Trotz Beinamputation: Pereira da Silva (71) steht mit Hündin Kira regelmäßig auf dem Treppchen

VN / 16.07.2026 • 07:00 Uhr
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Pereira da Silva mit Hündin Kira: Als Team stehen sie bei Agility-Meisterschaften regelmäßig auf dem Podium. Bilder: VN/JUN

Eine Blutvergiftung hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Mit Hündin Kira kehrte Pereira da Silva auf den Agility-Parcours zurück und mischt wieder ganz vorne mit.

Gurtis 26 Hindernisse warten auf Kira und Pereira da Silva. Acht Minuten hat er Zeit, den Parcours vorab zu besichtigen. Dann muss er Kira möglichst fehlerfrei durch den Parcours lotsen. Beim Agility-Sport geht es um Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Präzision und die Bindung zwischen Mensch und Hund.

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Im November wurde sein Unterbein amputiert. Jetzt nimmt er wieder an Meisterschaften teil.

Pereira da Silva und seine dreijährige Kira, ein schwarzer Sheltie, sind ein perfektes Team und räumen regelmäßig bei Meisterschaften ab. Bei der Landesmeisterschaft Tirol/Vorarlberg wurden sie Erste, beim ÖKV-Paragility wurde er Vizestaatsmeister. Pereira da Silva lässt sich trotz seiner Beinprothese nicht unterkriegen und möchte erst recht nicht auf sein liebstes Hobby verzichten. „Ich denke nach vorne“, sagt er. „Der vierte oder fünfte Platz interessiert mich nicht. Ich will aufs Treppchen.“

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Die Pokale zeugen von seinen Erfolgen im Agility.
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Medaillen und Pokale findet man an jeder Wand im Wohnzimmer.

Fast jedes Wochenende ist er auf einem Turnier. Viermal stand er beim Ländle-Cup auf dem Podium. Zuletzt holte er sich bei einem Turnier in Deutschland den ersten Platz und erreichte beim Vorderlandturnier Rang zwei. „Kira macht keine Fehler. Wenn, dann mache ich die Fehler.“ Dass Kira ein Sheltie ist, sei kein Zufall, denn Shelties seien schnell. „Wir zwei sind ein Team“, meint Pereira da Silva und blickt auf Kira. Damit sie aufs Wort folgt, brauche es viel Geduld. „Da bist du lange dran“, sagt er. An den Start darf Kira ohnehin erst mit 18 Monaten.

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Heuer wurde er im ÖKV-Paragility Vizestaatsmeister.

Keine Phantomschmerzen mehr

„Für mich ist es wichtig, dass ich mit dem amputierten Bein etwas machen kann. Dass ich nicht den Kopf hängen lasse“, betont Pereira da Silva und erzählt, wie es zur Amputation kam: „Ich habe schon immer Zucker gehabt. Dann wurden meine Zehen blau.“ Er bekam eine Blutvergiftung und musste notoperiert werden. „Einen Tag später wäre ich tot gewesen“, weiß er heute. Doch statt im Krankenhaus zu bleiben, fuhr er noch einmal nach Hause nach Gurtis, um seine Hündin zu versorgen. Erst als er Kira in sicheren Händen wusste, ließ er sich operieren. Bekannte aus dem Hundesport kümmerten sich vier Monate lang um die Hündin. 14 Tage lag der Halbbrasilianer im Spital, danach ging es direkt in die Reha. Der Beinamputation habe er sofort zugestimmt. Traurig darüber sei er nicht: „Seit der OP habe ich keine Phantomschmerzen mehr.“

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Im Garten trainiert er mit Kira Slalom.
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Dabei muss er auch selbst mitlaufen.

Pereira da Silva bedankt sich vor allem bei der Orthopädietechnik-Meisterin Debora Matzker, die ihm mit der Prothese geholfen hat, beim KPV Nenzing, der ihm „das zweite Leben geschenkt“ habe, und bei den Ärzten im LKH Feldkirch. Mittlerweile kann er dank der Reha wieder gut laufen. Beim Agility-Sport muss aber vor allem der Hund viel laufen. „Ich kann sie gut schicken. Wenn ich ‚Slalom‘ sage, dann geht sie schon.“

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Der Hundesport hält ihn fit.

„Die pushen und motivieren mich“

Der 71-Jährige habe immer schon gerne Hunde gehabt. Vom Schäferhund bis zum Malteser hat er bereits einige Hunderassen gehalten. Seit 15 Jahren absolviert er sein Agility-Training beim Hundesportverein Rankweil. Ohne seine Trainerinnen Marina Tschohl und Silvana Reischmann wäre er nicht so erfolgreich geworden. „Die pushen und motivieren mich. Marina und Silvana bringen mir alles bei und unterstützen mich. Ohne sie stünde ich nicht auf dem Podium.“ Er bekomme viel Lob vom Verein: „Die sagen, es sei wahnsinnig, was ich da mache.“

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Shelties sind besonders schnelle Hunde.

Die Hälfte der Parcoursstrecke rennt er im Training mit, dann schont er sein Bein wieder. Dabei liegt die Amputation seines Beins erst seit November vergangenen Jahres zurück. Er wolle anderen Menschen mit Handicap Mut machen, ihre Träume zu leben. In ein tiefes Loch sei der ehemalige Musiker und Entertainer nach der Operation nie gefallen. Das liege vor allem an seiner positiven Einstellung zum Leben.

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Im Parcours kommt es vor allem auf die enge Bindung zwischen Mensch und Hund an.