Ein Herz für mutterlose Rehkitze: Die Bambi-Retter von Doren

Es passiert laufend: Auf der Rotachstraße im Bregenzerwald lassen Autofahrer nach Kollisionen leidende Rehe zurück. Jagdpächter Reinhard Vögel will diese Tierquälerei einbremsen.
Doren Das letzte Mal war in der Nacht des 9. Juli. Der Dorener Jagdpächter Reinhard Vögel (55) fand auf der Rotachstraße eine schwer verletzte Rehmutter in ihrem Blut liegend. Sie war noch am Leben. Doch jede Hilfe kam zu spät. “Ich musste über meinen Schatten springen und das Tier von seiner Qual erlösen. Auch wenn ich es nicht wollte”, sagt der Jagdpächter.

Es war nicht der erste Vorfall, sondern bereits der fünfte in diesem Jahr auf der Rotachstraße. “Mindestens einmal in zwei Wochen werden Tiere hier von Pkw angefahren, deren Lenker sich dann aus dem Staub machen und das Wild auf der Fahrbahn tot oder verletzt zurücklassen, ohne es zu melden. Dabei handelt es sich nicht nur um Rehe, sondern auch um Füchse oder Dachse, die oft schwer leidend zurückgelassen werden. Ich verstehe das nicht”, empört sich Vögel. Einmal gelang es ihm, ein verletztes Reh zu bergen und gesund zu pflegen.

“Ich weiß, es ist eine Mama”
Er kann sich an unzählige solcher Fälle in den vergangenen Jahren erinnern. Aber der Jäger und seine Familie, Ehefrau Sonya und Tochter Martina, haben ein Herz für Tiere. “Wenn ich so ein Reh auf der Straße liegen sehe, weiß ich, dass es eine Mama ist. Dann machen wir uns oft wochenlang auf die Suche nach den mutterlosen Kitzen im Wald, wo sie schutzlos ihrem Schicksal ausgeliefert sind”, sagt der 55-Jährige.
Zwei “Bambis” war das Glück durch die Familie Vögel hold. Sie konnten im Dickicht aufgefunden werden und fanden im Vögelhof ein neues Zuhause. Die Familie nannte die Kitze “Alaya” und “Aruscha” und pflegte sie liebevoll mit der Milchflasche auf. Acht Jahre lang.

“Ein mühsamer Job”
Dass Tierliebe nicht nur leidenschaftlich, sondern auch anstrengend sein kann, weiß seither Reinhards Tochter Martina: “Das war schon ein mühsamer Job, ich musste die beiden Bambies Tag und Nacht alle zwei Stunden mit der Milchflasche füttern”, erinnert sie sich. Die Familie Vögel möchte in diesem Zusammenhang auch die hervorragende Unterstützung durch den Hoftierarzt und die Wildtierhilfe in Wien hervorheben.

Reinhard Vögel möchte einen Appell richten und wachrütteln: “Wer mit seinem Fahrzeug Wild anfährt, soll danach nicht einfach weiterfahren, sondern den Vorfall melden – unbedingt. Sonst bleibt das ein untragbarer Zustand.”
Unfälle melden
Man müsse sich damit ja nicht gleich an die Polizei wenden. “Fahrzeuglenker können sich nach solchen Unfällen auch an mich als den örtlichen und zuständigen Jagdpächter wenden. Denn auch ich bin für Schadensmeldungen an die Versicherung befugt. Und um mich zu kontaktieren, braucht man nur bei irgendeinem Anrainer zu klingeln, denn hier in Doren kennt mich jeder”, so Vögel.