Frieda hat die flinken Finger im Blut

15-jährige BWS-Schülerin aus Krumbach ist Österreichs schnellste “Maschinschreiberin”
Krumbach Generationen von Absolventen kaufmännischer Schulen nahmen im damaligen Fach “Maschinschreiben” an Wettbewerben teil. Die schnellsten Tipperinnen oder Tipper durften dann sogar zur WM fahren.

Nostalgie zu neuem Leben erweckt
Das Computerzeitalter hat die Schreibmaschinen – und damit die Wettbewerbe – ins Museum verbannt. Zunächst gab es noch Wettbewerbe im Unterrichtsfach Textverarbeitung – auf “schreibmaschinenähnlichen” Tastaturen. Dann war viele Jahre nichts mehr. Jetzt erweckte die Oesterreichische Computer Gesellschaft (OCG) mit ihrem Typing-Wettbewerb die “Maschinschreib-Nostalgie” zu neuem Leben und hat in einem Online-Pilotprojekt Österreichs “flinkste Finger” ermittelt.
Unglaubliche Familiengeschichte
Die Regeln waren wie früher: In zehn Minuten möglichst viele Anschläge fehlerfrei zu Papier bringen. Gewertet wurde in zwei Altersklassen – fünfte und sechste Schulstufe sowie siebte bis neunte Schulstufe. Während Vorarlberg bei den Jüngeren um den Sieg nicht mitmischen konnte, schlug der Bregenzerwald bei den “Großen” im Doppelpack zu: Melanie Baurenhas aus Au, Schülerin der ersten Klasse Handelsakademie in Bezau, schaffte den zweiten Platz – übertroffen nur von ihrer Klassenkameradin Frieda Natter aus Krumbach, die den VN eine fast unglaubliche Familiengeschichte offenbart.

“Es muss in den Genen liegen, denn vor genau 25 Jahren war mein Vater Ewald nicht nur in der ersten HAK-Klasse, die an der Bezauer Schule maturierte, er hat 2001 auch den Bundes-Schreibwettbewerb gewonnen”, weiß Frieda zu erzählen. Und während Papa Ewald stolz ergänzt, dass er dafür sogar zur Weltmeisterschaft nach Lausanne fahren durfte (Natter: “Dort war ich chancenlos, die internationale Konkurrenz war uns weit voraus. In Bezau war eben erst die landesweit erste Laptop-Klasse eingerichtet worden.”), hat Lehrerin Veronika Niklaser das “Beweisstück” aus dem Archiv der Schule geholt: Mit diesem Laptop hat Ewald für das Bundesfinale des Bewerbs trainiert, in Wien wurden dann einheitliche Geräte zur Verfügung gestellt.” Ewald Natter erinnert sich schmunzelnd: “Zur Chancengleichheit durften wir nach Wien unsere eigenen, gewohnten Tastaturen mitbringen …”

Schon Oma Ortrud …
Aber die unglaubliche Geschichte von Friedas Fingerfertigkeit auf der “Schreibmaschine” reicht noch viel weiter zurück. “Schon Oma Ortrud gewann 1960 den Bundeswettbewerb, als Schülerin der HaSch Lienz. Ihr späterer Mann war Lehrer und fand eine Anstellung am BORG Lauterach, deshalb zog die Familie vor mehr als 50 Jahren nach Vorarlberg.”

Veronika Niklaser, schon Ewalds Lehrerin, freut sich, dass zwei ihrer Schülerinnen beim nostalgischen Neustart einer fast vergessenen Tradition so erfolgreich abschneiden konnten, und geht voll motiviert ins neue Schuljahr, in dem sie hofft, “dass wieder möglichst viele Erstklässler mitmachen werden.”
Eine Hoffnung, die auch Dir. Mario Hammerer hegt – und der Schulleiter verweist dabei auf einen Aspekt, der oft übersehen wird: “Dieser Erfolg ist auch ein Beweis dafür, dass an Wälder Mittelschulen hervorragend gearbeitet und damit eine sehr gute Basis gelegt wird.” Und zu den Spitzenleistungen, die Frieda und Melanie erbracht haben: “Es ist schon ein Geschenk für die Schulleitung der BWS, mit so jungen, talentierten und motivierten Menschen arbeiten zu dürfen.” STP
ZUR PERSON
Frieda Natter
Wohnort Krumbach
Geburtstag 6. März 2011
Familie Vater Ewald, Mutter Ulrike, Geschwister Erik, Luis und Josefine
Hobby Klavier spielen
Lebensmotto Das Beste liegt noch vor dir!