Blutige Welsattacke im Alten Rhein: “Er kam wie aus dem Nichts”

49-jährige Schweizerin zog sich nach Angriff des Raubfischs eine blutende Beinverletzung zu.
Lustenau Noch vor einer Woche berichteten die VN über eine Gruppe von Welsen im Harder FKK-Areal am Bodensee. Diese zeigten bis dato keinerlei aggressives Verhalten, üben auf die Badegäste sogar eine besondere Faszination aus.
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Einige Tage später und ein paar Kilometer weiter südlich ist von einer friedlichen Begegnung mit Welsen keine Rede mehr. Davon kann die 49-jährige Heerbruggerin Isabel Tedesco ein bitteres Lied singen. Am Gehweg des Alten Rheins bei Lustenau schiebt die 49-Jährige langsam ihr Fahrrad vor sich hin. Sofort fällt dabei ihr blutendes rechtes Bein auf. “Ich kann noch nicht richtig glauben, was mir soeben passiert ist”, fängt sie mit ihrer Erzählung an.

In eine Röhre mit Stacheln
Wie so oft schon im Sommer war sie von Heerbrugg an den Alten Rhein nach Lustenau geradelt. Im Gepäck ihre Aqua Fit-Ausrüstung. “Ich schwimme also hinaus und beginne mit den Gymnastikübungen. Dabei befinde ich mich senkrecht im Wasser, mache meine veloartigen Bewegungen und werde durch einen Schwimmgurt an der Oberfläche gehalten. Da spüre ich urplötzlich ein schmerzhaftes Ziehen an meinem Bein. So, als sei ich in eine Röhre mit lauter Stacheln geraten. Ich bemerke, dass ich im Maul eines großen Fischs stecke. So schnell es geht, ziehe ich das Bein heraus.”

Das Ganze bleibt für Isabel Tedesco nicht ohne Folgen. Schnell beginnt es aus zahlreichen kleinen Ritzen zu bluten, ohne dass eine einzelne tiefe Fleischwunde entstanden wäre.
Abstand gewinnen
So richtig scheint die Schweizerin noch nicht zu begreifen, was ihr soeben passiert ist. “Dieser Fisch kam wie aus dem Nichts”, schüttelt sie ungläubig den Kopf. “Ich komme dreimal die Woche hierher, mache meine Übungen im Wasser und radle wieder zurück nach Heerbrugg. Einfach unglaublich, was da geschehen ist. Ich bin in Panik ans Ufer zurückgeschwommen.”
Das Angebot eines Transports zu einem diensthabenden Arzt im Raum Lustenau lehnt Tedesco ab. “Ich wasch’ das zu Hause ab. So schlimm ist es ja nicht.” Schlimm sind für die Heerbruggerin die psychischen Folgen. “Ich weiß nicht, wann und ob ich hier wieder herkomme. Ich bin froh, dass ich mit der Familie erst mal auf Urlaub in die Toskana fahre. Da gewinne ich Abstand. Den brauche ich auch.”
Erst das Bein, dann die Ferse
Überrascht reagierte Nikolaus Schotzko (59), Fischereibeauftragter des Landes Vorarlberg, auf die Geschehnisse am Alten Rhein. “Ich hab’ mir die Bilder von den Verletzungen angeschaut. Die sind wirklich beeindruckend. Das Muster der Wunden mit den Ritzen spricht für einen Wels”, betont der Experte. Und: “Der Wels muss zwei Mal zugebissen haben. Zuerst hat er das ganze Bein erwischt, danach die Ferse. Offensichtlich hat sich die Dame nach dem ersten Biss nicht schnell genug aus dem Gefahrenbereich entfernt.”

Eine mögliche Erklärung für das aggressive Verhalten des Welses: “Er hat dort ein Gelege verteidigt und wollte seine territoriale Oberhoheit behaupten, die er durch die Bewegungen in Gefahr sah.” Dass die Frau senkrecht im Wasser die Beine bewegte, könne den Fisch speziell zum Angriff verleitet haben. Während der Laichzeiten seien Welse sehr aktiv, erklärt Schotzko. “Ein paar Wochen später wäre das wohl nicht mehr passiert.”
Auch die warmen Temperaturen hätten laut Schotzko erhöhte Aktivitäten bei Welsen zur Folge. Dass man die Bevölkerung auf die besonderen Umstände in dieser sensiblen Zeit aufmerksam macht, fände der Fischereibeauftragte nicht verkehrt.