30 Grad warmes Wasser mitten im Wald: Das Geheimnis vom Waldbad Lech

Das höchstgelegene Freibad Vorarlbergs ist ein Ort der Ruhe. Familien aus Lech treffen hier auf Schwimmer aus Berlin, Promis genießen ungestört ihre Auszeit.
LECH Wer das Waldbad Lech zum ersten Mal betritt, hört zuerst den Wald. Kein Straßenlärm, kein Verkehr, stattdessen das Rauschen der Fichten und des Lechflusses. Während draußen die Bergluft angenehm kühl bleibt, warten im Becken überraschend warme 30 Grad. Ein Widerspruch, der das höchstgelegene Freibad Vorarlbergs seit Jahrzehnten besonders macht.


Schwimmtraining statt Skitraining
“Ich liebe dieses Schwimmbad”, sagt Verena Walch, die ursprünglich aus dem Bregenzerwald stammt und heute in Lech lebt. Für sie beginnt Erholung genau hier. “Die Wassertemperatur ist einzigartig. Es gibt warme Becken zum Entspannen, ein Kinderbecken und trotzdem auch ein Sportbecken.”

Auch Anna Kaufmann, die gebürtige Bayerin, in Lech verheiratet, verbringt den Sommertag mit ihren vier Kindern im Waldbad. “Hier ist einfach für alle etwas dabei”, sagt sie. “Während die Kinder trainieren, kann ich selbst entspannen”, betont die Landwirtin.
Sportlerinnen aus Berlin
Dass das Waldbad weit über Vorarlberg hinaus bekannt ist, zeigt sich an einer Trainingsgruppe aus Berlin. Seit mehreren Jahren reist Katrin Schwand mit ihrer Tochter nach Lech zum Schwimmen. “Wir kommen wegen des Höhentrainings auf rund 1500 Metern”, erzählt sie. Auch Tochter Diane genießt die besondere Atmosphäre. “Wir kommen aus der Großstadt und finden hier genau den Ausgleich, den wir suchen.”

“Ich habe noch kein schöneres Büro gefunden”
Für Bademeister Markus Schneider beginnt jeder Arbeitstag lange, bevor die ersten Badegäste eintreffen. Er entfernt die Abdeckungen von den Becken, kontrolliert die Wasserqualität, überprüft die Technik und bereitet alles für den Badebetrieb vor. Trotz der vielen Arbeit möchte er mit niemandem tauschen.

“Ich habe noch kein schöneres Büro gefunden”, sagt er und blickt über die Wasserflächen hinauf zu den Bergen. “Der Wald spendet einen Schatten, den kein Sonnenschirm ersetzen kann.”
Biomasseheizwerk wärmt das Wasser
Dass auf fast 1500 Metern überhaupt angenehme Badetemperaturen möglich sind, verdankt das Waldbad dem Biomasseheizwerk Lech. Das Kinder- und Aquafitbecken werden auf rund 30 Grad beheizt, das Sportbecken auf etwa 24 Grad. “Im Sommer braucht das Dorf weniger Wärme. Diese Energie nutzen wir für das Schwimmbad”, erklärt Schneider. Dadurch könne die Saison meist bis Ende September dauern, manchmal sogar bis in den Oktober – sofern der erste Schnee noch etwas auf sich warten lässt. An heißen Sommertagen reicht das Einzugsgebiet längst über Lech hinaus. “Dann kommen Gäste von Bregenz bis Landeck”, erzählt Schneider.

Über Prominente wird geschwiegen
Direkt neben dem Schwimmbad betreibt Markus Mathis zusammen mit seiner Frau Gerti den Kiosk “Marend”. Seit Jahren versorgt er Badegäste und Wanderer mit hausgemachten Speisen. Ob sich hier auch prominente Gäste unter die Badegäste mischen? Markus Mathis lacht – “Natürlich, aber darüber sprechen wir nicht.” Gerade diese Diskretion werde geschätzt. “Die Menschen sollen hier ihre Ruhe haben.”


Regionalität mitten im Wald
Kulinarisch setzt das “Marend” bewusst andere Akzente als viele Freibadbuffets. Neben Burgern und Pommes stehen frische Salate, vegetarische Gerichte und selbst gebackene Kuchen auf der Speisekarte. “Wir machen fast alles selbst und verwenden möglichst viele Produkte aus der Region”, sagt Mathis.

Während Kinder vom Beckenrand springen, Berliner Schwimmer ihre Trainingsbahnen ziehen und Wanderer auf der Terrasse einkehren, wird deutlich, warum das Waldbad Lech seit Jahren weit mehr ist als ein Freibad. Es ist ein Platz, an dem sich Bewegung und Erholung treffen – mitten im Wald, mit warmem Wasser und einer Aussicht, die selbst den Bademeister jeden Morgen aufs Neue staunen lässt.


