“Am Anfang wusste ich nicht, was ich sagen soll” – Jugendliche und Bewohner der Lebenshilfe arbeiten im Projekt zusammen

Jugendliche verbringen einen Tag mit Menschen der Lebenshilfe und merken, wie schnell aus Unsicherheit Spaß wird. Das Projekt “MACHWAS-TAGE” bringt Inklusion in den Alltag.
Hohenems “Ich mag es, wenn ich Menschen mein Leben zeigen kann”, schwärmt William Altenburger aus Bürs. Der junge Mitbewohner der Lebenshilfe Vorarlberg freut sich über einen gelungenen Projekttag und betont, dass er gerne neue Leute kennenlernt. Schnell nimmt er Platz neben den Schülerinnen der HLW Feldkirch, und schon ist das Eis gebrochen. Bei den MACHWAS-TAGEN, an denen heuer rund 1300 Jugendliche in ganz Vorarlberg teilnehmen, steht freiwilliges Engagement im Mittelpunkt. Die Begeisterung ist spürbar.

Gemeinsam Beeren pflücken macht Spaß


Die Schülerinnen der HLW Feldkirch stehen zunächst etwas vorsichtig zwischen den Beerensträuchern. Anfangs wird gemeinsam gepflückt, später “Mensch ärgere dich nicht” gespielt. Während Alexander Rigg (53) den Schülerinnen zeigt, wo die reifen Beeren wachsen, entstehen die ersten Gespräche ganz nebenbei. Es geht um den Alltag in der Schule, Ferienplanung und um Lieblingsspiele, nicht zuletzt aber darum, wer heute den volleren Kübel trägt.

Inklusive Arbeit gehört zum Leben
“Ich hatte keine Berührungsängste”, sagt Sarah Aberer aus Lustenau. Dieses Projekt sei für sie ein großer Gewinn. Trotzdem sei es etwas anderes, einen ganzen Vormittag gemeinsam mit Menschen mit Behinderung zu verbringen, als nur darüber zu sprechen. Solche Erfahrungen könnten später auch im Berufsleben wichtig werden. “Ich finde es wichtig zu erleben, wie selbstverständlich das Miteinander funktioniert”, fügt Sarah abschließend hinzu.

Auch ihre Klassenkollegin Anina Burger (16) sieht den Tag als wertvolle Erfahrung. Besonders gefallen habe ihr das gemeinsame Spielen. “Wir spielen gerade ‚Mensch ärgere dich nicht‘. Das macht Spaß, und man lernt den Charakter der Menschen kennen.” Sie selbst nehme vor allem mit, wie unkompliziert das Miteinander sei. “Ich habe heute dazugelernt, wie man mit Menschen arbeitet, die eine Beeinträchtigung haben. Das finde ich sehr schön.”
Projekt “MACHWASTAGE” baut Hürden ab
Claudia Moritsch von der Lebenshilfe beobachtet diesen Moment immer wieder. Die größte Hürde sei selten die gemeinsame Arbeit, sondern die Unsicherheit davor. Sobald miteinander gesprochen, gespielt oder gearbeitet werde, verschwinde die Distanz fast von selbst. “Ab und zu dauert es nur ein paar Minuten, und dann sind wir mitten in der Zusammenarbeit”, sagt die Projektleiterin. Claudia Moritsch arbeitet seit zehn Jahren für die die Lebenshilfe Vorarlberg und begleitet den Projekttag. „Für uns ist wichtig, dass junge Menschen unsere Arbeit kennenlernen”, so Mortisch.

“Bei den MACHWAS-Tagen geht es darum, dass Jugendliche Anknüpfungspunkte zu Vereinen und Organisationen bekommen und freiwilliges Engagement kennenlernen”, erklärt Andrea Gollob, Projektmitarbeiterin beim aha und Mitorganisatorin der MACHWAS-TAGE. Gleichzeitig würden die Jugendlichen mögliche Berufsfelder entdecken und Kompetenzen erwerben, die im Unterricht kaum vermittelt werden könnten. “Uns ist wichtig, dass außerschulisches Lernen stattfindet und Barrieren durch gemeinsame Projekte abgebaut werden.”
