Die Schatten des Nationalsozialismus in Lochau

Ein geführter Rundgang durch den Ort macht die NS-Geschichte und ihre Folgen sichtbar.
Lochau Groß war das Interesse der Lochauerinnen und Lochauer am geführten Dorfrundgang zur örtlichen Geschichte des Nationalsozialismus. Eingeladen hatte der Ausschuss für Raumplanung und Ortsentwicklung mit Obfrau Judith Wellmann. Ziel der Veranstaltung war es, sich auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur mit diesem Kapitel der Ortsgeschichte und seinen Folgen auseinanderzusetzen.

Rechtsextreme Symbole sind keine Bagatelle
Nationalsozialistische Symbole oder rechtsextreme Parolen im Ortsgebiet sind keine harmlosen Schmierereien im Reigen von zunehmendem Vandalismus. Sie sind Ausdruck einer Ideologie, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Überzeugungen abwertet und einschüchtern will.

Der aktuelle Rechtsextremismus-Bericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes zeigt, dass Vorarlberg österreichweit den stärksten Anstieg rechtsextremer Tathandlungen verzeichnet. 2024 wurden über 100 rechtsextreme Straftaten registriert – ein Anstieg von fast 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Vorarlberg das Bundesland mit den meisten rechtsextremen Delikten.

Judith Wellmann brachte es bei der Begrüßung auf den Punkt: “Wenn wir heute gemeinsam durch Lochau gehen, sprechen wir auch über Menschen, die verfolgt, ausgegrenzt und ermordet wurden. Unser Rundgang soll an die Opfer erinnern und lokale Geschichte sichtbar machen. Wir sprechen über Entscheidungen, über Mut und Wegschauen, über Verantwortung – und darüber, wie sich Geschichte auch in unserem Ort, in unserer unmittelbaren Umgebung ereignet hat.”
Fachkundige Begleitung
Als Referentin sprach Stefanie Oberscheider-Preiner. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Vermittlung regionaler Zeitgeschichte. Im Rahmen der “NS-Erinnerungskultur” besucht sie mit den Bewohnern vor Ort historische Plätze und vermittelt die Schicksale der Menschen auf lebendige Weise.

Der Rundgang begann vor dem neuen GemeindeHaus. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 wurde Lochau am 23. Juli 1938 gemeinsam mit Eichenberg, Fluh und Kennelbach in die Großgemeinde Bregenz eingegliedert. Im alten Gemeindeamt, das im Sommer 2016 abgebrochen wurde, befanden sich Postamt, Parteiräume und eine Wohnung für den Ortsgruppenleiter.

Nächste Station war der Friedhof mit dem Kriegerdenkmal und dem Ehrengrab des Heimatdienstmannes Edwin King, der im November 1933 von Nationalsozialisten ermordet wurde. Anschließend führte der Weg zum Brauereigasthof Reiner mit der ehemaligen Brauerei und weiter zum Alten Schulhüsle mit Blick auf das Jesuheim und das ehemalige Armenhaus Landstraße 30. Hier stand das Gedenken an die Deportation und Ermordung von Erwachsenen und Kindern mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen während der NS-Zeit im Mittelpunkt.

Die informative Führung endete beim Seehotel Am Kaiserstrand. Nicht weit entfernt mussten im damaligen Bayerischen Leichtmetallwerk um die 300 Zwangsarbeiter schwere Arbeit verrichten. Am Bahnhof wurden zudem kranke oder verwundete Soldaten ausgeladen, die anschließend im nahegelegenen Reservelazarett der deutschen Wehrmacht behandelt wurden – untergebracht in den Räumlichkeiten des 1910 eröffneten prächtigen Kaiser-Strand-Palast-Hotels beziehungsweise in der 1940 umfunktionierten zackigen Reichszollschule.
Der Rundgang machte deutlich: Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bleibt eine wichtige Aufgabe – auch für zukünftige Generationen.







