“Ich empfinde es als großes Privileg” – Warum Klara Breuss dem Sterben mit Humor begegnet

VN / 16.07.2026 • 10:27 Uhr
Klara Breuss lebte viele Jahre im Burgenland. Seit rund dreieinhalb Jahren ist sie wieder zurück im Ländle. (Foto: GHP)
Klara Breuss lebte viele Jahre im Burgenland. Seit rund dreieinhalb Jahren ist sie wieder zurück im Ländle. ghp

Klara Breuss begleitet Menschen am Lebensende mit Herz, Humor und viel Lebenserfahrung.

Feldkirch Klara Breuss hat ihre Tasche immer gepackt: Darin steckt alles, was sie für ihre Begleitungen braucht: Glücksbringer, mit kleinen Herzchen bedruckte Taschentücher, Wolle zum Fingerstricken, gehäkelte Tiere und einige Bücher. Besonders am Herzen liegt ihr “Das Märchen vom Löwenzahn”. Die Geschichte vom Wandel der Löwenzahn- zur Pusteblume ist für sie ein Sinnbild für den Kreislauf des Lebens. Oft entstehen daraus Gespräche über das Leben, das Loslassen und das Sterben.

Klara Breuss ist fast 80. Sie hat viel Temperament, lacht gerne und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. “Wenn die Leute wissen, dass du einen Vogel hast, hast du es leichter”, meint sie mit einem Augenzwinkern und zitiert kurz darauf einen Satz, den sie vor Kurzem gelesen hat: “Ich möchte jung sterben, aber so spät wie möglich.” Humor spielt im Leben der gebürtigen Altenstädterin eine große Rolle.

Auch bei Hospiz für Kinder und Jugendliche (HOKI) ist Klara Breuss im Einsatz. Hier im Bild mit Silvia Mähr von Hospiz Vorarlberg. (Foto: GHP)
Auch bei Hospiz für Kinder und Jugendliche (HOKI) ist Klara Breuss im Einsatz. Hier im Bild mit Silvia Mähr von Hospiz Vorarlberg. ghp

Dabei hatte sie es nicht immer leicht. Als sie zwölf Jahre alt war, nahm sich ihr Vater das Leben. Unterstützung oder gar eine Trauerbegleitung gab es damals nicht. Ihre Mutter teilte sie in dieser Zeit viel zum Babysitten bei ihrem Neffen und ihrer Nichte ein. Die Pensionistin sieht darin etwas Gutes: “Ich hatte gar nicht viel Zeit zum Grübeln.”

Im Alter von 21 Jahren heiratete sie. Zwei Kinder vervollständigten das Familienglück. Vor rund 25 Jahren fasste sie den Entschluss, mit ihrer Familie ins Burgenland zu ziehen. Dort ließ sie sich zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin ausbilden. Diese Aufgabe erfüllte sie von Anfang an.

Die ehrenamtliche Tätigkeit bei Hospiz ist für sie keine Beschäftigung, sondern eine tiefe Erfüllung. (Foto: GHP)
Die ehrenamtliche Tätigkeit bei Hospiz ist für sie keine Beschäftigung, sondern eine tiefe Erfüllung. ghp

Vor dreieinhalb Jahren zog es sie schließlich wieder zurück nach Vorarlberg. Heute lebt die 79-Jährige allein, einsam ist sie trotzdem nie. Sie hat viele Hobbys und gute Freunde, und ihre Ursprungsfamilie lebt in ihrer Nähe. “Ich habe immer wunderbare Menschen um mich”, sagt sie.

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei Hospiz Vorarlberg nimmt einen großen Stellenwert in ihrem Leben ein. Viele Begleitungen gehen über Jahre. So besucht sie regelmäßig einen 96-jährigen Mann, dessen Frau verstorben ist. Sie tauschen Lebenserinnerungen aus, schauen Tennis und beobachten gemeinsam die Vögel im Garten.

Auch bei Veranstaltungen von Hospiz ist Klara Breuss im Einsatz. Hier im Bild mit Batman von den Charity Heroes beim Aktionstag von HOKI am Garnmarkt in Götzis. (Foto: GHP)
Auch bei Veranstaltungen von Hospiz ist Klara Breuss im Einsatz. Hier im Bild mit Batman von den Charity Heroes beim Aktionstag von HOKI am Garnmarkt in Götzis. ghp

Im vergangenen Jahr entschied sich die empathische Frau noch einmal für einen neuen Weg: Mit fast 80 absolvierte sie die Ausbildung für die Hospizbegleitung von Kindern und Jugendlichen. “Es ist wichtig, immer wieder Neues zu wagen und nicht in eingefahrenen Bahnen zu bleiben”, betont sie.

An ihrem Ehrenamt bei HOKI (Hospiz für Kinder und Jugendliche) schätzt sie vor allem die Ehrlichkeit, die Kinder an den Tag legen. “Sie sagen direkt, was sie denken.” Ein kleines Mädchen erklärte ihr einmal: “Ich hätte lieber eine junge Frau zum Spielen.” Das sei völlig in Ordnung gewesen, erzählt Klara Breuss mit einem verschmitzten Lächeln.

Klara Breuss mit weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von Hospiz Vorarlberg sowie mit Silvia Mähr von der Kontaktstelle Trauer. (Foto: GHP)
Klara Breuss mit weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von Hospiz Vorarlberg sowie mit Silvia Mähr von der Kontaktstelle Trauer. ghp

Einige Male wurde sie auch gerufen, um die letzten Stunden eines Lebens an der Seite eines Menschen zu verbringen. Dann setzt sie sich ans Bett, liest etwas vor oder hört zu. Manchmal legt sie einfach ihre Hand hin. “Die Person kann meine Hand nehmen, wenn sie mag”, sagt sie. “Mehr braucht es oft nicht.” Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten zu dürfen, ist für sie ein großes Privileg: “Es sind besonders intime Momente.” Sterben gehört für sie untrennbar zum Leben, denn sie glaubt fest an einen Schöpfer.

Deshalb geht sie auch ganz selbstverständlich nächste Woche in einen Sargladen nach Lindau, um sich ihre eigene Urne auszusuchen. Wie sie aussehen soll, weiß Klara Breuss schon längst: herzförmig, mit vielen Schmetterlingen verziert. GHP

Hospiz Vorarlberg sucht laufend Frauen und Männer für dieses wertvolle Ehrenamt. Interessierte werden in einem Befähigungskurs auf die Aufgabe vorbereitet. Kontakt: hospiz@caritas.at  

Zur Person

Klara Breuss
Jahrgang 1946
Geburtsort Altenstadt
Wohnort Rankweil
Familie zwei Kinder, drei Enkelkinder
Beruf Gelernte Verkäuferin, später Heimhelferin
Hobbys Lesen, in den Wald gehen, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, Kino, Theater, Kabarett
Lebensmotto “Alles gelingt nur mit Liebe.”

Ihre Enkelkinder liegen der 79-Jährigen sehr am Herzen. (Foto: GHP)
Ihre Enkelkinder liegen der 79-Jährigen sehr am Herzen.ghp