„Das Leben ist kein Schoki“: Warum Sabine Ott nie Hüttenwirtin sein wollte

VN-Hüttenserie (2/5): Dass sie einmal die Bärgunt-Hütte führen würde, hatte Sabine Ott (58) nie geplant. Trotzdem ist sie dort seit 34 Sommern Hüttenwirtin. Wie es dazu kam und warum sie geblieben ist.
Baad Seit 34 Sommern ist Sabine Ott Hüttenwirtin der Bärgunt-Hütte im Kleinwalsertal – viel länger, als sie ursprünglich vorhatte.


Der kürzeste Weg zur Bärgunt-Hütte beginnt in Baad und dauert eine Dreiviertelstunde. Alternativ führt eine offizielle Mountainbike-Strecke hinauf. Über einen Winterwanderweg erreicht man die Bärgunt-Hütte auch im Winter. In der Zwischensaison betreibt Sabine Ott gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang eine Landwirtschaft. „Uns wird nicht langweilig.“


Die Alpe Bärgunt, zu der die Hütte gehört, umfasst 630 Hektar, davon 230 Hektar Weideland. Die Hütte kann ausschließlich gemeinsam mit der Alpe bewirtschaftet werden. Wolfgang ist dort seit 36 Jahren Älpler und betreut 200 Kühe.


Hier ist die Natur noch ungeordnet – und das sei „hervorragend“. Rund um die Hütte wächst ein alter Mischwald. „Wir wohnen im Wohnzimmer des Wildes“, sagt Sabine Ott. Deshalb solle man das Wild in Ruhe lassen und das Wildcampingverbot beachten.


Beliebt ist die Widdersteinumrundung. Ott empfiehlt, über das Gemsteltal auf- und über das Bärgunttal abzusteigen. Gut erreichbar ist auch die Höferspitze mit ihrem blumengesäumten Grat und Blick auf den Bregenzerwald.


Viel Herzlichkeit
Mit ihrer herzlichen Art geht Sabine Ott auf die Gäste zu, begrüßt sie, fragt, wie es ihnen geht, und hält mit ihnen einen Plausch. Auf die Bärgunt-Hütte kommen viele Stammgäste. „Gastfreundschaft hast du, oder hast du nicht“, sagt die 58-Jährige, die in Baad aufgewachsen ist.


Während Sabine Ott auf der Hütte bleibt, zieht ihr Bruder mit den Kühen weitere 600 Höhenmeter bergauf. Joghurt und Quark produzieren sie selbst, Käse jedoch nicht. „Wir sind keine Sennhütte“, sagt Ott. Wurst bezieht sie von jener Metzgerei, in der ihre Kühe geschlachtet werden. „Es ist ein Geben und Nehmen.“


Andere Pläne gehabt
Kurz vor ihrem 24. Geburtstag übernahm sie die Bärgunt-Hütte. Zur Hüttenwirtin wurde sie, wie sie erzählt, „wie die Jungfrau zum Kind“. „Eigentlich wollte ich nie Hüttenwirtin werden.“ In Riezlern besuchte sie die Handelsschule und arbeitete einen Sommer lang im Prinz-Luipold-Haus. Danach absolvierte sie eine Lehre zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin im Almhof Rupp. Nach der Lehre verschlug es sie nach Amerika, wo sie als Au-pair arbeitete. Nach einem Jahr erfuhr sie, dass ihr Bruder die Alpe übernehmen wollte und die Alpbauern sie als Hüttenwirtin vorgeschlagen hatten. Das war im Herbst 1992.


Dass sie die Hütte so lange bewirtschaften würde, war nie ihr Plan. Eigentlich sollte ihre Schwägerin die Hütte übernehmen, doch sie erkrankte und verstarb vor elf Jahren. Also blieb Sabine Ott, obwohl sie lieber studiert hätte. „Das Leben ist kein Schoki“, sagt sie. „Entweder man macht’s, oder man macht’s nicht. Man muss Entscheidungen treffen und damit klarkommen.“ Auch sie hat gesundheitlich zu kämpfen, weil sie an einer Stoffwechselstörung leidet. Doch sie nimmt es, wie es kommt: „Das Leben führt die Regie.“


Selbstbedienung
Auf der Hütte herrscht Selbstbedienung. Dadurch braucht sie weniger Personal, und Gäste verspüren keinen Zwang, etwas zu bestellen. Wer verweilen möchte, kann die Selbstversorgerecke nutzen und dort die mitgebrachte Jause essen. Falstaff zeichnete die Hütte, die für ihre vegane Erbsensuppe und den Milchreis bekannt ist, mit Platz 15 aus. Das Recht zur Bewirtung erhielt die Alpe 1930. Sabine Ott, die über eine Konzession verfügt, ist sich sicher: „Das würden wir heuer nie wieder bekommen.“


„Ich nehme es so, wie es kommt, und mache das Beste daraus“, ist ihr Motto. Und obwohl der Beruf der Hüttenwirtin nie Teil ihres Lebensplans war, sagt sie heute: „Jedes Jahr ist ein schönes Jahr.“


Bärgunt-Hütte
Hüttenwirtin: Sabine Ott
Ausgangspunkt: Baad (Kleinwalsertal), oder Parkplatz Hochtannbergpass (Hochkrumbach)
Gehzeit: eine Dreiviertelstunde ab Baad. Vom Hochtannbergpass über den Hochalppass rund zwei Stunden
Höhenmeter: ab Baad 170, ab Hochtannbergpass 260 Höhenmeter (aber Achtung: Wenn man wieder zum Hochtannbergpass zurück will, muss man nochmal 550 Höhenmeter dazurechnen)
Gipfel: Höferspitze (blau-weißer Wanderweg) über einen Wiesengrat, Abzweigung am Hochalppass
Besonderheit: Auch mit dem Bike ab Baad erreichbar. Im Winter ebenfalls geöffnet und über einen Winterwanderweg erreichbar
Infos: https://www.baergunthuette.de/


