Im tödlichen Sog: Erschütternde Details einer unfassbaren Tragödie

Am Sonntagabend kam es in der Ill in Bludenz zu einem Badeunfall mit drei Todesopfern, unter ihnen ein zehnjähriges Kind. Daniel Plaichner war Leiter des dramatischen Einsatzes der Wasserrettung. Vor Ort schildert er die folgenschweren Ereignisse.
Bludenz Die Alarmierung über die Pager erreichte die Einsatzkräfte am Sonntag gegen 17:30 Uhr. “Zunächst war von einem Kind in der Ill die Rede. Doch welchen dramatischen und schrecklichen Ausgang dies alles schließlich haben sollte, war uns zu Beginn nicht bewusst”, schildert Daniel Plaichner (38,) Landesleiter der Vorarlberger Wasserrettung und mit der Führung des Einsatzes betraut, den VN vor Ort.
Die Kette folgenschwerer Ereignisse nahm unterhalb des Wasserfalls auf Höhe des Unteren Illrains ihren Lauf. Ein 40-jähriger Mann hatte sich dort gemeinsam mit seinem 10-jährigen Sohn, einem 22-jährigen Bekannten und seinem Schwiegervater zum Schwimmen am Fluss aufgehalten. Während sich der 40-Jährige bereits im Wasser unterhalb des Wasserfalls in der Nähe der Wasserwalze befand, stand der Bub an der Kante dieser Walze. Von dort aus sprangen der 10-Jährige und der 22-Jährige gemeinsam in die Ill.
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Ahnungslos wurden alle drei zu Opfern verhängnisvoller Kräfte. Denn aufgrund der starken Strömungs- und Sogkräfte der Wasserwalze wurden alle drei Personen unter Wasser gedrückt und tauchten nicht mehr auf. Plaichner über die Tücke dieser Stelle: “Sie sieht eigentlich unscheinbar aus. Doch durch den Wasserfall hat sich der Untergrund auf eine Tiefe von zweieinhalb Metern ausgehöhlt. Also man kann hier nicht mehr stehen. Es bildet sich eine große Walze mit einem recht langen Rücklauf. Und wenn man in diesen hineingerät, ist es sehr schwierig, hier wieder herauszukommen, speziell natürlich für Kinder.”
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Vergebliche Reanimationsversuche
Der Schwiegervater, der den Vorfall vom Ufer aus bemerkt hatte, sprang ins Wasser, konnte seinen Schwiegersohn ergreifen und ans rechte Flussufer ziehen. Anschließend setzte er die Suche nach den beiden Vermissten fort. Der 22-Jährige wurde von einem Ersthelfer lokalisiert und ans linke Flussufer gezogen, wo unverzüglich mit Reanimationsmaßnahmen begonnen wurde. Doch zu spät. Der junge Mann starb noch vor Ort.
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Der 10-jährige Bub konnte erst rund 300 Meter flussabwärts von einer Passantin treibend entdeckt und anschließend unter einer Brücke gemeinsam mit zwei weiteren Helfern aus dem Wasser geborgen werden. Auch hier wurden bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Reanimationsmaßnahmen durchgeführt.

Das Kind wurde mit dem Hubschrauber zum Landeskrankenhaus Feldkirch geflogen, wo es im Laufe des Abends seinen Verletzungen erlag. Dasselbe Schicksal erlitt sein 40-jähriger Vater. Auch er überlebte die Folgen des Unfalls nicht.

“Ein sehr gefährliches Gewässer”
Wasserrettungs-Chef Plaichner ist sich des Risikopotenzials, das die Ill in sich trägt, durchaus bewusst. “Es ist ein sehr gefährliches Gewässer und zum Baden nicht geeignet. Es kann hier relativ schnell zu Unfällen kommen, wir werden regelmäßig zu Einsätzen in der Ill gerufen”, betont er. Und das wegen mehrerer Faktoren: “Zum einen hängt der Wasserstand sehr stark vom Kraftwerksbetrieb ab, auch durch den Regen kann der Fluss ohne Vorwarnung sehr rasch ansteigen”, so der Landesleiter.
Zu wenig Warnhinweise?
Doch ein Ereignis von einer solch schrecklichen Tragweite wie jenes vom Sonntagabend ist Plaichner nicht in Erinnerung. Zumindest nicht rückblickend auf die vergangenen Jahre und nicht an der Ill. So stellt sich doch die Frage, ob auf die Gefährlichkeit dieses Flusses auch ausreichend hingewiesen wird.
Dazu der leitende Wasserretter: “An der Ill selbst sind sehr viele Hinweise angebracht, doch an dieser betreffenden Stelle nicht. Daher müsste man schon sagen, dass es aus dem Sicherheitsgedanken Sinn machen würde, auch hier ein Gefahrenschild aufzustellen.”