Ausgezeichnet: Warum der Dorner Hof auch Spitzenköche überzeugt

VN / 17.07.2026 • 10:00 Uhr
Ausgezeichnet: Warum der Dorner Hof auch Spitzenköche überzeugt
Volle Fahrt voraus: Tanja und Markus Dorner versorgen Sibratsgfäll mit Lebensmitteln. Die beiden haben den Dorfladen am 1. Mai von Markus‘ Bruder August übernommen. Ideen für neue Projekte reifen bereits. VN/Paulitsch

Der Familienbetrieb ist weit mehr als ein Bauernhof. Das bleibt auch außerhalb Vorarlbergs nicht unbemerkt.

Sibratsgfäll Am Vormittag ist das Brot im Dorfladen in Sibratsgfäll bereits ausverkauft. Es herrscht ein Kommen und Gehen. „Jetzt habe ich es auch einmal gemacht“, freut sich eine Kundin, die soeben mehrere Produkte an der Selbstbedienungskasse gescannt und bezahlt hat.

Tanja und Markus Dorner vom Dorner Hof haben den Nahversorger am 1. Mai 2026 übernommen. „Ich habe mich anfangs heftig gewehrt, weil ich weiß, was hinter einem Laden alles steckt. Deshalb wollte ich das absolut nicht“, blickt Markus Dorner zurück. Das Konzept eines Selbstbedienungsladens überzeugte ihn dann doch – kameraüberwacht, mit minimalem Personaleinsatz und langen Öffnungszeiten.

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Das “Lädele” kommt fast ohne Personal aus. Tanja Dorner ist aber zur Stelle, wenn Hilfe gefragt ist. VN/Paulitsch

Das „Lädele“ ist täglich von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Angeboten wird alles, was man im Alltag braucht, darunter auch hofeigene Bioprodukte, die zuvor im Hofladen verkauft wurden, und Produkte regionaler Produzenten.

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Im “Lädele” gibt es alles für den täglichen Bedarf. Der Bio-Anteil liegt bei über 50 Prozent. VN/Paulitsch

Das kommt an. Vor wenigen Tagen wurden die Dorners auch offiziell ausgezeichnet. 100 Spitzenköchinnen und Spitzenköche aus allen Bundesländern haben für das Kulinarikmagazin „Kalk & Kegel“ die besten Lebensmittelproduzenten Österreichs gewählt. Bewertet wurde nach vier Kriterien: höchste Produktqualität, nachhaltiger Umgang mit Böden und Ressourcen, respektvoller Umgang mit Tieren sowie Wertschätzung gegenüber den Menschen. Der Dorner Hof ist einer von elf Vorarlberger Betrieben, die in die Empfehlungsliste aufgenommen wurden. „Es tut gut, zwischendurch eine Bestätigung zu bekommen, dass der Weg, den du eingeschlagen hast, gut ist und auch gesehen wird“, sagt Markus Dorner, der den Hof in vierter Generation führt.

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Die Erzeugnisse der Produzenten, die am Slow-Food-Markt teilnehmen, finden sich auch in den Regalen des „Lädele“. VN/Paulitsch
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An die bargeldlose Selbstbedienungskasse mussten sich vor allem die älteren Bewohner erst gewöhnen. Mittlerweile gehört sie zum Alltag. Fast jeder im Ort besitzt inzwischen eine Bankomatkarte. VN/Paulitsch

Stillstand ist für Tanja und Markus Dorner ein Fremdwort. Auf ihrem Hof greift ein Betriebszweig in den nächsten. Es gibt 20 Rinder und 120 Legehennen. Das hofeigene Biomasse-Heizwerk versorgt seit 2010 den Hof und zwölf Gebäude im Ort mit Wärme. Im Gewächshaus, das vor sechs Jahren errichtet wurde, arbeiten im Rahmen des Projekts „Green Care“ Menschen mit Behinderung mit. Neben Salaten, Tomaten und Co. wachsen Physalis, essbare Blüten, violetter Blumenkohl, Kakis, Microgreens oder das, was Küchenchefs suchen. „Wir versuchen, Nischen zu bedienen“, erläutert Dorner. Von Mai bis Oktober findet jeweils am ersten Samstag im Monat ein Slow-Food-Markt mit rund 15 regionalen Produzenten auf dem Hof statt. In den zwei Ferienwohnungen können Gäste Bio-Urlaub auf dem Bauernhof machen.

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Das Gewächshaus ist das ganze Jahr in Betrieb. Das Angebot richtet sich nach der Jahreszeit. VN/Paulitsch
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Von violettem Blumenkohl . . . VN/Paulitsch
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. . . bis Physalis. Die Dorners sind breit aufgestellt. VN/Paulitsch

„Es gibt wenige Betriebe, die so facettenreich sind“, unterstreicht Marcel Strauß, Geschäftsführer von Ländle Marketing. Die Organisation wurde vor 25 Jahren gegründet, um landwirtschaftliche Familienbetriebe und ihre Geschichten vor den Vorhang zu holen und die Erzeugnisse mit dem Ländle-Gütesiegel für Konsumenten sichtbar zu machen.

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Die Dorners setzen auf Direktvermarktung. Ein Selbstläufer sei das aber nicht, sagt Markus Dorner. „Momentan ist es eine sehr schwierige Zeit. Es wird wieder extrem auf den Preis geachtet, die Qualität spielt eine Nebenrolle. Urlaub und das Auto haben nach wie vor einen höheren Stellenwert als Lebensmittel. Deswegen bist du täglich aufs Neue gefordert”, berichtet er.  VN/Paulitsch
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Betreuerin Gerda und Mitarbeiterin Elke halten das Gewächshaus in Schuss. VN/Paulitsch

„Bei uns verlässt kein Tier lebend den Hof“, sagt Markus Dorner gern. Der Satz mag hart klingen, für ihn bedeutet er aber vor allem eines: kein Transportstress. Die Tiere werden direkt auf dem Hof getötet. „Es gibt keine Hektik, selbst die Veterinäre, die hier waren, um den Prozess zu genehmigen, waren perplex“, erzählt der Landwirt. Um herauszufinden, welche Rasse die beste Fleischqualität liefert, haben die Dorners 32 verschiedene Kreuzungen getestet und sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass das nicht rassenabhängig ist, sondern ausschließlich auf die Fütterung und ausreichend Bewegung zurückzuführen ist: „Bei uns bekommen sie nur Heu, Gras und Wasser. Bewegung ist das Wichtigste, damit die Marmorierung ins Fleisch kommt. Sie ist am Ende des Tages geschmacksentscheidend.“  

Der Slow-Food-Markt am Dorner Hof in Sibratsgfäll findet heuer noch an folgenden Samstagen statt: 1. August, 5. September und 3. Oktober.

Die Besten Produzenten in Vorarlberg

Die Empfehlungsliste von “Kalk & Kegel”:

  • Bacteriosapiens, Lustenau
  • Bio-Rinderhof Kaufmann, Lech am Arlberg
  • Biohof Lingenhel, Doren
  • Christine und Rafael Fetz, Egg
  • Dietrich Vorarlberger Kostbarkeiten, Lauterach
  • Dorner Hof, Sibratsgfäll
  • Fischerei Martin Gugele, Fußach
  • Flötzerhof, Wolfurt
  • Gut gereift im Bregenzerwald, Egg
  • Sennerei Lingenau, Lingenau
  • Vetterhof, Lustenau