Mit 54 eröffnete sie in Bregenz ihre Galerie – nach einem langen Umweg

Spät machte Sylvia Janschek ihre Leidenschaft zum Beruf. Ein Schicksalsschlag prägte sie.
Bregenz Manche Träume reifen langsam. Sylvia Janschek war 54 Jahre alt, als sie sich ihren Traum erfüllte und eine eigene Kunstgalerie eröffnete. Bis dahin hatte sie vieles ausprobiert und immer wieder neu angefangen. Das hat auch mit einem Schicksalsschlag zu tun, der sie als Kind traf: Als Sechsjährige verlor sie ihren Vater. Diese Erfahrung hat tiefe Spuren hinterlassen.
Sylvia sitzt an einem Klapptisch vor dem Eingang ihrer Galerie, raucht eine Zigarette und nippt an einem Glas Weißwein. Es ist heiß an diesem Nachmittag. Zu heiß, um Besucher in die Galerie zu locken. Hier, in der schattigen Nische, kramt Sylvia in ihren Erinnerungen und erzählt aus ihrem Leben, das am 31. Dezember 1966 in Dornbirn begann – gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Karin. “Ich war zuerst da!”, stellt sie klar. “Karin kam sieben Minuten später.” Zudem gibt es noch zwei ältere Schwestern: Edda und Sabine.

Groß geworden ist Sylvia im Familienunternehmen Mercedes Schneider, das ihr Großvater 1938 gegründet hatte und später von ihrer Mutter mitgeführt wurde. Nach der Matura absolvierte Sylvia einen halbjährigen Sprachaufenthalt in Italien, begann anschließend ein BWL-Studium in Wien, brach es nach vier Semestern ab. Gearbeitet hat sie unter anderem beim Falter-Verlag, in einer Werbeagentur und fünf Jahre im Familienbetrieb. Danach folgten weitere Stationen in verschiedenen Bereichen. Ihre wahre Leidenschaft galt jedoch stets der Kunst, insbesondere dem Sammeln von Bildern und Skulpturen.
Für mich ist Kunst kein Luxus, sondern eine Lebensweise
2020 fasste Sylvia den Entschluss, ihre Passion zum Beruf zu machen. Zunächst organisierte sie Ausstellungen in der Seifenfabrik Lauterach. Ein Jahr später eröffnete sie die Janschek Art Gallery in der Kaiser-Josef-Straße in Bregenz. “Damit habe ich mir meinen Lebenstraum erfüllt.”

Gestartet ist sie voller Enthusiasmus, “auch wenn es am Anfang ein bisschen schwierig war. Doch dann folgte eine gute Zeit”. Inzwischen ist es wieder schwieriger geworden, vor allem aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage: “Den Leuten fehlt das Geld für Kunst. Sie geben es lieber für Urlaubsreisen aus als für Bilder.” Für sie selbst, betont sie, “ist Kunst kein Luxus, sondern eine Lebensweise”.
Ihr Alltag besteht darin, Ausstellungen zu kuratieren, Transporte der Kunstwerke zu organisieren und Künstler zu betreuen. “Alles ist mit viel zeitaufwendigem Schreibkram verbunden”, hält sie fest. Doch das gehört eben dazu.

Sylvia ist eine zierliche Frau, deren Stärke und Entschlossenheit sich nicht auf den ersten Blick zeigen. Über die schwere Erkrankung, von der sie sich langsam erholt, spricht sie nicht. Dafür erzählt sie vom Tod ihres Vaters – dem prägendsten Ereignis ihres bisherigen Lebens. “Es geschah an einem Sommertag 1972. Papa war mit Edda, Sabine und Karin auf dem Weg zu unserem Urlaubsort in Italien. Meine Mutter und ich waren schon dort.” Kurz vor der Ankunft raste ein Betrunkener in das Auto ihres Vaters. “Er starb später im Krankenhaus.” Die Schwestern wurden schwer verletzt.
Der frühe Verlust traf die damals Sechsjährige zutiefst. “Ich hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Er war mein Superheld. Darum hat kein Mann Platz an meiner Seite.” Darum widmet sie ihr Leben ganz der Kunst. “Ich bin zufrieden damit”, sagt sie, während sie sich eine Zigarette anzündet und einen tiefen Zug nimmt. Langsam tut sie das, beinahe bedächtig. Auch das Weinglas hat sie inzwischen nachgefüllt.
Gibt es einen Wunsch? “Ja. Ein Hausboot auf dem Bodensee. Ich weiß, dass dieser Wunsch unerfüllbar ist. Trotzdem.”