Der “Superapfel” spaltet die Obstbauern am Bodensee

VN / 30.06.2026 • 11:42 Uhr
Der "Superapfel" spaltet die Obstbauern am Bodensee
Trockenheit, Starkregen und Hitze setzen auch die Obstbauern zunehmend unter Druck.

In Vorarlberg setzt man auf eine andere Sorte als in Deutschland.

Höchst, Ravensburg Ist er der aufgehende Stern am Apfelhimmel? In den deutschen Medien wird der Bodensee-Apfel “Mammut” bereits als “Superapfel” gefeiert. Rund 80.000 Bäume wurden inzwischen gepflanzt, im Herbst soll die erste größere Ernte eingefahren werden. In Vorarlberg teilt man diese Euphorie nicht ganz. Die heimischen Obstbauern wie Jens Blum setzen stattdessen auf eine andere Sorte. „Wir haben schon die Nachfolgegeneration, den ,29er’ beziehungsweise ,Bloss’. Ich finde den besser als den ,Mammut’“, sagt der Obmann der Vorarlberger Obstbauern.

Apfelernte
Die Äpfel müssen nicht nur gut aussehen, sie müssen den Konsumenten auch schmecken.

Klar ist: Lang anhaltende Trockenperioden, sintflutartige Regenfälle und Hitze nehmen zu. Darauf müssen sich auch die Obstbauern einstellen. Gefragt sind daher robuste Sorten, die mit den Folgen des Klimawandels sowie mit Krankheiten und Schädlingen besser klarkommen.

Der "Superapfel" spaltet die Obstbauern am Bodensee
Die Apfelernte aus dem Vorjahr ist so gut wie ausverkauft. VN

Am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) unweit von Ravensburg werden neue Züchtungen unter Praxisbedingungen getestet, unter anderem auf Anlagen in Kressbronn und Frickingen. Am Ende entscheidet jedoch nicht nur die Widerstandskraft über den Erfolg. Die Äpfel müssen den Konsumenten auch schmecken. Derzeit wachsen in den Versuchsplantagen rund 30 robuste Apfelsorten. Die Sorte „Mammut“ hat nach gut zehn Jahren den Sprung in die Praxis geschafft. „Die Deutschen sind da schon länger dran. Jetzt, wo sie eine nennenswerte Menge haben, bewerben sie den ,Mammut‘ verstärkt. Es kann auch sein, dass bald wieder eine andere Sorte kommt“, mutmaßt Jens Blum.

Der "Superapfel" spaltet die Obstbauern am Bodensee
Für den Vorarlberger Obstbauern-Obmann Jens Blum steht fest: „Den ‚Mammut‘ pflanze ich nicht an, weil ich den 29er habe.“

Um nicht zu viele neue Sortennamen einführen zu müssen, wird der vermeintliche Superapfel unter der Dachmarke “Fairdi” vermarktet. Insgesamt sollen drei bis vier Sorten darunter vereint werden.

Der Lieblingsapfel der Vorarlberger ist nach wie vor der Elstar, dahinter folgen Topas, Boskoop und Jonagold. Doch das könnte sich bald ändern. Der 29er ist laut Beschreibung aromatisch, saftig, knackig und lange lagerfähig. Die Bezeichnung leitet sich von der Zuchtnummer WUR029 ab, wobei WUR für die Uni Wageningen in den Niederlanden steht. Mittlerweile ist er auch unter dem Namen „Bloss“ bekannt.

Der "Superapfel" spaltet die Obstbauern am Bodensee
Der Mammut wird unter der Dachmarke “Fairdi” vermarktet.

Auch auf der deutschen Bodenseeseite werde der 29er inzwischen gepflanzt. „Aber da haben sie noch nicht so viele, um dafür Werbung zu machen“, ergänzt der Obstbauern-Obmann. Für ihn steht derweil fest: „Den ‚Mammut‘ pflanze ich nicht an, weil ich den 29er habe.“ Wer ihn probieren möchte, muss sich aber wohl noch bis Herbst gedulden. Am Wiesenhof von Blum ist der 29er aus der Ernte des vergangenen Jahres, wie die meisten anderen Sorten, jedenfalls bereits ausverkauft: „Ab nächster Woche wird Schluss sein. Die neue Ernte kommt erst. Den 29er gibt es Ende September wieder.”