Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn

VN / 29.06.2026 • 08:00 Uhr
Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Elisabeth Ritter von der inatura Dornbirn mit einem Nest der deutschen Wespe. VN/PFE

Wespen und Hornissen sind wieder vermehrt zu sehen. Doch mit dem richtigen Wissen ist die Angst vor den Tieren unbegründet.

Von Mona Pfefferkorn

Dornbirn Wer derzeit im Garten sitzt, merkt es schnell: Es summt und brummt im Ländle wieder vermehrt. Nach dem nasskalten Vorjahr sorgt das aktuell trockene und warme Wetter für einen spürbaren Aufschwung bei den Wespen- und Hornissenvölkern.

“Das warme Wetter ist optimal für die Königinnen und das Wachstum der Völker”, erklärt Elisabeth Ritter, Expertin bei der inatura in Dornbirn. Im Juni fallen den Menschen vor allem die suchenden Königinnen auf, die verschiedene Nistplätze auskundschaften. Die eigentliche Masse an Wespen taucht dann im Spätsommer auf, wenn die Völker ihre volle Größe erreicht haben. Doch bei der inatura beruhigt man: In den allermeisten Fällen ist ein friedliches Nebeneinander absolut möglich.

Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Die friedlichen Feldwespen bei ihrem Nest. PRIVAT

Mythos Hornisse: großer Körper, friedliches Wesen

Besonders Hornissen flößen Angst ein, doch das Märchen von den tödlichen Stichen stimmt nicht. Ihr Gift ist genauso gefährlich wie das einer Wespe, der Stich schmerzt wegen des längeren Stachels bloß mehr. Hornissen sind friedliebend und im Garten unverzichtbar: Ein Volk vertilgt täglich Unmengen an forst- und landwirtschaftlichen Schädlingen. Da sie rund um die Uhr aktiv sind, fangen sie auch nachts Mücken und Falter. Verirrt sich ein Tier ins Zimmer, hilft ein Trick: “Licht kurz ausschalten, dann finden sie von alleine wieder hinaus”, so Ritter.

Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Die europäischen Hornissen sind sehr friedliebend. Privat/Armin Furlan

Zwei Arten ruinieren den Ruf

Von den zwölf sozialen Wespenarten werden nur zwei lästig: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Nur sie werden von unserem Essen angezogen. Andere Arten wie Feldwespen jagen Fliegen oder Spinnen und lassen uns völlig in Ruhe. “Die interessieren sich überhaupt nicht für uns”, betont Ritter. Dennoch sind alle Arten im Ökosystem unersetzlich: Sie vernichten Schädlinge, bestäuben Pflanzen und dienen Vögeln als Nahrungsquelle.

Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Die friedliche Feldwespe interessiert sich nicht für uns Menschen. Privat/Richard Rüscher

Die neue asiatische Hornisse

Für Aufsehen sorgt derzeit ein ganz besonderer Fund: In Lustenau wurde das erste Nest der Asiatischen Hornisse in ganz Österreich entdeckt. Die Art unterscheidet sich optisch deutlich von der heimischen Hornisse: Sie ist etwas kleiner, hat eine komplett schwarze Brust und charakteristische gelbe Beinspitzen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Für den Menschen ist sie nicht gefährlicher als die heimische Verwandte. Allerdings stellt sie ein Problem für das ökologische Gleichgewicht dar: Sie bildet riesige Völker mit bis zu 2000 Tieren und jagt im großen Stil unsere Honigbienen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Nur in Nestnähe aggressiv

Grundsätzlich sind die Tiere friedlich. Angriffslustig werden sie nur bei Bedrohung des Nestes. Wer eines im Garten hat, sollte zwei Meter Distanz halten. Besonders sensibel reagieren sie auf Erschütterungen. Auch hektisches Schlagen oder Anpusten provoziert Stiche. “Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt für die Tiere als Alarmsignal”, warnt Ritter vor falschen Reaktionen.

Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Ein Hornissennest (links) neben einem Wespennest. VN/PFE

Schutz statt Vernichtung

Grundsätzlich hilft einfaches Verhalten: Speisen abdecken, Reste wegräumen und bei Parfüm vorsichtig sein. Eine Ablenkungsfütterung in einigen Metern Entfernung kann funktionieren. Absolut tabu sind klebrige Saft- oder Bierfallen: “Die Tiere sterben darin qualvoll, und es werden massenhaft andere, nützliche Insekten getötet”, so Ritter.

Quälgeister im Sommer: Wespen und Hornissen als selten willkommene Nachbarn
Der Beginn des Baus eines Wespennests. VN/PFE

Laut der Vorarlberger Naturschutzverordnung sind alle Wespenarten streng geschützt. Nur bei akuter Bedrohung darf ein Profi ein Nest entfernen. Die inatura selbst führt keine Bekämpfungen durch, bietet aber eine Foto-Beratung per Mail oder WhatsApp an. “Oft endet der Zyklus harmloser Arten schon im Hochsommer, ein Abtöten ist dann völlig unnötig”, betont Ritter. Mit etwas Gelassenheit und Respekt steht einem entspannten Sommer im Ländle also nichts im Weg.