Ein Taktstock für die Zukunft

Mit einem Konzertfinale ist der erste Internationale Dirigierwettbewerb Liechtenstein zu Ende gegangen.
Vaduz Drei Finalisten standen am Ende im Zentrum: Filippo Barsali aus Italien, seine Landesfrau Anna Bottani und der Engländer Matthew Lloyd-Wilson. Sie alle dirigierten im Finale das Sinfonieorchester Liechtenstein und stellten sich mit einem anspruchsvollen Programm der internationalen Jury. Zu hören waren Werke von Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Joachim Raff, Franz Liszt, Franz Waxman und Antonín Dvořák. Unterstützt wurden die Finalisten von bekannten Solisten: Illia Ovcharenko am Klavier, Kevin Zhu an der Violine und István Várdai am Violoncello. Alle drei wirkten zugleich auch als Mitglieder der Jury mit.

Die Entscheidung der Jury fiel schließlich zugunsten von Filippo Barsali aus. Der erste Preis des neu gegründeten Wettbewerbs ist mit 30.000 Schweizer Franken dotiert und beinhaltet zudem eine Einladung, in der kommenden Saison ein Konzert mit dem Sinfonieorchester Liechtenstein zu dirigieren. Damit erhält der junge Dirigent auch eine wichtige künstlerische Plattform für seine weitere Laufbahn.

Barsali, der in Pisa aufgewachsen ist, begann seine musikalische Ausbildung als Geiger. Er studierte am Konservatorium Luigi Cherubini in Florenz bei Massimo Nesi und schloss dort 2020 seinen Bachelor ab. Nach weiteren Studien bei Alessandro Pinzauti setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater München bei Marcus Bosch und Georg Fritzsch fort. Geprägt wurde sein Weg auch durch Meisterkurse und Projekte mit Orchestern wie dem Münchner Kammerorchester, den Münchner Symphonikern, der Orquestra Simfònica Illes Balears, der Cappella Aquileia und dem Orchestre de l’Opéra Royal de Wallonie. Als Assistent arbeitete er unter anderem mit Giampaolo Bisanti, Enrico Calesso, Renato Palumbo, Daniele Callegari und Massimo Zanetti.
Auf dem richtigen Weg
Für Barsali bedeutet der Sieg in Vaduz mehr als nur eine Auszeichnung. „Der Wettbewerb war für mich eine fantastische Erfahrung. Besonders beeindruckt hat mich der außergewöhnliche Geist des Miteinanders, der eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen hat“, sagte er nach der Preisverleihung. Der Preis gebe ihm das Gefühl, „auf dem richtigen Weg“ zu sein, und motiviere ihn, diesen mit noch größerer Überzeugung weiterzugehen.

Auch der Publikumspreis setzte ein deutliches Zeichen. Die Gäste im Vaduzer-Saal kürten Anna Bottani zu ihrer Favoritin unter den drei Finalisten. Damit zeigte sich, dass musikalische Überzeugungskraft nicht allein in technischen Kriterien messbar ist, sondern auch unmittelbar im Konzertsaal wirkt.

Bei der Preisverleihung zog Jury-Mitglied Anu Tali, Chefdirigentin des Nordic Symphony Orchestra, eine persönliche Bilanz. Sie wünschte allen Teilnehmenden, dass sie die Energie dieser Wettbewerbswoche, die Erfahrungen mit den Orchestern und Musikern sowie die entstandenen Kontakte auf ihren weiteren Weg mitnehmen. Der erste Internationale Dirigierwettbewerb Liechtenstein endete damit nicht nur mit einem Sieger, sondern mit einem Versprechen: Junge Dirigentinnen und Dirigenten erhalten hier eine Bühne, auf der sich künstlerische Zukunft hörbar entwickeln kann.