Mit 19 Jahren querschnittsgelähmt: Wie ein „normaler“ Sturz das Leben von Bjarne Schedler grundlegend veränderte

VN / 13.07.2026 • 14:00 Uhr
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Bjarne Schedler sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl. Damals war er 19 Jahre alt, als er die erschütternde Diagnose erhielt. Jetzt trainiert er auf dem BMX-Platz in Bludenz den Kader. VN/JUN

Ein Jahr verbrachte der ehemalige BMX-Sportler im Spital und in der Reha. Heute trainiert er den Nachwuchs – und erklärt, warum Aufgeben für ihn nie infrage kam.

Bludenz Es war der 26. Juni 2024, ein Mittwoch. Ein „normaler“ Sturz beim Training. Bjarne Schedler ahnte nicht, dass er ernsthaft verletzt war, und wollte wieder aufstehen. Doch er konnte nur noch seine Schulter leicht anheben und blieb liegen. Er war allein auf der BMX-Anlage in Bludenz. Dreimal schrie er um Hilfe, bis ein Schweizer Ehepaar die Rettung alarmierte. Bjarne Schedler wurde bewusstlos. Seine Lunge kollabierte.

„Ich kam gerade von der EM in Verona zurück“, erinnert er sich. Er wollte für die Staatsmeisterschaft trainieren. Doch bei einem Sprung stürzte er über den Lenker seines BMX-Rads und prallte mit dem Kopf voraus gegen den nächsten Absprung. Sein fünfter Halswirbel wurde zertrümmert.

„Es war ein Sturz wie immer“, sagt der 21-Jährige, dessen Ziel es war, bei Olympia anzutreten. Im LKH Feldkirch erhielt er jedoch die erschütternde Diagnose: Er ist von der Brust abwärts querschnittsgelähmt. „Ich habe nicht weinen müssen“, sagt er. Erst später habe er die Diagnose realisiert.

Im Koma

Zwei Wochen lag er auf der Intensivstation. Weil er nicht mehr selbst atmen konnte, erhielt er einen Luftröhrenschnitt. Nach vier Wochen im LKH Rankweil musste er aufgrund eines akuten Nierenversagens zurück nach Feldkirch. Er fiel ins Koma. Seine Nieren erholten sich wieder, sodass er ins Krankenhaus Hochzirl wechseln konnte. Dort entwickelte er einen Dekubitus: Er hatte sich das Steißbein bis auf den Knochen wundgelegen. Anschließend wurde er ins Rehazentrum Bad Häring verlegt, wo die Wunde durch eine Hauttransplantation geschlossen wurde.

Nach dreimonatiger Bettruhe saß er im Jänner erstmals im Rollstuhl und begann seine Reha. Dort lernte er, wieder selbstständig zu werden. „Du hast eine Aufgabe gekriegt und die musst du lösen. Wenn du anfängst, dich zu bemitleiden, wird es auch nicht besser. Es geht immer schlimmer“, sagt Bjarne.

Rückblickend kann er sich nur noch an einzelne Ausschnitte aus der Zeit im Krankenhaus erinnern, da er „vollgepumpt mit Medikamenten“ war. Seine Eltern und Freunde besuchten ihn fast täglich – ganz gleich, in welchem Krankenhaus er lag.

Sport ist sein Leben

Jeden Tag trainiert er, damit er körperlich fit bleibt. Der Sport gibt seinem Leben einen Rhythmus. „Das hat sich nicht geändert.“ Als Mensch sei er derselbe geblieben wie vor dem Unfall. Bjarne will sich nicht einschränken lassen, sondern lebt im Hier und Jetzt. „Es geht nicht um das Überleben, sondern darum, dass du das Leben in vollen Zügen genießt.“

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BMX ist nach wie vor seine Leidenschaft, nur mittlerweile als Trainer und nicht mehr als Fahrer. privat

Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. „Man sieht die Fortschritte, die man macht.“ Nach und nach konnte er seine Arme wieder bewegen und sich selbst anziehen. Da er kein Gefühl in den Fingern hat und nicht greifen kann, hilft er sich mit Tricks. „Man wird geschickter.“

Das BMX verteufelt er wegen seines Unfalls nicht. „Das ist nie zur Debatte gestanden. Es kann ja überall etwas passieren.“ Im Juni 2025 kehrte er nach einem Jahr im Spital und in der Reha nach Hause zurück. Im August begann er als Kadertrainer.

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Bei der EM in Verona: seine letzte Teilnahme vor dem Sturz. privat

Das Wichtigste sei, wieder in eine Routine zu kommen. Bjarne trifft sich weiterhin mit Freunden. Das sei zwar etwas aufwendiger als früher, „aber deswegen verkrieche ich mich nicht“. Er kann selbst Auto fahren. Jeden Donnerstag fährt er von Hohenweiler nach Bludenz zum Kadertraining.

Der Glaube gibt ihm Halt

„Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich da sein kann.“ Das Leben habe er nie für selbstverständlich gehalten. „Der Glaube hilft weiter, sonst bist du in einem luftleeren Raum.“ Durch seinen Glauben sei er gefestigt und habe auch keine Angst vor dem Tod. „Wenn du mit Mut und Zuversicht an die Herausforderung herangehst, weißt du, dass Gott dir beisteht.“

Zur Person

Bjarne Schedler
Geboren: 21. Jänner 2005
Wohnort: Hohenweiler
Hobbys: Sport, Schach spielen
Verein: BMX-Club Bludenz