Streiflicht: Ist hier noch frei?

Manchmal tut so eine richtige Wirtschaft not. Keine Rooftop-Bar mit Sundowner, einfach ein Gasthaus. Der Wirt schenkt dort keine raffinierten Cocktails aus, sondern große Biere und einen anständigen Roten. Nach einem Chili-Cheese-Dip oder Avocado-Häppchen fragt man vergebens, aber manchmal stellt der Wirt unaufgefordert eine Schale Knabbereien auf den Tisch.
Der Wirt steht schon so lange hinterm Tresen, dass sich selbst Stammgäste nicht an seinen Vorgänger erinnern können. Die kleine Menükarte ist etwas stockfleckig. Aber die Würstel mit Gulaschsaft sind scharf und das Pärle ist resch. Dieser Wirt käme nie auf die Idee, das Brot zum Salatteller separat zu verrechnen. Er ist nicht in diesem Sinn geschäftstüchtig. Sein Gast erhält ein erfrischendes Getränk und ein aufmunterndes Wort und nicht das Ergebnis einer gerissenen Kalkulation.
In diesem Wirtshaus setzt sich der Neuzugang ohne Umschweife zu den anderen. Man redet Tiefschürfendes und auch viel Unsinn. Aber man redet. Und an keinem Tisch, an keinem einzigen, sitzen zwei voreinander und starren stumm auf die kleinen Bildschirme in ihren Händen.