Ein Raum der Zumutbarkeit

Heimat / 16.07.2026 • 08:10 Uhr
Rolf Hohmeister (l.) und seine Gattin Esther (r.) sind die
Rolf Hohmeister (l.) und seine Gattin Esther (r.) sind die “Masterminds” der “Bad Ragartz” – hier mit Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz (2. v. l.) und dem ausstellenden, studierten Holz- und Steinbildhauer Georg Loewit im Blumenegger Skulpturenpark.Gerhard Scopoli

Noch bis 30. August sind in Thüringen Georg Loewits “Protagonisten” ausgestellt.

Thüringen Im Besitz der Gemeinde Thüringen befindet sich die Villa Falkenhorst, der Schauplatz des Blumenegger Skulpturenparks 2026. Seit vielen Jahren verwandelt die Sommerausstellung das historische, dreigeschossige Gebäude und dessen ungefähr 10.000 Quadratmeter großen Park “in einen Ort intensiver Begegnung von Kunst, Natur und Gesellschaft”, wie es aus dem Büro der Villa Falkenhorst heißt. Noch bis 30. August wird dort die Werkserie “Protagonisten” des im Jahr 1959 geborenen Georg Loewit gezeigt.

Wie die Villa zur Ausstellung schreibt, werde der Mensch in den plastischen Arbeiten des studierten Holz- und Steinbildhauers “in seiner alltäglichen Umgebung zum ‚ersten Handelnden‘. Seine Skulpturen zeigen keine Helden, sondern Passantinnen und Passanten, Reisende, Betrachtende – Menschen im Fluss ihrer Bewegungen. Charakteristisch ist Loewits Entscheidung, seine Figuren von hinten zu zeigen”.

Zur Ausstellung, die jeweils bei Veranstaltungen und jederzeit nach Vereinbarung geöffnet ist, sagt Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz: “Spätestens seit der Romantik ist die Rückenfigur als essenzielles Motiv greifbar – hier (auf Falkenhorst, Anmerkung) wird sie zum philosophischen Instrument: Sie zeigt nicht die Person, sondern das Denken.” Wie der deutsche Maler Caspar David Friedrich nutze Loewit die Rückenfigur als romantisches Vermittlungsinstrument: “Der Betrachter soll in die Figur hineintreten, denselben Blick teilen, denselben Sehnsuchtsraum betreten. Die Figur ist da nicht Motiv, sondern Medium. Es gibt Situationen, da würde ich gerne in die beiden mit Bad Ragaz I und Bad Ragaz II betitelten Figuren hineinschlüpfen und meinen Blick über dieses herrliche Tal schweifen lassen”, verriet Thomas Schiretz.

Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz, die
Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz, die “Bad-Ragartz-Masterminds” Rolf und Esther Hohmeister sowie der ausstellende, studierte Holz- und Steinbildhauer Georg Loewit im Blumenegger Skulpturenpark 2026.Gerhard Scopoli

Bei den zwei Skulpturen handle es sich um das Ehepaar Esther und Rolf Hohmeister, die “Masterminds” der Schweizerischen Triennale der Skulptur in Bad Ragaz – die “Bad Ragartz”. “Wir haben nächstes Jahr die zehnte Triennale. Mittlerweile sind wir in Europa wohl die größte Skulpturenausstellung mit rund einer Million Besuchern”, erzählte das Ehepaar Hohmeister im Gespräch.

Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz sagt:
Kunst- und Kulturvermittler Thomas Schiretz sagt: “Es gibt Situationen, da würde ich gerne in die beiden mit Bad Ragaz I und Bad Ragaz II betitelten Figuren hineinschlüpfen.”Gerhard Scopoli

         

“Wer jemandem den Rücken zukehrt, entzieht sich dem Blick und damit der Ordnung – Kunst funktioniert genau so: Sie ist kein demokratischer Raum; sie entsteht dort, wo ein Einzelner, ob Künstler oder Werk, eine Position einnimmt, die nicht verhandelbar ist”, führte Thomas Schiretz weiter aus. Und hier schließe sich der Kreis: Wer dem Werk den Rücken zukehre, verweigere die Begegnung, wer hingegen dem Werk frontal begegne, akzeptiere die Asymmetrie und das Unvermeidliche. “Loewits Rückenfiguren zeigen: Kunst ist kein Dialog – auf Augenhöhe. Sondern eine Begegnung mit etwas, das sich nicht beugen lässt”, betonte der Kulturjournalist.

Thüringens Bürgermeister Harald Witwer freut sich über die große Bedeutung der Villa Falkenhorst mit allen ihren Angeboten und Veranstaltungen für das kulturelle Leben im Blumenegg.
Thüringens Bürgermeister Harald Witwer freut sich über die große Bedeutung der Villa Falkenhorst mit allen ihren Angeboten und Veranstaltungen für das kulturelle Leben im Blumenegg.Gerhard Scopoli

In der Politik bedeute Demokratie: jede Stimme zählt gleich viel. In der Kunst würde Demokratie bedeuten: Das “gleich” ist tot. Denn Kunst entstehe nicht aus Gleichheit, sondern aus Ungleichheit der Perspektiven. Kunst dulde keine Gleichheit. Sie sei kein Raum für Abstimmung, sondern ein Raum der Zumutung – der Zumutbarkeit. Die Rückenfiguren seien Bilder einer stillen Theologie: Der Mensch werde sichtbar als “ein Wesen, das sich zeigt, indem es sich verbirgt.”

Geboren wurde der studierte Holz- und Steinbildhauer Georg Loewit in Innsbruck, wo er auch heute lebt und arbeitet.
Geboren wurde der studierte Holz- und Steinbildhauer Georg Loewit in Innsbruck, wo er auch heute lebt und arbeitet.Gerhard Scopoli

Am Sonntag, dem 19. Juli, um 17 Uhr wird im Park der Villa das Konzert “Cobario meets Vivaldi – Die Vier Jahreszeiten” stattfinden (bei Schlechtwetter im Douglass-Saal). Der Eintrittspreis beträgt 20 Euro im Vorverkauf, 22 Euro regulär. SCO