüleraustauschprojekts „Ruhr Natur“. Außerdem werden über die Reinhold Messner Stiftung Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche gefördert. So wurden zum Beispiel Bergschulen in Pakistan errichtet. „Schlussendlich wird Diane die Stiftung übernehmen, also nach meinem Tod nicht nur mein geistiges Erbe, sondern auch die sozialen Projekte weiterführen“, schildert der Autor, der im Herbst ein neues Buch veröffentlichen wird.
„Es war schon das zweite Mal, dass Reinhold Messner Outward Bound Germany & Austria unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Mangold. Auch sie bezeichnet die naturnahe Bildungsarbeit mit Jugendlichen als Herzensangelegenheit. Darüber hinaus ist die Bedeutung der Nachhaltigkeit etwas, das das Bildungszentrum Baad mit Reinhold und Diane Messner verbindet. „Aber nur, wer die Natur wirklich erlebt hat, ist auch bereit, sie zu schützen“, merkt Mangold an.

Auf der Suche nach Unterstützern
Als gemeinnützige Organisation finanziert sich Outward Bound ausschließlich über Teilnehmerbeiträge. Zukünftig wolle man die Bildungsarbeit stärker über Spenden und Fördermittel finanzieren. Dafür hofft man, weitere Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen.