Kämpfer für den Dialekt

VN-Kommentar von Walter Fink.
Wie alle Jahre nach der Diskussion über den Rechenschaftsbericht im Landtag sollte auch heute hier ein Kommentar zur Kulturdebatte stehen. Immerhin treffen im Hohen Haus die unterschiedlichen Positionen der Parteien aufeinander, eine Abrechnung mit der Kulturpolitik der Landesregierung darf deshalb immer erwartet werden. Heuer muss diese Tradition in meiner Kolumne einem anderen, einem traurigen Ereignis weichen: Vor kurzem ist der Nestor der Vorarlberger Mundartdichtung, Adolf Vallaster, gestorben. Seine Verdienste um den Dialekt – und nicht nur den seiner Kummenbergregion, genauer den seiner Heimatgemeinde Mäder – sind nicht genug zu würdigen. Vallaster war nicht nur Dichter, er war Kämpfer für den Dialekt, er förderte und organisierte Tagungen zum Thema, war streitbarer Geist für seine Sprache: „I räd, wia mr d’Schnorra gwaxa ischt!“
Im Band „Ma künnt o schtill si“, den Edith und Klaus Lutz 1987 für Adolf Vallaster im „fink’s verlag“ herausgegeben haben, schreiben sie: „Bei allen Texten gewinnt der Leser das Gefühl, dass sie aus einer inneren Notwendigkeit heraus geschrieben werden und Dokumente einer Auseinandersetzung mit sich selbst oder mit der Außenwelt sind. Dies macht die Texte für den Leser glaubwürdig und authentisch und erzeugt in ihm häufig Betroffenheit – selbst dann noch, wenn sie ihn – was häufig der Fall ist – zum Lachen bringen.“ Seinen ersten Gedichtband hatte Adolf Vallaster 1974 unter dem Titel „Mir und da Rhi“ herausgebracht. Für Beobachter der Mundartszene war das eine Art Weckruf für die Mundart in Vorarlberg. In anderen Regionen war der Dialekt in der Literatur längst hoffähig geworden, wie etwa das Beispiel von H.C. Artmann mit seinem Buch „med ana schwoazn tintn“ (bereits 1958 erschienen) zeigt. In Vorarlberg bewegte man sich in diesem Genre meist noch bei Gelegenheitsgedichten mit oft zweifelhaften Reimversuchen. Adolf Vallaster brachte die Wende – und er versuchte, das kritische Element der Texte auch bei seinen Kolleginnen und Kollegen wachzurütteln. Durchaus mit Erfolg. Mitte der siebziger Jahre legten verschiedene Autorinnen und Autoren Texte vor, die auch international bei verschiedensten Symposien Bestand hatten.
Auch in Vorarlberg zeigte sich das. Die Randspiele Bregenz veranstalteten ein Mundartseminar mit internationaler Beteiligung, vier Jahre später traten in einer Veranstaltung alemannische Autorinnen und Autoren mit österreichischen Dialekten auf. 1975 gaben Edith und Klaus Lutz das Buch „O Hoamatle! O Hoamatle?“ („fink‘ verlag“) heraus, in dem 45 Dialektautorinnen und -autoren vertreten waren. Nicht alles, was hier dabei war, hatte Bestand, für manche blieb es die einzige Publikation. Nicht so bei Adolf Vallaster, der auch am meisten Gedichte zu diesem Band beisteuerte. Schon damals war er der wichtigste Mundartdichter unseres Landes, mit heftigem Nachdruck auch für seine Mundart am Kummenberg. Hier auch gemeinsam mit seinem Freund und Dichterkollegen Rudi Kurzemann („Rund umma Kumma ummi“). Wir sollten Adolf Vallaster und seinen Freundinnen und Freunden dankbar sein. Ohne sie wäre unser Dialekt nicht einmal mehr in diesem bescheidenen Maß vorhanden, wie er es noch heute ist.