Demokratie braucht Mut und Gestaltungskraft

Die Redner fordern politische Gestaltungskraft und mehr Vertrauen in die Kraft der Kultur.
Bregenz Mit einem Plädoyer für eine handlungsfähige Demokratie und einem deutlichen Appell an die Politik sind am Mittwoch die 80. Bregenzer Festspiele eröffnet worden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler sowie Festspielpräsident Hans-Peter Metzler verbanden ihre Reden mit grundsätzlichen Fragen nach gesellschaftlicher Verantwortung, politischer Gestaltungskraft und der Zukunft öffentlich geförderter Kultur. So erhielt die Eröffnung auch eine deutliche politische Dimension.

Van der Bellen stellte die demokratische Ordnung als anspruchsvolle, aber unverzichtbare Aufgabe dar. „Die freie, liberale Demokratie verlangt uns etwas ab. Die kostet uns mitunter etwas. Das ist ihre Stärke, nicht ihre Schwäche“, sagte er. Sie fordere Geduld, Respekt, Kompromissbereitschaft und Mut, gebe den Bürgerinnen und Bürgern dafür aber die Freiheit zurück, das eigene Leben selbst zu gestalten. Der Bundespräsident wünsche sich ein Österreich, das auf seine Demokratie nicht nur stolz sei, wenn sie bequem sei, sondern sie verteidige, „wenn es anstrengend wird“.

Babler setzte den Schwerpunkt auf den Vertrauensverlust in die politische Wirksamkeit. Viele Menschen könnten zwar wählen, glaubten aber nicht mehr daran, „dass sie mit ihrer Stimme wirklich etwas verändern können“. Eine Politik, die sich hinter globalen Märkten, technokratischen Vorgaben oder vermeintlichen Zwängen verstecke, habe ihre eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Die Antwort darauf dürfe jedoch „keinesfalls ein Schwenk ins Autoritäre“ sein. Notwendig sei vielmehr „eine mutige, eine selbstbewusste Demokratie“, die sich wieder zutraue, einzugreifen und zu gestalten.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler richtete klare Worte an die Fördergeber. Kultur müsse verantwortungsvoll wirtschaften und Prioritäten setzen, betonte er. „Aber Sparsamkeit darf nicht mit Mutlosigkeit verwechselt werden. Kultur braucht Disziplin, aber auch Vertrauen.“ Seit mehr als 15 Jahren sei die Basisförderung der Bregenzer Festspiele nicht angepasst worden. Relativ gesehen sei die finanzielle Unterstützung „noch nie so gering wie heute“. Dass das Festival seine künstlerische Kraft dennoch bewahrt und weiterentwickelt habe, verdanke es dem Einsatz der Mitwirkenden, einem verlässlichen Publikum und einer wirtschaftlich disziplinierten Organisation.

Für einen heiteren Abschluss sorgte Van der Bellen selbst. „Jedes Jahr sitze ich hier und denke mir: Warum kann ich nicht einfach den ganzen Tag hierbleiben und dieser wunderschönen Musik zuhören? Aber nein – ich muss wieder die Festspiele eröffnen“, sagte er, bevor er die Jubiläumssaison offiziell für eröffnet erklärte.
Die Bregenzer Festspiele dauern heuer vom 22. Juli bis 23. August. Für nahezu 80 Veranstaltungen stehen insgesamt 228.000 Karten zur Verfügung.

