„Muss zuerst ein Mensch getötet werden?”: Anrainer rechnet mit Verkehrspolitik ab

Christoph Kalb fordert mehr Schutz für Anwohner und Fußgänger.
Bregenz Christoph Kalb hat genug gesehen. Der 61-Jährige wohnt an der Reichsstraße in Bregenz. Wenn der Verkehr wegen der Pfändertunnel-Sanierung durch Bregenz und Lochau umgeleitet wird, rollt der Transitverkehr auch direkt an seiner Haustür vorbei. „In der Nacht fahren die Lkw mit Vollgas durch“, schildert der Anrainer. Was ihn stört, sind nicht die Tunnelsperren an sich, sondern die aus seiner Sicht fehlenden Begleitmaßnahmen. Mit der Straßenbaustelle vor der Bilgeri-Kaserne ist ein weiteres Ärgernis dazugekommen. „Muss zuerst ein Mensch getötet werden, bevor die zuständigen Stellen reagieren?”, fragt er sich.

Kalb hat sämtliche E-Mails, die er in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit der Bezirkshauptmannschaft Bregenz und der Verkehrsabteilung des Landes ausgetauscht hat, dokumentiert. Passiert sei nichts, ärgert er sich. „Keine Kontrolle, keine Geschwindigkeitsbegrenzung.“

Der Bregenzer fordert Tempo 30 während der Umleitungen, permanente Tempokontrollen, mehr Sicherheit an den Zebrastreifen, eine bessere Beschilderung und eine gezieltere Information des Transitverkehrs. “Da draußen gibt es einen Kindergarten, da vorne eine Schule, es ist ein Wohngebiet“, hält er fest. Sollten die Maßnahmen tatsächlich eine spürbare Entlastung für die Anrainer bringen, könnten sie dauerhaft umgesetzt werden.

Für Christoph Kalb ist die Sache klar: Temporeduktionen wirken. Als Vorbild nennt er Deutschland. „Dort gilt in vielen Kommunen nachts Tempo 30 im Wohngebiet. Das funktioniert. Da fährt keiner zu schnell“, berichtet er. Auch während der Baustelle an der Pipeline, als die Radfahrer auf die Landesstraße ausweichen mussten und deswegen Tempo 30 verordnet wurde, seien die Auswirkungen spürbar gewesen. „Wir hatten fast keinen Stau mehr.“

Anderer Schauplatz, ähnliches Problem: Von seinem Haus an der Reichsstraße hat der Architekt auch direkten Blick auf die Straßenbaustelle vor der Bilgeri-Kaserne. Auch dort vermisst er entsprechende Begleitmaßnahmen. „Die Bustouristen laufen normalerweise vom Busparkplatz am Gehsteig vor bis zum Kreisverkehr. Jetzt ist der Gehsteig gesperrt und die Leute irren auf der Baustelle herum. Man hätte zum Beispiel einen temporären Zebrastreifen einrichten können, damit die Fußgänger sicher auf die andere Straßenseite gelangen und anschließend auf dem Gehsteig weitergehen können“, erläutert der 61-Jährige.

Auf der Baustelle wird noch bis Oktober gearbeitet. In den kommenden Wochen stehen außerdem mehrere Teil- oder Totalsperren des Pfändertunnels an. „Bei einer Teilsperre fahren die Lkw teilweise trotzdem durch das Stadtgebiet, obwohl wir in Bregenz eigentlich ein Lkw-Transitverbot haben“, sagt Christoph Kalb.
Wie das Land auf die Kritik reagiert? Zunächst gar nicht. Eine Anfrage der VN blieb unbeantwortet.

Pfändertunnel-Sperren 2026
Nachtsperre der Weströhre, immer von 20 bis 5 Uhr:
8. Juni bis 26. Juni 2026
Nachtsperre der Oströhre, immer von 20 bis 5 Uhr:
2. März bis 8. Mai 2026
11. Mai bis 10. Juli 2026
7. September bis 9. Oktober 2026
19. bis 23. Oktober 2026
Nachtsperre beider Röhren, immer von 20 bis 5 Uhr:
29. Juni bis 1. Juli 2026
14. bis 16. Oktober 2026
Totalsperre der Oströhre: 12. bis 16. Oktober 2026, 0 bis 24 Uhr